Facebook und Co prägen Beziehungen

Partner soll nicht alles wissen: Psychologe warnt vor "zu viel Nähe".
Partner soll nicht alles wissen: Psychologe warnt vor "zu viel Nähe". ©Bilderbox / Symbolbild
In den USA hat sich eine Studie des Marktforschungsinstituts Lab 42 mit dem Einfluss von neuen Kommunikationsmitteln wie Facebook auf die romantischen Beziehungen zwischen Menschen beschäftigt.

Die Online-Befragung unter 550 Social-Media-Nutzern kommt zum Ergebnis, dass auch die Liebe nicht vor dem Einfluss der Technik gefeit ist. “Das verwundert mich nicht. Aus meiner Erfahrung in der Paartherapie weiß ich, dass Facebook und Co heute beim Kennenlernen und für die Kommunikation von Paaren eine zunehmend wichtige Rolle spielen”, sagt Psychologe Michael Thiel  im Gespräch mit pressetext.

Anfang und Ende digital

Moderne Beziehungen finden heutzutage meist zwischen zwei digital vernetzten Partnern statt. Vom Flirten bis zum Schlussmachen wird deshalb vieles auf elektronischem Weg erledigt. Ein Drittel der Befragten gab an, schon einmal via Facebook, E-Mail oder Textnachricht eine Beziehung beendet zu haben. Ganze 40 Prozent sagten, sie könnten sich vorstellen, das in Zukunft zu tun. “Das ist psychologisch gesehen eine feige Form der Beendung einer Beziehung. Jeder hat bei einer Trennung das Recht auf ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Nur so kann man eine Beziehung rund beenden und dann aus vergangenen Bindungen lernen”, sagt Thiel.

Die US-Studie ergab auch, dass viele Menschen Nachforschungen über potenzielle Partner im Internet anstellen. 29 Prozent der Befragten gaben an, eine interessante Person in sozialen Netzwerken zu überprüfen, bevor sie romantische Schritte unternehmen. Auch in Beziehungen werden Social Media oft für Überwachungszwecke missbraucht. “Das ist eine besorgniserregende Tendenz. Eifersüchtige Menschen nutzen soziale Netzwerke, um ihre Partner zu kontrollieren. Dadurch wird der Partner immer gläserner. Die eigene Persönlichkeit und der eigene Freundeskreis inklusive eigener Netzwerke sind aber wichtig in einer Beziehung, um das notwendige Eigenleben zu erhalten, damit nicht zu viel Nähe entsteht”, erklärt Thiel.

Elektronische Kommunikation

Auch in funktionierenden Beziehungen kommen neue Kommunikationsformen zum Einsatz. 38 Prozent der Befragten gaben an, ihrem Partner täglich mehr als elf Textnachrichten zu schicken. Nur 19 Prozent senden überhaupt keine SMS hin und her. Selbst für die erste Kontaktaufnahme ist das Telefon nicht mehr erste Wahl. Nur noch in 16 Prozent der Fälle kommt es zum Einsatz. Facebook wird von 24 Prozent zum Anbandeln genützt. (pte)

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