ETA-Terroristen sind "Scheißkerle" - Richterin tritt zurück

Richterin Angela Murillo
Richterin Angela Murillo ©EPA
Ein nicht ausgeschaltetes Mikrofon ist einer spanischen Richterin beim Prozess gegen Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA zum Verhängnis geworden.

Die vier Angeklagten, darunter der frühere ETA-Militärchef Francisco Javier García Gaztelu alias Txapote, hatte Richterin Ángela Murillo am Mittwoch als “Scheißkerle” (“cabrones”) beschimpft, weil sie mit einem Lächeln auf die bewegende Aussage der Witwe eines ihrer Opfer reagiert hatten. Am Donnerstag kündigte die Richterin ihren Rückzug aus dem Prozess vor dem zuständigen Gericht in Madrid an. Zu Begründung sagte sie, sie wolle dem Verfahren nicht schaden.

Adoración Zubeldia, Witwe eines im Jahr 2001 mit einer Autobombe in der nordspanischen Region Navarra ermordeten Stadtrats, hatte vor Gericht weinend die letzten Lebensmomente ihres Ehemannes beschrieben: “Das Auto brannte, und mein Mann verbrannte im Inneren.” Als die mutmaßlichen Täter daraufhin zynisch lächelten, reagierte Richterin Murillo mit den Worten: “Arme Frau … und obendrein lachen diese Scheißkerle noch” – ohne zu wissen, dass das Mikrofon noch eingeschaltet war.

Murillo gab zu, die Verwendung des Wortes “Scheißkerle” sei tatsächlich unglücklich gewesen. Ihr Kommentar hatte einen Sturm der Kritik ausgelöst. Ihre Unparteilichkeit als Richterin wurde infrage gestellt. Der Vorsitzende des spanischen Parlaments, José Bono, warf ihr zwar vor, einen großen Fehler gemacht zu haben, meinte aber, dass die Richterin genau das gesagt habe, was ganz Spanien glaubt.

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