Fall Kampusch: Kronzeugin belastet Mutter

Ehemaliges Priklopil-Haus in Strasshorf/NÖ
Ehemaliges Priklopil-Haus in Strasshorf/NÖ ©APA
Vor drei Jahren befreite sich Natascha Kampusch aus dem Verlies ihres Entführers Wolfgang Priklopil. Der Kriminalfall steht nach der Wiederaufnahme von Ermittlungen sowie Spekulationen über unbekannte Komplizen Priklopils mehr im Mittelpunkt des Interesses denn je. Jetzt belastete eine Kronzeugin in einem Interview Nataschas Mutter - sie soll Priklopil bereits vor der Entführung gekannt haben!
Offene Fragen zu möglichen Mittätern

In einem Interview mit dem Frauenmagazin Madonna sagt Anneliese Glaser, einst enge Vertraute der Familie Sirny und bis heute die Nachbarin von Nataschas Mutter, dass sowohl Natascha als auch deren Mutter Brigitta Sirny bereits vor der Entführung Kontakt zu Wolfgang Priklopil gehabt haben könnten.

Glaser gilt als eine der wichtigsten Schlüsselfiguren im Kriminalfall Kampusch. Ihr akribisch geführtes Tagebuch ist nun Gegenstand der neuen Ermittlungen. Schwere Vorwürfe erhebt sie vor allem gegen Sirny, in deren Geschäft sie vor Nataschas Entführung arbeitete. “Natascha hat zu Hause sehr glitten, ihrer Mutter ging es immer nur ums Geld”, behauptete Glaser im Interview mit dem Frauenmagazin.

Erhebungen der Kommission bringen Schwung
Die spektakuläre Flucht und auch die Fragen, warum Kampusch nicht von der Polizei gefunden wurde, sorgte weltweit für mediales Echo. Seit der Wiederaufnahme von Ermittlungen im November 2008 flammte vor allem das Interesse an dem nach wie vor nicht ganz geklärten Kriminalfall wieder auf. Eingeleitet wurden die neuen Erhebungen, nachdem eine vom Innenministerium im Februar 2008 eingesetzte Evaluierungskommission zu dem Schluss kam, “dass die sachdienlichen Ermittlungsansätze bisher nicht vollständig ausgeschöpft wurden”.

Mit der mehrmals betonten Aussage, es gebe unbeantwortete Fragen zur Entführung, zu der Gefangenschaft im Verlies und Kontaktpersonen während dieser Zeit, sorgte Kommissionsleiter Ludwig Adamovich vor allem in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen. Die Rede war dabei auch von möglicherweise unbekannten Mitwissern und -tätern, durch die Kampusch Gefahr drohen würde. Das Verwirrende an der Causa: Das Opfer selbst betont vehement, nichts von Komplizen Priklopils zu wissen, laut dem ermittelnden Bundeskriminalamt gibt es darauf auch keinerlei konkrete Hinweise.

Neben dem Kriminalfall ist auch die Person Kampusch seit drei Jahren immer wieder Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Während 2008 die kurzzeitige Tätigkeit der 21-Jährigen als Talkshow-Moderatorin auf Puls 4 für Schlagzeilen sorgte, rückte 2009 das Haus Priklopils in Strasshof wieder in den Fokus. Es gehört Kampusch seit 2008. Im Juli beobachteten Nachbarn Natascha in der Heinestraße 60 beim Ausmisten von Möbeln und beim Sonnen im Garten. In der Folge entbrannten Spekulationen, ob sie in ihr ehemaliges Gefängnis zurückziehen will. Kampuschs Medienberater wiesen diese Gerüchte entschieden zurück: Die 21-Jährige habe absolut keine Pläne für das Haus und sich dort lediglich kurz aufgehalten – um zu entrümpeln und die dringendsten Schäden zu beseitigen. Das Haus erhielt sie als Schadenswiedergutmachung genau wie die restliche Hinterlassenschaft Priklopils. Einen Teil hat sie der Mutter ihres Entführers abgelöst.

Bewohnt sieht das unscheinbare Anwesen hinter einer wuchernden Hecke tatsächlich nicht aus, wie ein Lokalaugenschein Mitte August zeigt: Am schwarzen Eisentor hängen Spinnweben, der Postkasten quillt über und der weiße Lack vom Garagentor blättert langsam ab. Regelmäßig zu pflegen scheint das Grundstück niemand. Zwischen den Pflastersteinen der Einfahrt rankten Unkraut und verdorrte Blumenbüsche zierten den Weg. Vergessen hat das Haus, den Kriminalfall, der sich dort hinter verschlossenen Türen abgespielt hat, und den Medienandrang in Strasshof allerdings noch niemand. Wer in der Heinestraße anhält und einen Blick auf das Grundstück wirft, wird wie vor drei Jahren mit unfreundlichen Kommentaren bedacht: “Habt ihr nix besseres zu tun? So was von deppat.”

Natascha Kampusch selbst wolle zu dem dritten Jahrestag ihrer Flucht – vor allem wegen der “niveaulosen Berichterstattung” rund um ihren Fall in den vergangenen Wochen – keinen Kommentar abgeben, so ihre Medienberater. Die 21-Jährige genieße derzeit ihre Ferien. Sie ist nach wie vor dabei, ihre Schulausbildung nachzuholen und abzuschließen.

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