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Fehlende Brillanz, flaues Licht: Glühbirnenverbot als Design-Unglück

©SXC
Das Verbot der klassischen Glühbirne ist aus Sicht von Lampendesignern ein ästhetisches Unglück.

“Da ist ein europäisches Kulturgut bedroht”, sagte der Vorstandsvorsitzende des Zentralverbandes Europäischer Designkultur (ZVEDK), Michael Gärtner, im ostwestfälischen Espelkamp der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Viele Klassiker des Leuchten-Designs verlören ihre gestalterische Aussagekraft und Brillanz mit dem flauen Licht der Sparlampen, sagte Gärtner. Als Beispiel nannte er die bekannte Bauhaus-Lampe WG 24 von Wilhelm Wagenfeld (1900-1990). “Wenn man dort eine Energiesparlampe hineinschraubt, ist sie zwar durch einen Glasschirm verdeckt, aber es ergeben sich schreckliche Schatten, und die Leuchte verliert ihre wertige Aussagekraft. Der beabsichtigte ästhetische Ausdruck ist nicht mehr gegeben.” Bei Schreibtischlampen sei schon aus gesundheitlichen Gründen eine Lichtleistung nötig, die Sparlampen nicht erfüllen könnten. Die Designer setzen auf LED-Technik.

Vom 1. September an greift in der Europäischen Union die erste Stufe des Verbots für Glühlampen. Alle mattierten Birnen sowie klare Glühlampen mit 100 Watt und mehr dürfen dann nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. “Die klassischen Leuchtmittel bilden annähernd das gesamte Lichtspektrum des Sonnenlicht ab”, sagte Gärtner. “Bei Energiesparlampen ist das Licht dagegen sehr künstlich, und der Weißanteil viel zu hoch. Durch das begrenzte Lichtspektrum wirkt das Licht so flau.”

Bis 2012 will Brüssel im Sinne des Klimaschutzes nach und nach auch schwächere klassische Glühlampen verschwinden lassen. “Bis wirklich adäquate Leuchtmittel dem Markt zu Verfügung stehen, wäre eine Sondersteuer schon im Interesse der Freiheit auf Wohnqualität wünschenswert gewesen”, so Gärtner. Dänemark habe der EU- Kommission einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, sei aber gescheitert.

Für manche Leuchten-Produzenten habe dies drastische Folgen. “Hersteller von Kristall-Lüstern sind in ihrer Existenz bedroht.” Energiesparlampen fehle “die Brillanz”, sagte Gärtner. Zudem dominierten die massiven Leuchtmittel mit ihren Elektronikelementen das Umfeld der klaren Transparenz und sind dort nicht zu verbergen.

“Die Leuchtmittelindustrie bietet zwar Lösungen auf Halogen-Basis an. Die halbwegs ästhetischen Lösungen werden jedoch aufgrund ihrer nicht ausreichenden Effizienz ebenfalls spätestens 2016 vom Markt verbannt”, sagte Gärtner. Für die nächsten Jahre sei noch keine wirklich nachhaltige technische Nachfolge bei Leuchtmitteln in Sicht.

Der ZVEDK sei dabei, sich bei der Entwicklung neuer Technologie mit einzubringen. “Die LED-Technik ist letztlich die angestrebte langfristige Lösung. Sie kann das Lichtspektrum am ehesten abbilden und ist am sparsamsten. Allerdings muss aufgrund der Lichtleistung das Licht optisch gebündelt werden und eignet sich somit eher für gerichtetes Licht und nicht für eine raumfüllende Ausleuchtung.”

Der Streit um die Energiesparlampen habe in diesem Jahr den Anstoß zur Gründung des Zentralverbandes geben, sagte Gärtner. In der politischen Meinungsbildung würden die designorientierten Interessen zu wenig berücksichtigt. Neben den großen Industrieverbänden benötigten die entscheidenden Ministerien fachliche Beratung in gestalterischen und kulturellen Fragen. Der ZVEDK repräsentiert unter anderem zwei Dutzend Leuchtenhersteller und deren Zulieferer.

Internet: www.zvedk.de

 

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