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Experten kritisieren FPÖ-Historikerbericht: "Ziemlich oberflächlich"

Der Historikerbericht wurde am 23. Dezember vorgestellt.
Der Historikerbericht wurde am 23. Dezember vorgestellt. ©APA/HERBERT P. OCZERET
Mehrere Experten kritisierten heute den FPÖ-Historikerbericht, der sich mit dem NS-Hintergrund der Partei beschäftigen sollte. Laut den Wissenschaftlern sei der Bericht eine "ziemlich oberflächliche Arbeit".
Experten bewerten den Historikerbericht
Übereinstimmungen mit Wikipedia

Mehrere Wissenschafter lassen kein gutes Haar am Historikerbericht der FPÖ. der sich mit NS-Schnittpunkten in der eigenen Partei beschäftigen hätte sollen. "Ein Sammelsurium von Einzelmeinungen", sieht darin Oliver Rathkolb von der Universität Wien. Weder die jüngere Parteigeschichte, noch der Einfluss von Burschenschaften und rechtsextremen Bewegungen wie den Identitären würden darin beleuchtet.

Historikerbericht im Dezember präsentiert

Anlassfall für den Bericht war das Auftauchen antisemitischer Texte im Liederbuch der Burschenschaft des nunmehrigen niederösterreichischen FPÖ-Chefs Udo Landbauer. Auf anhaltende Kritik beauftragten die Freiheitlichen ihren früheren Funktionär Wilhelm Brauneder, der eine "Historikerkommission" mit der Aufarbeitung "brauner Flecken" in der Partei sowie der Vorgängerorganisation VdU einsetzte. Präsentiert wurde der Bericht im Dezember.

Rathkolb fehlt es in diesem Bericht an wissenschaftlicher Seriosität. Die Rolle von Burschenschaften, der eigentliche Anlassfall für das Unterfangen, sei so gut wie gar nicht beleuchtet worden. Der angeblich fehlende Zugang zu Archivmaterial sei dabei kein Argument, so Rathkolb in gemeinsamen Pressekonferenz mit weiteren Historikern. Mitgliederverzeichnisse würden sich etwa in der Nationalbibliothek befinden. Der Begriff "Identitäre" finde sich in dem "Sammelband" gerade sieben Mal, zumeist handle es sich um zitierte Zeitungsartikel.

NSDAP-Vergangenheit kaum aufgearbeitet

An der Aufgabenstellung vorbei geht der Text auch für die Salzburger Historikerin Margit Reiter. Die NSDAP-Vergangenheit von Funktionären der VdU werde zwar in "biografischen Skizzen" erwähnt, nicht aber werde auf deren eigentliche Rolle im Nationalsozialismus sowie deren Gesinnung nach Kriegsende eingegangen. Aktuelle wissenschaftliche Publikationen gebe es dabei genug, betonte sie. Auch die Legende vom Gründungsvater der FPÖ, Anton Reinthaller, als "guter Nazi" werde reproduziert.

Die jüngere Geschichte der FPÖ werde in dem Bericht gar nicht beleuchtet, finden die Historiker. So könne man nichts zur Einstellung der einstigen FPÖ-Chefs Friedrich Peter und Jörg Haider zum Nationalsozialismus lesen. Ebenso wenig über dahin gehende Aktivitäten von Heinz-Christian Strache. Völlig negiert werde zudem der aus der "völkischen" Tradition stammende und nach 1945 im Wesentlichen ungebrochene Antisemitismus.

Oberflächliche Arbeit beim Historikerbericht

Als "ziemlich oberflächliche Arbeit" qualifiziert auch Gerhard Baumgartner vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) den FPÖ-Historikerbericht. So habe es oft den Anschein, die NSDAP werde als "Volkstanzgruppe mit weißen Strümpfen" wahrgenommen, aber "es war eine Terrorgruppe". Sein Resümee: "Dieser Bericht ist eigentlich ein Psychogramm eines Teils der heutigen Führung der FPÖ."

FPÖ nimmt Kritik gelassen

Die offizielle FPÖ nimmt die Kritik an ihrem "Historikerbericht" gelassen. "Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst, die keiner kann", meinte Klubchef Herbert Kickl bei einer Pressekonferenz am Montag. Teilweise sei schon vor Fertigstellung des Berichts Kritik geübt worden. Inhaltlich ging Kickl auf die Kritik nicht ein.

"Wir hätten uns das sparen können", erinnerte Kickl daran, dass die FPÖ den Historiker Oliver Rathkolb im Vorjahr zu einer Diskussion über den Bericht eingeladen hatte. "Wir haben die Herrschaften schon einmal eingeladen und sie haben gekniffen."

Stattdessen hätten die Historiker mehrere Wochen gebraucht, um den Bericht zu analysieren. Man habe wohl von Anfang an möglichst wenig Gutes im Bericht der FPÖ finden wollen. Auf die inhaltliche Kritik - etwa an der Ausklammerung der freiheitlichen Kontakte zu den rechtsradikalen "Identitären" - ging Kickl nicht ein.

(APA/red)

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