Fachhochschul-Ausbau: Weniger Druck auf Unis?

Bis zu 15 Bewerber kämpfen um einen FH-Platz.
Bis zu 15 Bewerber kämpfen um einen FH-Platz. ©Bilderbox (Symbolbild)
Laut FH-Leiter Heritsch kommen derzeit auf einen FH-Platz bis zu 15 Bewerber. Außerdem wird das Fehlen eines eigenen Forschungsbudgets bemängelt.
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Der Geschäftsführer der Fachhochschule Wien (FHW), Michael Heritsch, kritisiert die stiefmütterliche Behandlung der FH durch die Politik. Ein Studium an den FH sei mit durchschnittlich 6.500 Euro pro Jahr nicht nur billiger, das Studium werde auch schneller und durch die geringere Dropout-Rate von einen deutlich höheren Anteil der Studenten absolviert. Das Interesse an FH-Studien sei groß, teilweise gebe es 15 Bewerber pro Platz. “Wir müssen gute Leute abweisen”, bedauert Heritsch im Gespräch mit der APA und fordert, die Verteilung der Studenten zu Gunsten der FH zu verschieben. “Ein Ausbau der FH würde auch Druck von den Unis nehmen.”

Im Massenbetrieb an den Unis würden die Studenten zwar lernen “im Dschungel zu überleben”, gleichzeitig würden sie aber viel Zeit und der Staat viel Geld verlieren, so der FHW-Leiter mit Verweis auf Daten aus der OECD-Studie “Bildung auf einen Blick 2010”. Er wolle allerdings sicher nicht über die Unis herziehen, betonte Heritsch. Die FH würden einfach von der “Gunst der späten Geburt” profitieren, indem sie sich bei Aufnahmsprüfungen die besten Bewerber aussuchen und ihren Studenten gute Betreuung und Infrastruktur garantieren könnten. Zusätzlich würden die FH schon jetzt einen Großteil der Lehre berufsbegleitend anbieten.

Vornehme Zurückhaltung?

Trotz dieser Voraussetzungen bekämen die FH nicht die adäquate Aufmerksamkeit, “vielleicht, weil wir uns bisher vornehm zurückhalten”. So sind die FH etwa am 22. November zu dem Termin, bei dem die Regierungsspitze mit Uni-Rektoren und HochschülerInnenschaft (ÖH) über das Sparbudget diskutieren will, nicht einmal eingeladen worden. Bei den FH habe es zwar “in dem Sinn” keine Kürzungen gegeben, deshalb wolle er “nicht jammern”, sagte Heritsch. “Aber wir sind immer das letzte Glied in der Nahrungskette, obwohl wir nachweislich am effizientesten mit dem Geld umgehen.”

Dabei sollten die FH “das Selbstbewusstsein haben, eine konstanten und planbaren Ausbau zu fordern”, glaubt der FHW-Geschäftsführer. Schon mit zusätzlich zehn bis 25 Mio. Euro pro Jahr könnten die FH “relativ günstig etwas zustande bringen, was den Studenten und der Wirtschaft nutzt”, rechnet er vor. Um der Nachfrage der Wirtschaft gerecht zu werden, müssten an den FH 500 zusätzliche Plätze pro Jahr geschaffen werden, so Heritsch. Das würde durch die Finanzierung der FH pro Kopf im ersten Jahr Mehrkosten von 3,25 Mio. Euro bedeuten, nach drei Jahren wären es 9,75 Mio – “im Vergleich zum Koralmtunnel ist das gar nichts”.

Planbarkeit für Forschung

Zusätzlich bräuchten die FH aber noch eine Basisförderung für die Forschung, betonte Heritsch. Derzeit sei es so, dass die FH vom Gesetz verpflichtet sind zu forschen – “und das wollen wir auch, eine Lehre ‘State of the Art’ wäre ohne Forschung ja gar nicht möglich”. Dafür bekämen die FH aber keinen Sockelbetrag, sondern müssten “das Geld aus der Lehre abzwicken”. Dass die FH viel Geld über die Wirtschaft oder die Einwerbung von Projekten hereinholen, reicht aus Heritschs Sicht nicht aus: “Um gute Forscher zu halten, braucht man Planbarkeit”.

www.fh-wien.ac.at

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