Erster Tag im Prozess um Todesschuss an Gericht

Unter großem Medieninteresse hat am Donnerstag am Landesgericht Korneuburg der Prozess um den für eine Rechtspflegerin tödlichen Schuss am Bezirksgericht Hollabrunn im Dezember 2009 begonnen. Die Anklage warf dem Beschuldigten, einem 58-jährigen Mittelschullehrer und Künstler, Mord und den versuchten Mord an einer Richterin vor. Zu einem Urteil sollte es morgen, Freitag, kommen.
Prozess um Todesschuss in Korneuburg begonnen

“Es war eine Hinrichtung”, sprach Staatsanwalt Stefan Dunkl von “sinnloser Gewalttätigkeit”. Laut Tagebucheintragungen habe es der Angeklagte der in seinem Scheidungsverfahren zuständigen Richterin “Auge um Auge” heimzahlen wollen, wobei seine Anschuldigungen, in dem Verfahren benachteiligt worden zu sein, “durch nichts gedeckt” seien. Am Vorabend habe sich der Angeklagte den Scheidungsakt durchgelesen und Alkohol konsumiert. Am folgenden Morgen nahm er die Pistole aus dem Safe, steckte Munition ein und fuhr von seinem Wohnort nach Hollabrunn. Als er die Richterin nicht antraf, schimpfte er bei der Einlaufstelle über sie, bis eine eingeschüchterte Angestellte die Vorsteherin holte. Die 42-Jährige versuchte, ihn zu beruhigen, er aber habe die Waffe gezogen und der zweifachen Mutter aus etwa 25 Zentimetern Entfernung ins Gesicht geschossen.

Verteidigerin Christine Lanschützer stellte eingangs klar, dass das “unendliche Leid”, das der Angeklagte verursacht hatte, “nicht mehr ungeschehen zu machen” sei. “Er hatte eine Mordswut im Bauch, im wahrsten Sinne des Wortes.” In welchem Maße sich der 58-Jährige strafrechtlich verantworten müsse, hätten aber die Geschworenen zu entscheiden. Er sei offensichtlich schwer betrunken gewesen. Der Tod des Opfers sei eher ein Unfall gewesen, ihr Mandant habe der Rechtspflegerin drohen wollen. Für den Mordversuch an der Richterin – die der Mann an jenem Tag aber nicht in ihrem Zimmer angetroffen hatte – forderte die Anwältin einen Freispruch, weil er den Versuch von alleine aufgab.

Er habe der Richterin sein eigenes Gefühl der Hilflosigkeit vermitteln wollen, indem er eine Waffe in der Hand hielt, gab der 58-Jährige an. An den genauen Ablauf könne er sich nicht erinnern, nur, dass er “sehr zornig” war. Die 42-Jährige hatte er zuvor nicht persönlich gekannt. “Dann weiß ich nur mehr, dass dieser Schuss gefallen ist”, meinte er und schilderte einen Knall und eine Rauchwolke. Er sei weggegangen und habe nach wenigen Metern realisiert, dass “ein Mensch zu Schaden gekommen” sei und kehrte um, um zu helfen. Eine junge Dame habe ihn aber mit den Worten weggeschickt, dass er schon genug Schaden angerichtet habe.

Am Nachmittag kamen eine Reihe Zeugen und auch der gerichtsmedizinische Gutachter zu Wort, demzufolge das Opfer nach dem Schuss in den Mund innerhalb kürzester Zeit verblutete. Den – großteils durch den Vorfall traumatisierten – Gerichtsangestellten zufolge galt der Mann als “amtsbekannter Querulant” – aufbrausend und sekkant. Seine Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt wollte die meisten nicht bemerkt haben. Nach dem Schuss sei der Angeklagte am Gang auf und ab gegangen und habe vor sich hin gemurmelt: “Tut mir leid, das wollt ich nicht, ich wollte die Richterin.”

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Erster Tag im Prozess um Todesschuss an Gericht
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen