Faszinierende Spiele mit der Schärfentiefe

Tipps und Tricks zur Regulierung der Schärfentiefe.
Tipps und Tricks zur Regulierung der Schärfentiefe. ©Canon
Wenn von den Vorteilen einer Spiegelreflexkamera gegenüber einem kompakten Fotoapparat die Rede ist, kommt sehr schnell das Argument der „Schärfentiefe“ ins Spiel.

Während eine kleine Westentaschenkamera meist ein durchgängig scharfes Bild produziert, hat der Besitzer einer größeren Kamera die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, ob sich die Schärfe über das gesamte Foto erstreckt, oder ob sich beispielsweise das Motiv im Vordergrund gegen einen verschwommenen, unscharfen Hintergrund abheben soll. Vor allem bei Porträts ist diese Technik von unschätzbarem Wert, aber auch beim Fotografieren von spielenden Kindern oder Tieren kann es von Vorteil sein, nur das Hauptmotiv scharf darzustellen, damit das Auge des Betrachters nicht durch die Umgebung abgelenkt wird.Beim Fokussieren stellt die Kamera immer auf eine bestimmte Ebene scharf – alles was sich in der gleichen Entfernung vom Objektiv befindet, wird gleichermaßen scharf dargestellt. Die Schärfentiefe sagt nun aus, in welcher Distanz vor bzw. hinter dieser Idealebene der Bildinhalt ebenfalls noch scharf wahrgenommen wird, und ab wann das Bild zu verschwimmen beginnt. Man stelle sich Wiese mit einer Schafherde vor, im Hintergrund, in weiter Ferne, eine Bergkette, und einen blühenden Ast, der in kurzem Abstand vom Fotografen ins Bild hängt. Der Fotograf hat nun die Wahl, auf welchen Teil des Bildes er den Blick des Betrachters lenken will, in dem er den Fokus auf genau die gewünschte Ebene legt.

Intelligente, vollautomatische Autofokus-Systeme nehmen dem Einsteiger diese Entscheidung oftmals ab, wesentlich spannender und kreativer ist es jedoch, selbst zu wählen, auf welchen Punkt die Kamera scharfstellen soll. Da dieser Punkt meist nicht genau in der Mitte des Bildes liegt, visiert man ihn in der Praxis erst einmal mittig an, drückt dann den Auslöser nur etwa bis zur Hälfte durch, bis man merkt, dass der Autofokus auf den gewünschten Punkt scharf gestellt hat. Dann bringt man die Kamera mit weiterhin halb gedrücktem Auslöser in die gewünschte Perspektive, und löst erst dann komplett aus.

Die Schärfentiefe  ist von mehreren Faktoren abhängig. Einer der wichtigsten, auf den der Benutzer leider auch den wenigsten Einfluss hat, ist die Größe des Bildsensors. Je größer der Sensor ist, desto mehr Spielraum ergibt sich daraus für Experimente mit der Schärfentiefe. Die besten Resultate erzielt man deshalb mit einer professionellen Vollformatkamera, aber auch eine Einsteiger-Spiegelreflexkamera mit APS-Sensor bietet ausreichend Möglichkeiten, mit dem Phänomen der Schärfentiefe zu arbeiten.

Voraussetzung ist freilich ein gutes Objektiv, denn hier kommt auch gleich der zweite Faktor ins Spiel: Je größer die Blendenöffnung, desto schmäler ist der Bereich, in dem das Motiv scharf dargestellt wird.

Aber auch die Brennweite hat einen starken Einfluss auf die Schärfentiefe: Während bei Verwendung eines Weitwinkels meist das gesamte Bild ausgesprochen scharf erscheint, hebt sich bei einem starken Teleobjektiv das anvisierte Motiv im Vordergrund schon wesentlich deutlicher von einem unscharfen Hintergrund ab. Auf diese Weise kann man den gewünschten Effekt dann doch auch mit so mancher Kompaktkamera erzielen, wenn diese ein starkes Zoom besitzt. Unbequem ist dabei allerdings, dass man sich unter Umständen ziemlich weit von seinem Motiv entfernen muss, um einen Menschen bei einer Brennweite von beispielsweise 400 Millimetern Kleinbild-Äquivalent komplett auf das Bild zu bekommen.

Wobei der Abstand zum Motiv selbst aber auch wieder einen unmittelbaren Einfluss auf die Schärfentiefe hat: Je näher man das Objekt der Begierde vor der Linse hat, desto flacher ist der Bereich, der scharf abgelichtet wird. Dies macht auch die Makrofotografie  so schwierig: Versucht man, eine Blume oder ein Insekt zu fotografieren, sind oftmals nur ein Blütenstempel, ein Fühler oder ein Auge deutlich zu erkennen, während alles andere nur noch verschwommene Farbe sind.

So absurd es klingen mag: Extreme Nahaufnahmen gelingen mit einer kleinen Kompaktkamera oftmals besser als mit einer großen Spiegelreflexkamera, da sich die Schärfentiefe in diesem Fall eher negativ auswirkt. Bei der Spiegelreflexkamera heißt es hier, die kleinstmögliche Blende einzustellen, um den scharfgezeichneten Bereich auf ein Maximum zu erweitern.

(Text: Uwe Fischer)

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