Favorit Niederlande mit Respekt vor Russland

Teamchef Marco van Basten warnte vor den spielerischen Qualitäten der von seinem Landsmann Guus Hiddink betreuten russischen Elf.

“Russland ist ein schwieriger Gegner”, betonte Van Basten im Teamcamp in Lausanne. “Aber ich glaube, dass wir aufsteigen werden.”

Die klaren Siege gegen Weltmeister Italien (3:0), Vizeweltmeister Frankreich (4:1) und Rumänien (2:0) haben Selbstvertrauen gegeben. Ob ihrer überzeugenden Vorstellungen sind die im Vorfeld kritisierten Niederländer sogar zum Turnierfavoriten avanciert. “Ich bin mir sicher, dass die Gruppe auch mit diesem Druck umgehen kann”, sagte Van Basten. Durch das Familientragödie von Verteidiger Khalid Boulahrouz sei die Mannschaft noch näher zusammengerückt.

Boulahrouz’ Tochter war am Mittwoch kurz nach der Frühgeburt in einem Krankenhaus in Lausanne verstorben. Der 26-Jährige, der bisher rechts in der Viererkette gespielt hat, will im Viertelfinale dennoch spielen. “Es ist eine sehr schwierige Situation für ihn, aber er hat mir gesagt, dass er einsatzfähig ist”, sagte Van Basten. Dem Bondscoach stehen damit alle Spieler zur Verfügung.

In der Offensive dürfte Van Basten hinter Solospitze Ruud van Nistelrooy auf das Trio Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart und Arjen Robben setzen. Als zusätzliche Option stehen auch Robin van Persie und Dirk Kuyt bereit. Van Bastens “Luxusproblem” ist nicht kleiner geworden. Bisher ist dem Teamchef der Drahtseilakt aber gelungen. Die vor EM-Beginn noch so kritische Presse hatte ihm nach der souveränen Vorstellung in Gruppe C gehuldigt.

“Wenn du gewinnst, dann hast du Freunde”, erklärte Van Basten, der fest an den zweiten EM-Titel der Niederländer nach 1988 glaubt. Damals hatte sich ebenfalls die “Sbornaja”, noch als Russlands Vorgängerstaat UdSSR, in den Weg gestellt – allerdings erst im Finale in München. Dieses hatte Van Basten mit seinem “Jahrhunderttor” zum 2:0 entschieden. “Das ist alles eine sehr schöne Erinnerung”, sagte der ehemalige Weltklasse-Stürmer.

Im Moment beschäftigt er sich aber viel mehr mit den Stärken des Viertelfinal-Gegners, die vor allem in der Offensive zu suchen sind. “Nach einem schwierigen Start ins Turner (1:4 gegen Spanien/Anm.) haben die Russen guten Fußball gezeigt”, betonte Van Basten. “Es ist eine offensive, spielstarke Mannschaft mit Offensivspielern, die große Klasse haben.” Van Basten meinte damit etwa den in den ersten beiden EM-Spielen gesperrten Andrej Arschawin.

Entscheidend dürfte sein, wie sehr die Oranjes Russland ihr Spiel aufzwingen können. Selbst bei den klaren Erfolgen gegen Italien und Frankreich hatte es Phasen gegeben, in denen Keeper Edwin van der Sar den Sieg festhalten musste. Der 37-Jährige bestreitet am Samstag sein 16. EM-Spiel und stellt damit den Rekord von Lilian Thuram ein. “Wenn wir den Titel holen wollen, dann müssen wir gewisse Dinge noch verbessern”, gestand Van Basten.

Die Statistik spricht für die Niederlande. Von bisher acht Duellen mit Russland oder der UdSSR haben die Oranjes vier gewonnen und nur zwei verloren. Im jüngsten Aufeinandertreffen, einem Testspiel im Februar 2007 in Amsterdam, siegten sie sogar mit 4:1. Mehr als 100.000 Oranje-Fans werden in Basel erwartet. Einen Landsmann werden sie aber nicht bejubeln – Guus Hiddink. Obwohl Van Basten anmerkte: “Ich freue mich aufrichtig für Guus.” Dass er ins Viertelfinale gekommen ist – und nicht weiter.

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