Festnahmen nach Ausschreitungen in Kairo

Im Zentrum von Kairo haben sich Anhänger und Gegner des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak am Donnerstag erneut heftige Auseinandersetzungen geliefert. Beide Seiten hätten sich mit Steinen beworfen, berichtete ein Reuters-Reporter. Die Armee drängte einem Augenzeugen zufolge Mubarak-Anhänger von den Demonstranten ab. Sie setzte demnach dabei auch einen Panzer ein.
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Panzereinsatz in Ägypten

Zu den neuen Zusammenstößen kam es in einer Seitenstraße des zentralen Tahrir-Platzes gekommen. Ein Mitglied eines Reuters-Kamerateams wurde zusammengeschlagen. Auf dem Platz hatten schon am Mittwoch und in der Nacht offenbar gedungene Mubarak-Anhänger Regierungsgegner mit Peitschen und Knüppeln angegriffen. Bei stundenlangen Straßenschlachten wurden nach verschiedenen Berichten bis zu fünf Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Angesichts der blutigen Ausschreitungen rief die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die ägyptische Regierung auf, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. “Die Regierung ist verantwortlich für das Wohlergehen und die Sicherheit der Bevölkerung”, erklärte Ashton in Brüssel. Sie rief die Führung in Kairo erneut auf, rasch den Weg zu demokratischen Reformen und einem politischen Wechsel mittels freier Wahlen zu beschreiten. Auch die fünf großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien äußerten sich in einer gemeinsamen Erklärung dahingehend. US-Außenministerin Hillary Clinton forderte den neuen ägyptischen Vize-Präsidenten Omar Suleiman auf, Ermittlungen zu den Straßenschlachten aufzunehmen. Bundespräsident Heinz Fischer rief zum Gewaltverzicht auf.

Die Proteste gegen das ägyptische Mubarak-Regime gingen auch auf der Sinai-Halbinsel weiter. Hunderte Regierungsgegner demonstrierten am Donnerstag in der Stadt El-Arish (Al-Arish) im nördlichen Sinai. Sie verlangten den Rücktritt Mubaraks. In der Nacht zuvor war es auch in mehreren Städten auf dem Sinai zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern des Regimes von Präsident Hosni Mubarak gekommen. Über mögliche Opfer wurde zunächst nichts bekannt. Die Proteste haben sich bisher aber nicht auf die Urlaubsgebiete am Roten Meer, darunter der Badeort Sharm el-Sheikh, ausgebreitet.

Eine Gruppe von Randalierern hat in der Nacht auch zwei SOS-Kinderdörfer in Ägypten überfallen. Mehrere junge Männer sollen in die Dörfer in Kairo und Alexandria eingedrungen sein und versucht haben Essen oder Medikamente zu stehlen. Nach kurzem Gerangel wurden die Männer vertrieben, sagte ein Sprecher der Organisation in München. Dabei verletzte sich der Direktor des Kinderdorfs in Alexandria leicht, Kinder und Mütter blieben unverletzt.

Unterdessen begann Vize-Präsident Suleiman einen Dialog mit der Opposition, meldete das ägyptische Staatsfernsehen am Donnerstag. Nach Angaben von Regierungsgegnern handelt es sich bei diesen Oppositionellen allerdings nur um Vertreter von sechs kleineren Parteien.

Die meisten Oppositionellen, die sich mit den Anti-Regierungs-Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo solidarisiert haben, haben erklärt, sie wollten erst nach einem Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak mit Suleiman über demokratische Reformen sprechen. Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei, der in der Oppositionsbewegung eine prominente Rolle übernommen hat, verlangte am Donnerstag auch, vor jedweder Verhandlung müsse die Sicherheit auf dem Tahrir-Platz wiederhergestellt werden. Ein Sprecher der einflussreichen Muslimbruderschaft lehnte Vereinbarungen ab, die sich aus Verhandlungen mit der Regierung ergeben könnten.

Angeblich soll der neue Ministerpräsident Ahmed Shafiq außerdem Gespräche mit Anti-Mubarak-Demonstranten begonnen haben. Er entschuldigte sich für die Angriffe “auf friedliche Demonstranten”. Die Armee versuchte am Donnerstag Auseinandersetzungen auf dem Tahrir-Platz zu verhindern, indem sie eine Pufferzone schaffte. Damit gab die Armee erstmals seit dem Ausbruch der Gewalttätigkeiten ihre eher passive Haltung auf. Sie postierte auch mehrere Panzer an der umkämpften 6.-Oktober-Brücke über den Nil auf, wo sich Mubarak-Anhänger sammelten.

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