Falscher Opernintendant verhaftet

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Jener falsche Opernintendant, dem das Wiener Schlossopern-Ensemble „Leonora“ aufgesessen war, ist seit Montag in Haft. Das gab die Wiener Polizei gegenüber der APA bekannt.

„Er ist eigentlich ein Hochstapler“, meinte Oberstleutnant Karl Kmoch vom Wiener Kriminalkommissariat Zentrum-Ost beim heutigen Pressegespräch über den gestern wegen „schweren Betruges“ verhafteten vorgeblichen Opernintendanten „Peter Kafka“. Der gebürtige Wiener zeigte sich bei der Einvernahme „im wesentlichen geständig“. Die Schadenssumme im Zusammenhang mit der geplatzten Opernproduktion „Leonora“ beträgt insgesamt rund 460.000 Euro.


Die Dinge kamen ins Rollen, als am Tag vor der geplanten Premiere am 3. August im Garten des Palais Schwarzenberg eine Hotelmanagerin Anzeige gegen den 29-jährigen Peter W. wegen Verdachts des schweren Betruges erstattete. Noch vor der Generalprobe zum Opernpotpourri „Leonora“ tauchte „Kafka“, der sich auch als „Countertenor“ ausgegeben hatte und die Hauptrolle zu spielen gedachte, unter. Die Kriminalbeamten ermittelten die wahre Identität des unterstandslosen Peter W., der am Dienstag um 11.35 Uhr in Wien 23 festgenommen wurde.

“In privater Traumwelt gelebt”


Zwar soll der seit 2002 wegen Betruges vorbestrafte Hauptschulabsolvent mit abgebrochener Bäckerausbildung eine „Art privater Gesangsausbildung“ genossen haben, wie Kmoch erläuterte. „Er lebt in einer gewissen Traumwelt, überblickt aber dann die reellen Summen nicht mehr“, so Kmoch weiters. Bei der Einvernahme habe Peter W. über sich selbst gesagt, dass er „eben geht, wenn er sich nicht mehr auskennt“.


Tatsächlich bereichert habe sich Peter W. nicht, allerdings großen Schaden hinterlassen. Die ermittelnde Bezirksinspektorin Martina Fröhlich vom KK Zentrum-Ost bezifferte die bisher bekannte Schadenssumme von 69 Geschädigten mit 355.000 Euro. Dazu kämen noch die Gagenforderungen des geprellten Opernensembles um Regisseur Wolfgang Ritzberger in der Höhe von etwa 110.000 Euro.

Haftbefehle auch in München und Salzburg


Nach Meinung Kmochs liege dennoch sehr wohl „Betrugsvorsatz“ vor, was „natürlich die Gerichte zu bewerten haben“. Haftbefehle gegen Peter W. gab es auch in München und Salzburg. Die Anzeigen bezogen sich jeweils auf unbeglichene Hotelrechnungen, Möbelbestellungen, Mietzahlungen, Cateringaufträge und dergleichen.


Zuletzt lebte der wohnunglose Peter W. in „renommierten Hotels“, so Fröhlich. Probleme mit seiner Legitimation habe er offenbar nie gehabt. In jeder kleinen Pension müsse man seinen Ausweis zeigen, in großen Hotels genüge offenbar der Hinweis auf sein Intendantentum, meinte Fröhlich.


Mit dem Erlös aus „Leonora“ habe er seinen nächsten Traum finanzieren wollen, erzählte Kmoch: eine Inszenierung der „Fledermaus“ zu Silvester..

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