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Expertin hält das Konzept der Schulreife für völlig überholt

Catherine Walter-Laager sieht eine Veralterung des derzeitigen Konzepts der Schulreife.
Catherine Walter-Laager sieht eine Veralterung des derzeitigen Konzepts der Schulreife. ©pixabay.com (Themenbild)
Die Elementarpädagogik-Forscherin Walter-Laager kritisiert die teils falschen Erwartungen an Kindergärten. Sie betont vor allem das unterschiedliche Entwicklungstempo der Kinder und meint: "Das veraltete Konzept von Schulreife ist fachlich völlig überholt."

In Österreich gibt es teils falsche Erwartungen an Kindergärten, sagt Catherine Walter-Laager, Leiterin des Arbeitsbereichs Elementarpädagogik der Uni Graz. Der Kindergarten könne nie dafür sorgen, dass Kinder mit demselben Niveau an die Volksschulen kommen. “Wir sind alle unterschiedlich und entwickeln uns unterschiedlich. Das veraltete Konzept von Schulreife ist fachlich völlig überholt.”

Selbst in den kompetitiven Ländern, die bei Bildungsstudien besonders gut abschneiden, könne die Elementarpädagogik nicht dafür sorgen, dass Kinder ihre Schulkarriere in allen möglichen Entwicklungsbereichen auf demselben Niveau starten. Kinder lernen unterschiedlich schnell, betont die Wissenschafterin im Gespräch mit der APA im Vorfeld des Tags der Elementarpädagogik am morgigen Donnerstag. “Ich würde ansetzen an der Qualität und Professionalität der Fachkräfte und der Einrichtung. Aber es hat keinen Sinn zu sagen: zum Zeitpunkt X müssen alle das und das können.”

Qualität muss in Kindergärten hochwertig sein um Bildungspotenzial optimal zu nutzen

Auch bei der Forderung, den Kindern vor Schuleintritt ausreichend Deutsch beizubringen, bremst Walter-Laager die Erwartungen. Es sei realistisch, dass ein Gutteil der Kinder nach etwa zwei Jahren Kindergartenbesuch eine gute Alltagssprache erlernt, auch wenn sie daheim eine andere Sprache als Deutsch sprechen. Das eine Pflichtkindergartenjahr in Österreich sei dafür hingegen schlicht “zu knapp”.

Der Anspruch an die Kindergärten müsse sein, dass die Qualität so hochwertig ist und die Fachkräfte so viel Zeit für die Kinder haben, dass sich diese ihren Möglichkeiten entsprechend möglichst optimal entwickeln und kein Bildungspotenzial der Kinder verloren geht. Wo Österreich hier allerdings steht, kann die Wissenschafterin pauschal nicht sagen. Es gebe aktuell nur kleinere Studien zur Qualität in den Elementarbildungseinrichtungen, die letzte große Monitoringstudie liegt bereits länger zurück.

“Ein beachtliches Problem” sind die Betreuungsverhältnisse

Strukturell gibt es allerdings laut Walter-Laager zwei große Schwächen: “Ein beachtliches Problem” sind die Betreuungsverhältnisse, wobei die Vorgaben je nach Bundesland unterschiedlich sind: In der Krippe sieht es mit einer Fachkraft plus Assistenz für acht bis 15 Kinder noch verhältnismäßig gut aus, empfohlen wird allerdings ein Betreuungsschlüssel von 1:3 für die Unter-Zwei-Jährigen in der Krippe. Im Kindergarten kommt eine ausgebildete Pädagogin plus Assistenz auf 20 bis 25 Kinder, das liegt weit über den empfohlenen Betreuungsverhältnissen von 1:7.

Zweites großes Problemfeld sei die Ausbildung: Derzeit werden Kindergartenpädagoginnen entweder über berufsbildende höhere Schulen mit Maturaabschluss oder über Kollegs ausgebildet, dazu kommen teils sehr kurze Lehrgänge für Assistentinnen. Das Personal sei zwar extrem bemüht, erfahren und auch sehr engagiert in der Weiterbildung, betont Walter-Laager. “Aber es ist eigentlich nicht statthaft, dass man in einem so wichtigen Berufsfeld die Leute nicht sehr gut ausbildet.” Sie fordert eine “gute akademische Ausbildung” für alle.

Interaktionsqualität wirkt sich auf kindliche Entwicklung aus

Der Kindergarten sei schließlich die erste Bildungseinrichtung, keine Aufbewahrungsstätte. Die Pädagoginnen müssten selbst sehr viel Wissen über die Welt haben, um den Kindern ihre Fragen etwa zu physikalischen, chemischen und mathematischen Phänomenen beantworten zu können und auf professionellem Weg dafür auch noch die richtigen Worte wählen. Walter-Laager räumt zwar ein, dass eine Akademisierung des Berufsfelds den Fachkräftemangel für bestimmte Zeit noch verstärken würde. “Trotzdem muss man diesen Schritt tun.” Studien – auch eigene österreichische Untersuchungen – zeigten nämlich signifikante Unterschiede, wie Personal mit und ohne höhere Qualifikation mit den Kindern umgeht. Die Interaktionsqualität wirke sich direkt auf die kindliche Entwicklung aus.

(APA/Red)

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