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Experten: Wildbienen sind massiv gefährdet

In Deutschland sind bereits viele Wildbienen-Arten bedroht.
In Deutschland sind bereits viele Wildbienen-Arten bedroht. ©APA/HEINZ WIESBAUER
In Österreich gibt es insgesamt 703 Bienenarten. Experten warnen jedoch, dass diese Zahl bald sinken könnte und sprechen bereits von einem schleichenden Artensterben.
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Die Honigbiene ist sicher die bekannteste - aber nur eine von insgesamt 703 hierzulande nachgewiesenen Bienen-Arten. Österreich hat damit die höchste Vielfalt an Wildbienen in Mitteleuropa. Diese Diversität ist für den Menschen von großer Bedeutung, da Wildbienen wichtige Bestäuber sind. Doch ihre Gefährdung hat massiv zugenommen, warnt Wildbienen-Experte Heinz Wiesbauer in seinem neuen Buch.

Grund für die - noch - große Bienen-Vielfalt hierzulande ist das Zusammentreffen zweier Klimazonen sowie eine große Bandbreite an unterschiedlichen Höhenstufen. So kommen hier so unterschiedliche Spezies wie die Steppenbiene und die Holzbiene vor. Erstere ist die mit vier Millimeter kleinste heimische Art, letztere wird bis zu 30 Millimeter lang und wiegt mehr als das Siebenhundertfache wie ihre winzige Verwandte.

"Schleichendes Artensterben"

Doch Wiesbauer zeichnet im Gespräch mit der APA ein düsteres Bild: "Den Wildbienen geht es wahnsinnig schlecht." Er ortet ein "schleichendes Artensterben", Tag für Tag würden Arten unbemerkt verschwinden. Unbemerkt deshalb, weil es keine Inventarisierung gebe und Arten teilweise nur in winzigen Populationen mit vielleicht 50 Individuen vorkommen würden.

Die Gründe für das Artensterben sieht der Experte u.a. im Ausräumen der immer intensiver genutzten Landschaft, im Spritzmitteleinsatz und den klimatischen Veränderungen. Der Verlust der kleinräumigen Kulturlandschaft, der Trend zu immer größeren Bewirtschaftungseinheiten und das "Saubermachen" der Landschaft schränkt die teilweise hochspezialisierten Lebensräume und Nistplätze der Insekten massiv ein.

Probleme sieht Wiesbauer auch durch die Bestrebungen von Imkern, die Anzahl der Honigbienen zu erhöhen. "Angesichts der schon völlig übernutzten Landschaft und der abnehmenden Zahl an Blüten würde dann den Wildbienen nicht mehr genug Futter überbleiben", so der Experte. Dies gelte besonders, wenn Bienenstöcke in der Nähe von Schutzgebieten aufgestellt würden, wo die Wildbienen oft letzte Refugien haben.

Neuer Wildbienenrat fordert "Bestäuberschutz" ein

Angesichts der "dramatischen Situation" der Wildbienen hat sich an der Uni Salzburg der "Österreichische Wildbienenrat" konstituiert. Die Experten für Insekten, Ökologie und Biodiversität fordern ein allgemeines "Umdenken und Umlenken" und sehen im "Bestäuberschutz ein Gebot der Stunde", heißt es in einer Aussendung, in der sie sich für eine Forschungs- und Bildungsoffensive aussprechen.

Wie dramatisch die Situation der Wildbienen ist, würden Daten aus Deutschland zeigen, die direkte Rückschlüsse auf Österreich zulassen, so der Biologe und Mitglied des Bienenrats, Johann Neumayer. Er verweist auf die vor einigen Jahren veröffentlichte Studie, wonach die Insektenbiomasse im vergangenen Vierteljahrhundert um mehr als 75 Prozent abgenommen hat, wovon auch die Bienen zumindest proportional betroffen seien. Zudem seien laut der aktuellen Roten Liste mehr als die Hälfte der Bienen Deutschlands gefährdet.

In Österreich würden allerdings belastbare aktuelle Daten für eine Detailbeurteilung der Situation und damit auch für zielgerichtete Schutzprioritäten und Maßnahmen fehlen. So gebe es im Gegensatz zu vielen anderen Ländern keine Rote Liste der mehr als 700 hierzulande nachgewiesenen Bienenarten.

Der Wildbienenrat fordert daher dringend die Erstellung einer solchen Roten Liste sowie ein fundiertes Monitoring nach dem Vorbild Deutschlands und der Schweiz. "Wer die Landschaft so intensiv nutzt, wie wir es tun, muss die Folgen für die Artenvielfalt erkennen können", betonen die Experten.

(APA/red)

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