EURO 08: Kein "Kino unter Sternen", Prater Filmfestival abgesagt

Recht düster sieht es für die Wiener Open-Air-Kino-Fans diesen Sommer aus: Die beiden Hauptattraktionen, das "Kino unter Sternen" im Augarten und das Prater Filmfestival auf der Kaiserwiese, werden heuer aufgrund der Fußball-Europameisterschaft nicht stattfinden.

Und auch das traditionelle Augarten-Sommerkino des Filmarchivs steht auf wackligen Beinen – allerdings aus anderen Gründen: Der geplante Bau des Sängerknaben-Konzertsaals könnte hier in die Quere kommen. Das “Kino unter Sternen” fährt heuer mit “Naked Cinema” ein kleines Ersatzprogramm, auf das durch Wien tourende Volxkino hat die EURO dagegen keinen Einfluss. Und in der “fußballfreien Zone” im MuseumsQuartier wird ein neues Sommer-Kino seine Zelte aufschlagen.

Am wenigsten versteht derzeit Ernst Kieninger, Geschäftsführer des Filmarchivs Austria, die Wiener Kinowelt. “Ich kann das nicht wirklich deuten”, meinte er zur Erklärung des Büros von Wiens Vizebürgermeisterin Grete Laska (S), das Prater Filmfestival aufgrund der Beschädigung des Rasens auf der Kaiserwiese durch Fußballfans abzusagen. Die Kaiserwiese soll während der EURO 08 als Public-Viewing-Area genützt werden. Dabei hatte das Filmarchiv nach einer vorläufigen Ab- und dann wieder Zusage durch die Stadt Wien Marketing und Prater Service GmbH bereits mit der Planung eines Stummfilm-Variete-Programms begonnen.

Auf Anfrage Kieningers im Büro Laska kam schließlich die endgültige Absage. Auch das Angebot der Organisatoren, das Festival nach hinten zu verschieben, bis sich die Wiese erholt habe, sei nicht aufgegriffen worden, so Kieninger im Gespräch mit der APA. Auch die weitere Zukunft des 2005 ins Leben gerufenen Festivals steht in den Sternen, die Finanzierung ist laut Kieninger nicht gesichert. “So wie ich Laska verstehe, hängt alles in der Luft.” Dabei habe die Vizebürgermeisterin noch betont, dass es “ein tolles Festival ist, weil es neues Publikum und Kultur in den Prater gebracht hat.”

Das traditionelle Augarten-Sommerkino des Filmarchivs ist ebenfalls noch nicht gesichert, da nicht klar ist, welche Flächen durch das Bauprojekt der Wiener Sängerknaben wegfallen werden. Man befinde sich, was das Sommerkino betrifft, in einer “zugespitzten Situation, da es in Wien heuer keine qualitätsvolleren Programme geben werde”. In den nächsten drei bis vier Wochen müsse man erfahren, ob das Festival möglich ist oder nicht, so Kieninger.

Eines dieser qualitätsvollen Programme hätte jenes des benachbarten “Kino unter Sternen” sein können, doch auch dieses muss heuer pausieren. Die zeitliche Nähe zur EURO 08 lasse “wenig Raum für mediale Ankündigungen und attraktive Vermarktung”, so die Organisatoren. Dies nutze man als Chance, zahlreiche organisatorische Neuerungen vorzunehmen, hieß es auf Anfrage der APA. Modernisierung steht im Vordergrund, es wird u.a. umgebaut, in die Technik investiert sowie der Webauftritt erneuert und ausgeweitet. Die Subvention der Stadt sei im Zuge dessen zugesichert worden.

Ganz untätig wird man im Sommer überdies nicht bleiben: Geplant ist eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel “Naked Cinema”, das derzeit entwickelt wird. Man spiele etwa mit dem Gedanken, eine Straßenbahnfahrt mit Kopfhörern zu veranstalten, bei der die vorüberziehende Kulisse die Hauptrolle einnimmt. Mit Fußball wird das Konzept aber nichts am Hut haben. Auch das Volxkino will sich trotz der zeitlichen Nähe – üblicherweise startet das Programm schon Anfang Juni – nicht dem EURO-Wahn hingeben. Bezüge zum Fußball seien wenn, dann sicher nicht gewollt. Ähnliches darf man wohl auch vom neuen Sommerkino im Museumsquartier erwarten: Auch wenn noch keine Details bekannt sind, dürfte die Kickerei dort keine Rolle spielen.

Im Filmarchiv plagt Ernst Kieninger indes noch eine weitere Sorge. Von der Burghauptmannschaft sei man zur Räumung eines Gebäudes auf dem Areal rund um das Filmarchiv aufgefordert worden, das von der Institution genützt wurde. Kieninger geht davon aus, dass das denkmalgeschützte Gebäude abgerissen werden soll. Burghauptmann Wolfgang Beer berichtete im Gespräch mit der APA, es werde sich im Rahmen des Bauverfahrens für den Konzertsaal der Sängerknaben entscheiden, ob das Gebäude stehen bleibt oder nicht. Falls das Bundesdenkmalamt dagegen ist, wird es laut Beer keinen Abriss geben. Er betonte, dass das Objekt nie an das Filmarchiv übergeben worden sei, sondern von diesem lediglich mitbenutzt wird. “Es gibt keinen Vertrag darüber.” Nun habe man das Filmarchiv gebeten, dort bis Mitte März auszuziehen.

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