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Fahrtwind - Aufzeichnungen einer Reisenden - Trailer und Kritik zum Film

Ein Riesenschatten legt sich über die Hausdächer Venedigs und bringt die auf ihrem Balkon rauchende Literaturkritikerin Tudy Sammartini zum Fluchen, gar nicht lady-like. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Ein einlaufendes Riesenkreuzfahrtschiff erregt ihren Unmut, mehr Sinnbild für den die Lagunenstadt überschwemmenden Massentourismus, als es jedes Aqua Alta sein könnte. Anders als in “Das Venedig-Prinzip” von Andreas Pichler thematisiert Bernadette Weigel in “Fahrtwind – Aufzeichnungen einer Reisenden” den Weg des Einzelnen, den Weg eines langsamen Bewegens, donauabwärts, über das Schwarze Meer bis nach Kasachstan.

Fahrtwind: Die Geschichte

Venedig zählt heute rund 59.000 Einwohner, so Pichler in einem Insert in seiner Doku über die Stadt – ebenso viele bzw. -wenige wie zur Zeit der Pest im Jahr 1423. Täglich kommen oft bis zu dreimal so viele Touristen – unter ihnen viele Österreicher und Kreuzfahrt-Touristen – in die Stadt. Geht der Bevölkerungsrückgang so weiter wie bisher, wird es 2030 in der Freilichtkulisse Lagunenstadt keinen Einwohner mehr geben.

“Aqua Alta, spül sie weg” wütet Rapper Mike ins Mikro, in einem Lokal in der Nacht zu einer Zeit, in der die Fremden ihre Tagesausflugs-Fotobeute schon gemacht haben und wieder weg sind. Rasch, rasch muss es gehen für die Reiseveranstalter – schließlich liegen an den Kais bis zu einem Dutzend Ozeanriesen, die ihre menschliche Fracht aus Schnell-Besichtigern aus- und wieder einschiffen müssen. Besonders berührender Schluss: Jener Frachtboot-Lenker, der so viele Umzüge von “Veneziani” aufs Festland durchführt, muss nun selbst weg – weil er sich die Miete nicht mehr leisten kann.

Fahrtwind: Die Kritik

Bernadette Weigel reist hingegen in “Fahrtwind” (österreichische Erstaufführung am Freitagabend auf der Diagonale) nicht organisiert, sie reist drauflos. Ziel steht keines fest, und nach einem nach Lust, Laune und Verfügbarkeit des Transportmittels wie Fähren, Bahn und Bus beschrittenen Weg steht sie in der Steppe von Kasachstan. Ihre Ausbeute sind nicht (nur) Bilder von Monumenten – sie hält lieber die Momente fest, das Gespräch mit Menschen. Es mag nichts Großartiges an Motiven sein, aber die Bilder berühren . Weil Weigel sich den Luxus von Zeit nahm.

(APA)

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