Falscher Rechtsanwalt verurteilt

Weil er sagenhafte Renditen von bis zu 80 Prozent für risikolose Investments in Aussicht stellte, wurden mehrere finanzkräftige Geschäftsleute schwach. Jetzt wurde ein falscher Rechtsanwalt zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die Getäuschten überließen dem vermeintlichen Rechtsanwalt insgesamt 1,2 Mio. Euro für Veranlagungen.

Betrug

Die Versprechungen des 52-jährigen Mannes waren eben so unwahr wie sein behaupteter akademischer Titel: Mehr als einen Abschluss an der Hotelfachschule in Bregenz konnte der gebürtige Vorarlberger am Mittwoch im Wiener Straflandesgericht nicht vorweisen.


Ein Schöffensenat (Vorsitz: Eva Brandtstetter) verurteilte den falschen Anwalt wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu fünf Jahren Haft. Der Mann, dessen Berufsausbildung ihm eine Tätigkeit als Koch, Kellner oder Konditor ermöglicht hätte, war stattdessen in jungen Jahren nach Amerika gegangen. Dort habe er „wirtschaftliche Aufbaukurse“ belegt, erzählte er nun im Grauen Haus.

Als er um ein wenig ökonomisches Wissen reicher nach Europa zurückkehrte, landete er über Umwege in Tschechien. Dort lernte er einen gut situierten Rechtsanwalt mit zwei Kanzleien in Prag und Brünn kennen, der ihn im Glauben, der Mann habe in St. Gallen studiert und sei in New York als Anwalt eingetragen, als Mitarbeiter einstellte.

Der Vorarlberger schaffte es in weiterer Folge sogar, in die Liste der tschechischen Rechtsanwaltskammer aufgenommen zu werden. Alle Welt hielt ihn für einen Advokaten. „Mit der Zeit ist er einfach in diese Rolle hineingewachsen. Das tut auch dem Ego gut“, meinte dazu sein Verteidiger Herbert Eichenseder.

Sein Mandant legte ein Geständnis ab: „Es war typischer Betrug. Die typische Loch-auf-Loch-zu-Methode halt. Ein hochgradiger Betrug.“ Er habe innerhalb der Prager Kanzlei „für verschiedene Firmen Standorte entwickelt und gebaut“, beschrieb er seine Tätigkeit. Als die Geschäfte immer schlechter gingen, habe er Investments und Finanzierungen vermitteln wollen. Auf die Frage, ob das wirklich seine Absicht gewesen wäre oder es von Anfang an klar war, dass das Geld nicht für angebliche Tradingeschäfte verwendet wurde, bemerkte der 52-Jährige: „Ich dachte, dass ich mit jemandem sprechen würde.“

Stattdessen habe er jedoch die Beträge, die vorgeblich auf einem Leichtensteiner Treuhandkonto landen sollten, sich selbst zugeeignet und damit Schulden abgedeckt. „Der klassische Betrüger“, konstatierte Staatsanwältin Petra Staribacher, „von Investitionen weit und breit keine Spur! Er hat sich ein aufwendiges Leben, seine Gattin und seine Geliebte finanziert!“

Viel ist davon nicht mehr übrig. Das Geld habe er zur Gänze ausgegeben, stellte der Angeklagte fest. Seine Ehefrau hat sich mittlerweile scheiden lassen.

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