Erstmals Hilfe für HIV-Infizierte

Mit einem neuen Medikament sei es nun möglich, HIV-infizierten Menschen zu helfen, selbst wenn diese bereits gegen die herkömmlichen Medikamente resistent geworden sein sollten.

Dies erklärte der Innsbrucker Aids-Spezialist Robert Zangerle am Montag bei den Österreichischen Ärztetagen in Grado. “30 Millionen Erwachsene lebten Ende 2006 mit HIV. Für Österreich schätzte UNAIDS den Anteil der Menschen mit HIV/Aids an der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren auf 0,23 Prozent. Nach unseren Schätzungen sind es aber 0,15 Prozent“, sagte der Fachmann.

Bisher speisen fünf Behandlungszentren in Österreich (Uni-Klinik Innsbruck, Uni-Klinik Wien, Otto-Wagner-Spital/Wien, LKH-Linz und LKH-Graz) die Daten über die von ihnen betreuten HIV-Patienten in ein Register (Österreichische HIV-Kohorten-Studie) ein. Bald sollen auch das LKH in Salzburg und das LKH in Klagenfurt folgen. Zangerle und die übrigen Beteiligten haben damit ein immer besseres Bild zu der Immunschwächekrankheit in Österreich.

Der Experte: „In Österreich sind derzeit rund 2.350 HIV-Infizierte unter Therapie. Wir haben zwischen 6.000 und 8.000 HIV-Positive. Die Zahl der Infizierten wird jedoch steigen, weil die Therapie so gut ist und die Todesfälle so selten geworden sind. Immer noch aber wird in Österreich etwa ein Mensch pro Tag neu infiziert.“ Ein Problem:
Noch immer wird bei 30 Prozent der Betroffenen das HI-Virus erst entdeckt, wenn die Zahl der CD4-positiven Zellen von normalerweise um die 1.000 pro Kubikmillimeter Blut bereits auf unter 200 gefallen ist. Das bedeutet, dass das Immunsystem schon sehr geschwächt ist und Folgeerkrankungen drohen.

Zangerle: „Das Ziel der Behandlung ist aber die maximale Unterdrückung des Virus. Nur damit kann man die Bildung von Resistenzen und das Krankwerden durch HIV verhindern.“

Dazu ist derzeit in der Geschichte der Immunschwächekrankheit ein optimaler Zeitpunkt gegeben. Der Innsbrucker Fachmann: „Im Augenblick ist für alle HIV-Patienten eine Therapie möglich, die allen nützt. Diese Chance haben wir jetzt. Sie wird aber auch wieder ausdünnen.“

Der Grund dafür liegt darin, dass das HI-Virus mit Medikamenten bereits an fünf verschiedenen Stellen seines Vermehrungszyklus getroffen werden kann:

– Das neu entwickelte Arzneimittel „Mariaviroc“ hindert die HI-Viren durch Blockade der so genannten CCR-5-Co-Rezeptoren am Eindringen in die anvisierten Immunzellen.

– Bereits seit einiger Zeit gibt es den Fusionshemmer „Enfuvirtid“, der das Verschmelzen der HI-Viren mit der Zellmembran blockiert.

– Die ältesten Aids-Medikamente AZT, Nevirapine und viele nachfolgende verhindern das Umschreiben der HIV-Erbinformation von einer RNA in eine DNA. Sie hemmen das HIV-Polymerase-Enzym.

– Gerade im Kommen ist der Integrase-Hemmer „Raltegravir“, auf den die Aids-Behandler jetzt neue Hoffnung setzen. Er behindert die Virus-Integrase. Mit diesem speziellen Enzym hievt sich das Virus in den Zellkern und baut dort seine Erbsubstanz ein.

– Gemeinsam mit den Polymerase-Hemmern (AZT, Nevirapine etc.) haben ab Mitte der neunziger Jahre die Protease-Blocker für den Umschwung gesorgt. Sie verhindern den Zusammenbau neuer Viren und deren Freisetzung ebenfalls durch Blockade eines HIV-Enzyms (Protease).

Mit dem Integrase-Hemmer „Raltegravir“ aber steht derzeit ein neues Therapieprinzip zur Verfügung, das auch bei hoch resistenten HI-Viren eingesetzt werden kann. Zangerle: „Das ist ein sehr potentes Medikament. Das Integrase-Enzym ist auch sehr spezifisch für HIV. Dadurch dürfte es weniger Nebenwirkungen geben.“ – Eine gute Ergänzung oder Alternative zu den bisherigen Therapieformen.

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