Experte des UNO-Jugoslawientribunals tot aufgefunden

Ein langjähriger Experte des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) ist am Donnerstag in Den Haag tot aufgefunden worden. Der Gerichtsmediziner Dusan Dunjic hätte heute im Prozess des früheren Militärchefs des bosnisch-serbischen Republik, Ratko Mladic, aussagen sollen, teilte das Tribunal in einer Aussendung mit.


Die Leiche von Dunjic wurde in seinem Hotelzimmer gefunden. Die niederländischen Behörden untersuchen demnach die Gründe für seinen Tod.

Dunjic hatte in zahlreichen Fällen als Zeuge vor dem Tribunal ausgesagt, darunter in den Prozessen gegen den kosovarischen Ex-Premier Ramush Haradinaj oder den früheren bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic. Im Fall Mladic war er als Zeuge der Verteidigung geladen.

Dunjic war auch Experte im Falle des Massakers im kosovarischen Dorf Racak gewesen. Das im Jänner 1999 von serbischen Truppen verübte Massaker war der wichtigste Auslöser für die NATO-Luftangriffe gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien, mit denen dem Kosovo-Krieg ein Ende gesetzt wurde. Nach dem Sturz des Regimes von Slobodan Milosevic leitete Dunjic auch jenes Expertenteam, das Ausgrabungen auf einem Sonderpolizei-Stützpunkt bei Belgrad anführte, als über 300 Leichen von ermordeten Kosovo-Albanern geborgen wurden.

In Serbien war Dunjic außerdem Gutachter im Fall der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic im Jahr 2003 gewesen. Während des Prozesses hatte er Todesdrohungen erhalten, hinter denen die Polizei die Zemun-Mafiagruppe vermutete, die auch für die Ermordung Djindjics verantwortlich gezeichnet hatte.

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