Familientreffen mit Hindernissen - Trailer und Kritik zum Film

Familie an sich ist ja etwas Schönes - en gros gesprochen. Nicht anders ist dies bei Albertine, die sich während einer Zugfahrt an einen Tag mit ihrer Großfamilie in der Bretagne erinnert. In den folgenden eineinhalb Stunden wird die damalige Geburtstagsfeier der Großmutter in all ihrer stimmigen Profanität und ihrer rührenden Banalität in einer Rückblende geschildert. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Dies ist der Inhalt von “Familientreffen mit Hindernissen”, der neuesten Regiearbeit von Julie Delpy, die ab Freitag in den heimischen Kinos läuft – nicht mehr und nicht weniger.

Im Jahr 1979 kommt eine französische Großfamilie zum Geburtstag von Oma Amadine (Bernadette Lafont) zusammen, darunter die kleine Albertine (Lou Avarez) samt Mutter Anna (gespielt von Julie Delpy selbst) und Vater Jean (Eric Elmosnino) sowie Oma Prevost (herzergreifend betulich gespielt von Leinwandlegende Emmanuelle Riva) – und zahlreiche weitere Onkel und Tanten und Cousinen und Schwager und sowieso und überhaupt. Da man sich Ende der 70er befindet, tragen alle entsprechende Frisuren und ebensolche Kleidungsstücke, fahren zu fünft in Enten und diskutieren über die aktuellsten Filme, also “Die Blechtrommel” und “Apocalypse Now”. Delpy gelingt es allerdings, dies alles authentisch stimmig zu verpacken, ohne dabei gezwungen nostalgisch zu wirken oder die Assoziation von Kostümfundus zu erwecken.

“Familientreffen mit Hindernissen”: Banale Familienaufstellung

Ansonsten sind die Geschlechterrollen noch klar verteilt in der Welt der ländlichen Zusammenkunft: Die Männer saufen und spielen Fußball, die Frauen kochen, auch wenn Mutter Anna da schon emanzipiertere Vorstellungen hat. Im Großen und Ganzen brechen nur bei politischen Diskussionen kurzzeitig Gräben in der Großfamilie auf. Ansonsten tun alle das, was man von ihnen auf der Leinwand erwartet: Die Kinder pubertieren, die erwachsenen Geschwister streiten und vertragen sich, Oma möchte Harmonie und die kleine Albertine bekommt ihre erste Periode. Dass in den Nachrichten der möglicherweise nahe Einschlag des Satelliten “Skylab” – der auch für den Originaltitel “Le Skylab” verantwortlich ist – erwartet wird, bleibt eine belanglose Petitesse.

Alles in allem plätschert Delpys private Familienaufstellung so gemächlich vor sich hin wie das naheliegende Meer, letztlich ebenso belanglos wie authentisch. Für all jene, die das Gefühl im Kino lieben, dass auf der Leinwand besonders authentisch zugeht, ist “Familientreffen mit Hindernissen” die richtige Wahl-Verwandtschaft. Für skurrilere Familiengeschichten sei auf das zweite Werk der französischen Regieaktrice Delpy verwiesen, deren Arbeiten es derzeit im Doppelpack in den heimischen Kinos gibt: So läuft auch ihre eigentlich neuere Arbeit “2 Tage New York” noch, die bereits Anfang Juli gestartet war.

(APA)
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