Fall Brennan: Polizist fühlt sich "nicht schuldig"

Sportlehrer Mike Brennan (l.) und sein Anwalt Wilfried Embacher
Sportlehrer Mike Brennan (l.) und sein Anwalt Wilfried Embacher ©APA/HERBERT NEUBAUER
Wien -  Der 36 Jahre alte Polizist räumte allerdings ein, "30 Sekunden einen Fehler gemacht zu haben". Er habe den an der Vienna International School tätigen Sportlehrer verwechselt: "Es war ein bedauerlicher Zwischenfall, was mir an und für sich auch leidtut."
Brennan: "War wie ein Angriff im Football"

Der Polizist, der sich im Fall des irrtümlich für einen Drogendealer gehaltenen Mike Brennan am Donnerstag im Bezirksgericht Wien-Josefstadt verantworten muss, hat sich zur angeklagten fahrlässigen Körperverletzung “nicht schuldig” bekannt. Der 36 Jahre alte Polizist räumte allerdings ein, “30 Sekunden einen Fehler gemacht zu haben”. Er habe den an der Vienna International School tätigen Sportlehrer verwechselt: “Es war ein bedauerlicher Zwischenfall, was mir an und für sich auch leidtut.”

Drogenfahnder in U-Bahn

Der gebürtige US-Amerikaner war am Nachmittag des 11. Februar 2009 mit der U-Bahn unterwegs. In derselben U-Bahn observierten mehrere Drogenfahnder in Zivil vermeintliche Suchtgifthändler. In derselben Garnitur wie Mike Brennan saß ein Verdächtiger, der dem 34-Jährigen offensichtlich zum Verwechseln ähnlich sah. Als der angeklagte Polizist nämlich an der Station Spittelau ausstieg, sollte er den ebenfalls weiter hinten die U-Bahn verlassenden Verdächtigen anhalten, zur Ausweisleistung auffordern und allenfalls festnehmen, wobei Kollegen, die sich unmittelbar bei dem mutmaßlichen Dealer befunden hatten, diesen als groß gewachsenen Farbigen von bulliger Statur und mit einer dunklen Hose und einer Daunenjacke bekleidet beschrieben hatten. Auch auf eine Mütze wurde ausdrücklich verwiesen.

Dem 36-Jährigen Polizisten kam allerdings zunächst Mike Brennan entgegen, auf den die Personsbeschreibung zu passen schien, da sämtliche Merkmale auf den Lehrer zutrafen. Brennan trug sogar eine Kopfbedeckung. Er habe diesen mit den Worten “Stop! Police! Don’t move!” zum Stehenbleiben aufgefordert, erzählte der Angeklagte. Doch dieser habe nicht reagiert: “Er hat sich geduckt. Er hat sich verspreizt. Angespannt. Das ist für mich das Zeichen, er will weg. Ich habe ein Fluchtverhalten angenommen. Deshalb habe ich Körperkraft angewendet”, schilderte der Beamte.

Ruckartig aus dem Gleichgewicht gebracht

Er habe den Mann an der Oberbekleidung ergriffen, ruckartig aus dem Gleichgewicht gebracht und zu Boden befördert: “Ich wollte ihn auf keinen Fall verletzen. Ich wollte ihn nur zu Boden bringen. Und das habe ich auch gemacht.” Ihm sei wichtig gewesen, “dass ich ihn am Boden fixiere, bis Verstärkung eintrifft. Es war schon heftig. Dazu stehe ich.” Der Angeklagte verwies darauf, in seiner Laufbahn bereits 500 Drogenhändler festgenommen zu haben: “Ich weiß, wie’s geht.” Ihm sei zum ersten Mal eine Verwechslung passiert: “Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht habe. Dort, wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler.”

Mike Brennan hatte bei der Amtshandlung eine Fraktur von zwei Lendenwirbelkörper-Querfortsätzen, eine Rippen- und Schädelprellung sowie eine Zerrung der Nackenmuskulatur davon getragen. Der Lehrer behauptet, den Beamten nicht als solchen wahrgenommen zu haben, da sich dieser nicht als Polizist zu erkennen gegeben habe. Mike Brennan behauptet weiters, der Beamte habe ihm, als er bereits am Boden lag, mit der Faust ins Gesicht geschlagen, was der Polizist entschieden zurückwies: “Wenn einer geschlagen hat, dann war das nicht ich.” Der zu Unrecht verdächtigte Lehrer habe sich “gewehrt”.

Der Polizist wies abschließend darauf hin, dass er sich unmittelbar nach der Verwechslung und auch später bei Brennan entschuldigt habe. Die Verhandlung ist für zwei Tage anberaumt und dürfte am Freitag zu Ende gehen. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Beamten bis zu sechs Monate Haft.

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