Filmmuseum zeigt Rossellini & Co.

Dov'è la libertà ...? (1954) (Bild: Österr. Filmmuseum)
Dov'è la libertà ...? (1954) (Bild: Österr. Filmmuseum) ©Österreichisches Filmmuseum
Erstmals seit 30 Jahren stellt das Österreichische Filmmuseum ab kommenden Mittwoch (10. Jänner) die Epoche des italienischen Neorealismus umfassend in Wien vor.

Im Zentrum der Retrospektive zum einflussreichen Filmschaffen Italiens in den 40er und 50er Jahren steht ein Mann, der heute als eine zentrale Gestalt in der Kultur des 20. Jahrhunderts gilt: Roberto Rossellini. Der Pionier, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, verhalf dem „Neorealismo“ mit seinem Welterfolg „Roma, citta aperta“ („Rom, offene Stadt“, 1945) zu rascher Bekanntheit.

Rossellini schuf gemeinsam mit Vittorio De Sica und dessen „Ladri di biciclette“ („Fahrraddiebe“, 1948) das Grundmodell für die neorealistische Ästhetik: „ein armes Kino, das den ganzen Reichtum menschlicher Erfahrung zu repräsentieren vermag“, wie es im Pressetext des Filmmuseums heißt. Als „symbolische Wiedergeburt des Mediums“ stellte der Neorealismus einen Gegenstrom zum glamourösen Hollywood-Entertainment, dem „Golden Age“ des US-amerikanischen Films, in den 40er und 50er Jahren dar und fungierte als Vorbild für mehrere New Hollywood-Regisseure der 70er Jahre (Scorsese, Cassavetes) ebenso wie für das dokumentarische Real Cinema oder Dogma 95.

Der Weg Rossellinis und die Entwicklung des Neorealismus von der faschistischen Ära bis in die späten 50er Jahre wird vom Filmmuseum parallel nachgezeichnet. Zu Beginn der Filmauswahl stehen zwei pro-faschistische Werke von 1941/42: Rossellinis unter der Leitung von Marine-Filmoffizier Francesco de Robertis entstandener „La nave bianca“ („Das weiße Schiff“) und De Robertis’ „Alfa Tau!“ Die anhaltende Lehrmeinung, der Neorealismus sei von Grund auf eine antifaschistische subversive Kultur gewesen, wird durch die Unterstützung einer realistischen Ästhetik durch die faschistische Führung – im Sinne einer ideologisch anerkannten und geförderten Ästhetik – untergraben.

Aushängeschilder des Neorealismus wie Michelangelo Antonioni oder Guido Aristarco, Co-Autor von Aldo Verganos kommunistisch angehauchtem „Il sole sorge ancora“ („Die Sonne geht wieder auf“, 1946), engagierten sich publizistisch ebenfalls für eine nationale realistische Filmästhetik. Weltweit gefeiert und schließlich wohl ausschlaggebend für die antifaschistische Wahrnehmung der neorealistischen Bewegung war jedoch Rossellinis während des Krieges konzipierter und 1945 entstandener Film „Roma, citta aperta“, den er 1944 kurz nach der Räumung der italienischen Hauptstadt durch die Deutschen drehte. Für Anna Magnani war der Film der Beginn ihrer Weltkarriere.

Mit „Paisᓠkonnte Rossellini ein Jahr später an den großen Erfolg anknüpfen und erhielt dafür auch eine Oscar-Nominierung. Zwei Jahre darauf trieb er die Prinzipien der neorealistischen Bewegung in „Germania, anno zero“ zu einem radikalen Höhepunkt. „An Rossellini gefiel mir sein Einfühlungsvermögen, die Begeisterung, mit der er Regie führte. Er half mir, meine eigene Liebe zur Regie zu entdecken“, hat der sich als politisch uninteressiert bezeichnende Fellini einmal über seinen Lehrer Rossellini gesagt. Von Fellini werden in der Reihe ebenso Filme gezeigt wie von Luchino Visconti, Giuseppe de Santis, De Sica oder Antonioni.

Rossellini selbst verließ 1949 Anna Magnani für die junge Ingrid Bergman. Mit der Schwedin, seit „Casablanca“ (1942) ein Star, dreht er im gleichen Jahr „Stromboli“ und anschließend fünf weitere Filme. An den Erfolg des ersten gemeinsamen Werks konnten sie jedoch nicht mehr anschließen – nicht zuletzt auf Grund der Skandalpresse, die die Ehe zwischen dem Katholiken und der geschiedenen Protestantin nicht guthieß. Dennoch brachte die Ehe nicht nur drei Kinder, sondern auch Filme wie „Europa ’51“ oder „Viaggio in Italia“ hervor.

Nach der Trennung wendet sich der „Vater des modernen Films“, wie er von der französischen Nouvelle Vague getauft wurde, nach Indien, wo er eine epische Fernsehreihe und den Film „India, Matri Bhumi“ (1957-59) dreht. Auf Grund der Abkehr von seinen Ursprüngen und der Ausweitung seiner ethischen und gesellschaftlichen Interessen wurde der Meister des Neorealismus später auch für dessen Niedergang verantwortlich gemacht. Rossellini starb 1977 im Alter von 71 Jahren in Rom.

Mehr Info: www.filmmuseum.at

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