Fiaker: 182 Kutschen in Wien

Wiener Fiaker unterwegs
Wiener Fiaker unterwegs ©bilderbox.at
Die Zweispänner seit 1670 in der Wiener Innenstadt unterwegs. 2009 gibt es 182 Kutschen von 27 Unternehmen für 58 Standplätze.

Sie prägen das Bild der Innenstadt: Insgesamt gibt es in Wien 182 Fiakerkutschen, von denen lediglich 58 zeitgleich im Einsatz sein dürfen. Der Grund sind die 58 Platzkarten für die Standorte am Stephansplatz, Heldenplatz, Petersplatz, Burgtheater und bei der Albertina. Diese Platzkarten werden halbjährlich neu vergeben, wobei jeder der 27 Unternehmer eine fix zugeteilt bekommt, während die restlichen nach einem komplexen Schlüssel verteilt würden, so Andreas Curda, Fachgruppengeschäftsführer in der Wirtschaftskammer.

Dementsprechend können auch nur 58 Fahrer ihre zweispännige Droschke durch die Wiener Innenstadt lenken – obgleich rund 300 die seit 1998 verpflichtende Fahrdienstprüfung absolviert haben, bei der auch Grundkenntnisse über Sehenswürdigkeiten abverlangt werden. Die Kleidung der Fahrer ist in der Betriebsordnung für Fiaker- und Pferdemietwagenunternehmen geregelt. Demnach sind einfarbiges Hemd oder Bluse, Mascherl oder Krawatte, lange Hose oder Rock, Gilet, Sakko oder Blazer, Straßenschuhe und Melone vorgegeben. Jeans, Parka und Turnschuhe sind dezidiert verboten.

Auch die Preise für die kleine und die große Rundfahrt mit 20 sowie 40 Minuten Länge durch die City sind als Höchstpreise von der Stadt vorgegeben. Für diese Fahrten sind 45 oder 65 Euro zu berappen. Bei Sonderfahrten zu Hochzeitsanlässen oder ähnlichem sind die Fiaker-Unternehmer in ihrer Preisgestaltung frei.

Um den 30. August herum feiern sie im Stephansdom den Namenstag ihres Schutzheiligen, des irischen Mönchs Fiacrius. Dessen namensgebende Funktion rührt aus dem Paris des 17. Jahrhunderts her, als der Kaufmann Nicolas Souvage erstmals Pferdelohnwagen mit Kutschern anbot, die ihren Standplatz in der Rue de Fiacre hatten.

Die Geschäftsidee wanderte bald auch nach Wien, wo gegen 1670 die ersten Fiaker-Lizenzen durch die “Polizeioberdion” ausgegeben wurden, auch wenn sich der Namen “Fiaker” erst später einbürgerte. Ihren Höchststand erreichten die Fiaker dann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als rund 1.000 Droschken ihre Kreise durch die Innenstadt zogen.

Seit 2004 müssen die Fiaker dies mit einer “Exkrementtaschen” tun, auch bekannt als “Pooh-Bag” oder “Pferdewindel”. Theoretisch drohen hohe Strafen, sollte dennoch ein Rossapfel das Pflaster berühren, in der Praxis gebe es jedoch keinerlei Probleme, versicherte Curda. Überdies tragen die Tiere seit 2004 einen Identifikationschip unter der Haut.

2007 scheiterte ein Versuch mit Gummihufen, um die überproportionale Beschädigung des Innenstadtpflasters durch die eisernen Pferdschuhe zu verhindern. Diese seien schädlich für die Gelenke, da die Pferde bei Nässe rutschten, bei Trockenheit jedoch durch den Gummi abrupt gestoppt würden. Überdies nutze sich das Material schnell ab – während ein Pferd frühestens alle sechs Wochen neu beschlagen werden könne.

Die Mehrzahl der Ställe befindet sich übrigens in den Bezirken Landstraße, Simmering, Ottakring und Hernals sowie beim Trabrennplatz im Prater. Dabei ist die Boxenhaltung verpflichtend, wobei Tierschutzorganisationen immer wieder gegen die Haltung protestieren.

Diese fordern ebenso Sonnendächer als Hitzeschutz für die Tiere. Dies sei technisch nur schwer zu bewerkstelligen, so Curda, weil sich bei niedrigen Dächern ein Hitzestau bilde. Außerdem bemühe man sich bereits um Schatten für die Pferde, wenn man etwa vom Helden- auf den schattigeren Michaelerplatz ausweiche. Und auch der kritisierte Standort Stephansplatz werde halbtags vom Dom beschattet.

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