AA

EURO 2008 - Ringsperre bei Grünen und Radlobbyisten beliebt

Keine Verkehrsstaus, kein Verkehrschaos - die Schreckensszenarien, die noch vor der Ringsstraßensperre die Runde machten, sind definitiv ausgeblieben. Nun ist gar von einer dauerhaften Sperre für Radfahrer und Fußgänger die Rede.

Bei den Wiener Grünen sieht man sich durch die EM in der alten Forderung nach einer Sperre der Ringstraße zwischen Burg- und Schottentor bestätigt. “Die Ringsperre hat definitiv keinen Verkehrsstau verursacht”, unterstrich Verkehrssprecher Rüdiger Maresch im APA-Gespräch. Alle Schreckensszenarien seien nicht eingetreten. Als Nahforderung plädiere man nun zunächst für die Reduktion der Fahrbahnen auf ein oder zwei Streifen. Zugleich solle der derzeit desaströse Radweg auf der freigewordene Fahrspur angelegt werden. “Die Signale aus dem Magistrat sind positiv”, zeigte sich Maresch hoffnungsfroh.

Auch die Wiener Linien sähen einer etwaigen Ringsperre gelassen entgegen. “Fakt ist, die U2 hat das, was die Ringsperre möglicherweise ausgelöst hat, locker aufnehmen können”, so Sprecher Johann Ehrengruber. Schließlich sei die allgemeine Kapazitäten mit Eröffnung der Ausbaustrecke am 10. Mai durch den Einsatz von Langzügen um 50 Prozent gesteigert worden. Außerdem seien von einer dauerhaften Sperre die Ringstraßenbahnen nicht betroffen, die derzeit nicht fahren. Hierdurch stünden also weitere Kapazitäten zur Verfügung.

Einen anderen Vorschlag als die Vollsperre macht dagegen die Radlobby Argus, da man eine ausgestorbene Ringstraße bei einer Totalsperre befürchtet. “Eine bessere Lösung wäre, den Ring wieder in zwei Richtungen für den Verkehr zu öffnen und als Tempo-30-Zone einzurichten”, so Sprecher Hans Doppler. Die Radfahrer sollten dann mit dem Fließverkehr auf der Straße fahren. Sollte dieses Optimum nicht zu erreichen sein, “präferieren wir natürlich zumindest die teilweise Sperre.”

Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) zeigte sich im APA-Gespräch mit der getroffenen Maßnahme während der EM zufrieden: “Ich glaube, dass nach einer anfänglichen Lernphase die Sperre des Rings sehr gut funktioniert hat.” Die Wiener und Pendler seien in großer Zahl auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen.

Eine Lehre daraus sei auch, dass man durchaus für Veranstaltungen wie Europacup-Spiele die Ringstraße temporär für Autos schließe. “Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man den Ring dauerhaft sperrt”, betonte Schicker. Der Ring sei ein Straßenabschnitt, der mit Sicherheit benötigt würde. Allerdings werde man bis Ende des Jahres nach neuen Varianten für den Ringradweg suchen, um zu einer “deutlichen Verbesserung zu kommen”.

Entschieden dagegen zeigt sich der Autofahrerclub ÖAMTC: Wiens Verkehrsablauf laufe derzeit “auf Sparflamme”, betonte Club-Experte Martin Hoffer. In den vergangenen vier Wochen habe sich daran nichts geändert, denn viele Leute hätten sich Urlaub genommen, andere würden wiederum einfach die Innenstadt meiden und ihre Geschäftstermine verschieben.

“Die Ring-Umleitung funktioniert gerade noch, jede weitere Belastung würde zu einem Zusammenbruch der Leistungsfähigkeit führen”, erklärt Club-Experte Martin Hoffer. Gerade in Zeiten stetig steigender Verkehrskosten sei eine Forderung nach massiver Verkehrserschwernis ein Schlag ins Gesicht jener “Hunderttausenden Österreicher, die auf die Wahl des Kfz als Träger ihrer Mobilität angewiesen sind”, kritisierte der ÖAMTC.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • EURO 2008 - Ringsperre bei Grünen und Radlobbyisten beliebt
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen