EURO 2008: Fußballmuffel und Geldmängel

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Trotz eines dichten Kulturprogramms hat die EURO-Euphorie durchaus nicht alle Kulturinstitutionen der beiden Ausrichterländer Österreich und Schweiz erfasst.

In Österreich ist das am Rande der Fan-Zone liegende Burgtheater der prominenteste EURO-Verweigerer, bei den Eidgenossen ist das große, auf 1,5 Mio. Franken (930.000 Euro) Finanzbedarf geschätzte Ausstellungsprojekt “1924 – Wir holen uns den Titel zurück” ebenso gescheitert wie der Schweizer Teil des Kulturprojekts “Doppelpass”, für das die erforderlichen zwölf Millionen Franken (7,4 Mio. Euro) nicht aufzutreiben waren.

Fehlendes Geld ist vielerorts dafür verantwortlich, dass so manche Idee nicht realisiert werden konnte. Während in der föderalistischen Schweiz die Hauptlast der Finanzierung von Kulturprojekten in den Städten und Gemeinden getragen wird – Basel etwa lässt sich kulturelle Rahmenveranstaltungen 1,5 Millionen Franken kosten, Bern und Zürich investieren je rund 300.000 bis 400.000 Franken – wurde in Österreich der Verein “Österreich am Ball” gegründet, dessen Aufgabe es ist, eine positive Gesamtstimmung rund um das Fußball-Turnier zu erzeugen. 12 Mio. Euro stehen laut Vereins-Vizepräsident Beppo Mauhart für alle Aktivitäten zur Verfügung, vier davon fließen in das Kunst- und Kulturprogramm. Wien hat dagegen kein eigenes EURO-Kulturbudget locker gemacht.

Auch abseits von Finanzierungsfragen wird es Beeinträchtigungen im gewohnten Kulturprogramm geben. Die populären Sommerkinos “Kino unter Sternen” im Augarten und das Prater Filmfestival auf der Kaiserwiese werden heuer aufgrund der Fußball-Europameisterschaft nicht stattfinden – teils weil die EURO nur wenig Platz für Werbung und Ankündigung lässt, teils weil Rasenflächen nach der Beanspruchung durch Public Viewing längere Erholung notwendig haben werden. Die Schweizer Kinogruppe Kitag schließt dagegen vom 9. bis 22. Juni 69 Säle in den Teilnehmerstädten. Aus Erfahrung wisse man, dass die Besucherzahlen empfindlich einbrechen werden, ließen die Kinobetreiber wissen.

Gegenteiliges plant man im MuseumsQuartier: Am Rande der Fan-Zone gelegen will man sich als fußballfreies Naherholungsgebiet positionieren und wird dort erstmals auch Sommerkino anbieten. Sicher nicht gezeigt wird dabei ein von Ulrich Seidl ursprünglich beabsichtigtes Filmprojekt: Seine anlässlich der EURO 2008 geplante Serie mit filmischen Porträts junger österreichischer Fußballer kam doch nicht zustande. Zur “fußballfreien Zone” hat sich die Salzburger Arge-Kultur erklärt, auch in Basel sollen fußballfreie Zonen eingerichtet werden.

Das Burgtheater, das Lärmprobleme und Zuschauerbehinderungen befürchtete und seinen Spielbetrieb vor EURO-Anpfiff einstellt (Mauhart: “Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen”), wird dank Firmen-Vermietungen jedoch sehr wohl Fußballfans in seinen Räumen begrüßen. Dafür bereitete das Alternativprogramm Probleme: Die ursprünglichen Pläne einer temporären Ausweich-Spielstätte mussten ebenso fallen gelassen werden wie die angekündigte Tournee in den Bundesländern. “Wir mussten feststellen, dass man uns dort nicht will”, musste Burgtheater-Direktor Klaus Bachler zugeben. Neben einigen Auslands-Gastspielen gastiert man daher nur in Graz. An den übrigen Spielstätten wie dem Akademietheater findet der Spielbetrieb, so wird betont, allerdings völlig regulär statt.

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