EURO 2008: Letzter Schliff für das Stadion in Salzburg

Im aufgestockten Salzburger EM-Stadion in Klessheim wird emsig gebohrt, gehämmert, geschraubt und gesägt. Die Zeit drängt: In rund sechs Wochen, am 13. Mai, folgt die Übergabe an die UEFA für die drei Europameisterschaftsspiele am 10., 14. und 18. Juni.

Bis zu 80 Arbeiter am Tag sorgen für den letzten Schliff. 3.000 von insgesamt 30.304 Sitzen und acht neue Zutrittstürme zum Oberrang werden noch installiert. Von 21. April bis 5. Mai folgt mit der Auflegung des Naturrasens auf den Kunstrasen der letzte große Streich vor dem Anpfiff zur EURO 2008.

Auf dem Skyboxen-Parkplatz vor der Westseite des Stadions herrschte gestern, Montag, während des APA-Lokalaugenscheins reger Betrieb. 17 Arbeiter der niederländischen Firma De Boer luden hunderte Holzpaletten und Stahlstangen aus fünf Sattelschleppern. Sie errichten innerhalb von 14 Tagen eine 2.200 Quadratmeter große Zeltstadt mit klimatisierten Arbeitsplätzen für 900 Medienvertreter. In dem temporären Bau sind auch Büros für UEFA-Mitarbeiter, eine Cafeteria und ein Saal für Pressekonferenzen vorgesehen, schilderte Alfred Denk, Geschäftsführer der Stadion-Errichtungsgesellschaft.

Wenige Meter davor standen noch zwei provisorische Zutrittstürme der ersten Lieferung aus dem Vorjahr. Sie werden der Pressetribüne am Oberrang zugeteilt, die wie die Medienstadt nach der EM entfernt wird. Mitarbeiter der ARGE Alpine/Porr begannen mit der Installierung von 900 Journalistensitzen.

Weil keine Farbe, kein Logo und keine Graffitis während der EURO an den “Hausherrn” Red Bull erinnern dürfen, wird bis zur UEFA-Abnahme alles abgedeckt. Sogar die mit den Red-Bull-Farben versehenen Sitze des östlichen Unterranges werden in einheitlich blaue ausgewechselt. Der imposante, rote Stier, den ein Graffiti-Künstler an die Wand des Rundganges gemalt hat, ist den Sponsoren ebenfalls ein Dorn im Auge und wird verhüllt.

Die Generalprobe hat das in eineinhalb Jahren um 27 Millionen Euro erweiterte Stadion am 25. Juli 2007 beim Testspiel Red Bull Salzburg gegen den englischen Fußballclub Arsenal längst bestanden. Damals durften die Fans zum ersten Mal auf dem eigens für die EM errichteten, 10,5 Meter hohen Oberrang Platz nehmen. Da sich herausstellte, dass die Zutrittstürme zu filigran waren, werden sie bis Mitte April sukzessive in 18 stabile ausgetauscht. Zehn stehen bereits an der Nord- und Südseite. Nur sechs von 18 werden bei der EM als Zugangstürme genutzt, die restlichen zwölf dienen ausschließlich als “Fluchttürme”.

An der Ostseite des Stadions sind die neuen Treppentürme zwar noch nicht fertig montiert, der “Rettungslift”, der in einem verkleideten Turm zum Oberrang hinauf führt und in den eine Tragbahre passt, funktioniert schon. “Der Lift ist deshalb notwendig, weil es zwischen dem Unter- und Oberrang keine Verbindung gibt”, erklärte der Stadion-Chef. Im Falle einer Massenflucht habe das den Vorteil, dass in die untere Ebene nicht zusätzlich Leute gelangen könnten.

Bereits aufgebaut sind zwölf orangefarbene Container für die provisorische Einsatzzentrale der Exekutive. Die Sicherheitszentrale über dem Oberrang ist bereits in Betrieb. 42 Kameras in und um das Gebäude liefern Bilder für die Videoüberwachung.

Nach dem letzten Meisterschaftsspiel, das am 19. oder 20. April stattfinden soll, wird nicht nur der 8.000 Quadratmeter große Naturrasen aus München angeliefert, sondern werden auch 2.000 Sitze in den vorgebohrten Löchern der Stehbereiche mit jeweils zwei Schrauben befestigt. Was laut Denk nur drei Tage dauert. Obwohl die Arbeiten planmäßig laufen, müssen bis zur Kollaudierung am 5. Mai durch die Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung noch “100 Kleinigkeiten” erledigt und kilometerlange Kabel verlegt werden.

Für die provisorischen Bauten wie Pressetribüne und Medienstadt wurden allein zwei Millionen Euro investiert. Politiker der rot-schwarzen Regierungskoalition in Salzburg haben sich bereits gegen den ursprünglich geplanten Rückbau des von 18.500 auf 30.300 Sitzplätze aufgestockten Stadions ausgesprochen – die offizielle Entscheidung wird nach der EM gefällt. Für die Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes zur EURO 2008 wurde gestern das Land und die Stadionerrichtungsgesellschaft mit dem “Grünen Ball” des Umweltministeriums ausgezeichnet.

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