Es lebe der Zentralfriedhof!

Der Wiener Zentralfriedhof ist die zweitgrößte Gradstätte Europas. Lediglich in Hamburg gibt es mit 3,9 Quadratkilometern einen flächenmäßig größeren Friedhof. Mit 3 Mio. Bestatteten liegt Wien allerdings deutlich vor den Norddeutschen.

Der im Jahr 1874 eröffnete Zentralfriedhof, auf dem der verstorbene Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk am Samstag beigesetzt wird, ist mit über 2,5 Quadratkilometern nach der Fläche berechnet der zweitgrößte Friedhof Europas.

Mit seinen rund 330.000 Grabstellen ist der Wiener Zentralfriedhof als interkonfessioneller Friedhof konzipiert, auf dem neben dem katholischen Teil auch die Mehrzahl der anderen anerkannten Religionen ihren Platz findet. So gibt es einen alten und neuen jüdischen Friedhof, einen evangelischen Friedhof, einen islamischen Teil sowie rumänisch-, russisch-, griechisch-, syrisch- und koptisch-orthodoxe Abteilungen. Seit 2003 gibt es auch für Buddhisten ein geweihtes Areal.

Berühmt ist der Wiener Zentralfriedhof nicht zuletzt wegen seiner Ehrengräber von rund tausend namhaften Persönlichkeiten. Die Zuerkennung eines Ehrengrabes stellt in Wien die höchste Auszeichnung dar, welche die Stadt über den Tod hinaus vergeben kann.

Unter anderen ruhen Komponisten wie Ludwig van Beethoven, die Mitglieder der Strauß-Dynastie, Franz Schubert, Arnold Schönberg, aber auch Falco auf dem Friedhof.

Unter den Schriftstellern finden sich Johann Nestroy, Franz Werfel und Karl Kraus. Der Architekt Adolf Loos sowie die Schauspiellegenden Curd Jürgens, Paul Hörbiger und Hans Moser haben dort ebenfalls ihre letzte Ruhe gefunden. Das Gleiche gilt für die verstorbenen Bundespräsidenten seit 1945, die in einer eigenen Gruft beigesetzt werden.

Geschaffen wurde der Zentralfriedhof einst wegen des starken Städtewachstums nach 1850. Als sich die Kommunalfriedhöfe als zu klein erwiesen, beschloss der Gemeinderat 1866 die Anlage eines Zentralfriedhofes im Bezirk Simmering, der am 1. November 1874 eröffnet wurde.

Das dominante Bauwerk am Areal ist heute Max Hegeles Kirche zum Heiligen Karl Borromäus, die 1910 eröffnet wurde. Im Volksmund wird sie, die zu den wichtigsten Kirchenbauten des Jugendstils zählt, meist Lueger-Kirche genannt, da sich unter dem Hauptaltar die Gruft des einstigen Bürgermeisters Karl Lueger befindet. Architektonisch interessant ist auch die 1922 eröffnete Feuerhalle Simmering nach Plänen von Clemens Holzmeister.

Aufgrund seiner Größe ist der Friedhof heute gegen Gebühr mit dem Auto zu befahren. Außerdem verkehrt seit 1971 eine eigene Buslinie am Areal, der “106er”.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Es lebe der Zentralfriedhof!
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen