EURO 2008: Wenige Raufereien, viel Lärm in Wien

Viel Arbeit, aber verhältnismäßig wenig Scherereien: "Es hat super geklappt", lautete das Resümee des Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl zur EURO 2008 am Montag bei der Abschlusspressekonferenz der Host City.

30 Prozent an zusätzlichem personellem Aufwand gegenüber dem Normaldienst habe die EM gebracht. Bei der Kriminalstatistik gab es kaum Auffälligkeiten, wenn man den von Pürstl genannten Zahlen folgt.

So gab es dem Polizeipräsidenten zufolge beim Raufhandel und anderen Delikten gegen die körperliche Unversehrtheit sogar einen Rückgang im Vergleich zum Juni vergangenen Jahres. Bei Rauben, Sachbeschädigungen und Taschendiebstählen sei hingegen ein geringfügiger Anstieg zu verzeichnen gewesen, der aber den üblichen Monatsschwankungen entspreche, meinte Pürstl. Die Verstärkung des Regeldienstes habe gute Erfolge gezeigt. So seien weniger als 1.000 Kfz-Einbrüche registriert worden, auch bei Wohnungseinbrüchen seien die Zahlen sinkend. Die Beschwerden über Lärm stiegen allerdings um 30 Prozent, was weniger schlimm als befürchtet gewesen sei.

Insgesamt gab es laut Pürstl 108 Festnahmen während der EM, das entspreche einem Schnitt von fünf pro Tag. Durchschnittlich drei davon erfolgten aus verwaltungsrechtlichen Gründen, die anderen wegen Delikten im Strafrechtsbereich. Bei Sachbeschädigungen nach Ende des Finales am Sonntagabend in der Josefstadt gab es übrigens zehn Anhaltungen von deutschen Schlachtenbummlern, die offenbar “Frustfouls” nach der Niederlage ihrer Mannschaft an Autos begangen hatten. Sie wurden letztendlich auf freiem Fuß angezeigt. Sonst verlief der Finalabend friedlich.

Die Exekutive hatte 1.200 Beamten an spielfreien Tagen EM-mäßig eingesetzt, 1.800 an Spieltagen und 2.500 beim Finale. Dabei waren insgesamt elf leicht verletzte Beamte während der EURO zu verzeichnen. Zwei davon verschuldeten ihre Blessur selbst. Ein Beamter wurde bei den Ausschreitungen nach dem Viertelfinale zwischen Kroatien und der Türkei am 20. Juni in der Ottakringer Straße verletzt. 283 Beamte aus dem Ausland unterstützten die heimischen Kräfte.

Die Polizei hatte 60 Staatsgäste zu schützen, außerdem gab es 120 Lotsungen abzuwickeln. “Das ist ungefähr der Aufwand der gesamten EU-Ratspräsidentschaft 2006”, erläuterte Pürstl. Mit 1.100 Kraftfahrzeugen legten die Polizisten Wiens rund eine Million Kilometer zurück. 53 Mal wurden gegen amtsbekannte einheimische Hooligans Meldeauflagen ausgesprochen. Das Bundesheer gab den Polizisten insgesamt 73.000 Mahlzeiten aus.

Nichts Negatives verlor Pürstl auch über das neue digitale Funknetz, über das hinter vorgehaltener Hand manch Beamter in der Vergangenheit geschimpft hatte, weil man anders als früher im Ernstfall nicht einfach “drüberreden” kann, sondern warten muss, bis man mit dem Funken an der Reihe ist. Mit 2.860 Funkgeräten war die Exekutive unterwegs. Am 12. Juni bei der Begegnung Österreich gegen Polen, dem stärksten Tag diesbezüglich, wurden mehr als 260.000 Sprüche abgesetzt.

Bürgermeister Michael Häupl (S) lobte den Polizeieinsatz. Er habe “selten so ein friedliches Zusammenfeiern der Fans” gesehen. Und es ist dem Stadtchef zufolge auch das dicke Ende auszuschließen: “Sie können sicher sein, dass sie keine Filme sehen werden wie nach der Weltmeisterschaft in Deutschland”, spielte Häupl auf das “Andere Sommermärchen” an, bei dem erst nach der WM 2006 gezeigt wurde, dass die Veranstaltung bei weitem nicht so friedvoll über die Bühne gegangen war wie kolportiert.

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