EURO: Wiener Taxler: "Fiachtn tua ma uns vor goa niemand"

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Mit Wiener Schmäh und Fremdsprachenwörterbuch im Handschuhfach - Wiens Taxler sehen der bevorstehenden Fußballeuropameisterschaft großteils gelassen entgegen.

Selbst ausgelassene alkoholisierte Fans lassen die “Kutscher” kalt. “Fiachtn tua ma uns vor goa niemand”, sagte ein Taxilenker im Gespräch mit der APA. “A großes G’schäft wirds net werden, aber wir wären fehl am Platz, wenn wir uns auf so ein Ereignis net freun tätn”, scherzte der Wiener, der lässig in seinem Mercedes lehnte.

Ob die EURO das Geschäft ankurbeln wird, darüber gibt es geteilte Meinungen. “Ich hoffe es schon”, sagte Taxilenker Zvezdan Jovanovic. “Taxilenker freuen sich immer über mehr Geschäft”, stimmte auch Fahrer Mohammed Rastegar zu, der sich mit Kollegen in der Kettenbrückengasse angeregt unterhielt. “Wirklich damit rechnen können wir aber nicht, weil es zu viele Alternativen gibt”, sagte er. Vor allem der Nachtbus fängt die typischen Taxigäste auf. Die neue U-Bahn und andere alternative öffentliche Verkehrsmittel sorgen für kräftige Konkurrenz.

Skeptisch zeigte sich ein Lenker vom Standplatz am Opernring. “Ich glaube eher, das Gegenteil wird der Fall sein, weil die traditionellen Touristen für die Zeit ausbleiben werden und der klassische Fußballfan keine Taxifahrer ist”, sagte der Wiener. Gleichzeitig kommt auch ein wenig Kritik: “Die Taxiinnung hat uns bisher zu wenig informiert, welche Plätze aufgegeben oder neu eröffnet werden”, sagte der Taxler.

“Es wird wahrscheinlich normaler Betrieb wie jeden Tag sein”, sagte Marian Jarosz, Taxifahrer mit polnischen Wurzeln. Als eher problematische Gäste würde er seine Landsleute einstufen. “Die Polen sind ein wenig gefährlich”, sagte er. Aber die Leute seien nun mal begeistert vom Fußball. Er selbst spricht neben Deutsch auch Kroatisch, Polnisch und Tschechisch. “Wenn die alle kommen, kann ich mit vielen reden. Aber wir werden sehen, wie es wird. Schwierig wird es eher durch die Sperren in der Innenstadt werden. Wenn es staut, dann stehen wir auch. Für Taxis gibt es keine eigenen Routen. In Barcelona z.B. darf man auf den Straßenbahnlinien fahren, bei uns nicht”, sagte Jarosz. “Ich bin Pole, die Polen spielen in Wien…doch ich freue mich.”

Vorbereiten in Form von Sprachkursen tut man sich nicht. “Mein Schulenglisch reicht, den Rest mache ich mit Händen und Füßen”, sagte ein Lenker im Interview. Zur Not liegt auch ein Wörterbuch im Handschuhfach.

Angst vor Randalen oder betrunkenen Gästen hat man grundsätzlich nicht. “Alkoholisierten Fans muss man mit Spaß begegnen. Ansonsten, wenn sie extrem besoffen sind, dann nehme ich solche Leute nicht mit”, sagte Taxilenker Zvezdan Jovanovic. Auch von anderer Seite heißt es: “Es gibt klare Richtlinien, dass aggressive und extrem alkoholisierte Gäste vom Transport ausgeschlossen sind. Passieren kann außerdem immer was.” “Mann kann Menschen nicht pauschal verurteilen, Arschlöcher gibt es überall”, ergänzte ein Taxler, der vor dem Theater an der Wien steht.

Freuen Sie sich auf die EURO? Die Antwort kommt zwar ein wenig zögerlich, aber bestimmt. “Die Stimmung muss positiv sein, sonst wären wir fehl am Platz”, sagte ein Lenker.

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