Erste demokratische Präsidentenwahl in Guinea

In der westafrikanischen Republik Guinea, die wegen ihrer reichen Bauxit-Vorkommen für die Aluminiumbranche von Bedeutung ist, wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt.

Es handelt sich dabei um die erste demokratische Wahl in dem 1958 unabhängig gewordenen Land. Rund vier Millionen stimmberechtigte Bürger haben die Möglichkeit, sich zwischen 24 Kandidaten, darunter eine Frau, zu entscheiden. Alle Bewerber sind Zivilisten. Die regierende Junta unter General Sékouba Konaté hat ihr Versprechen gehalten, dass sich kein Militär um das höchste Staatsamt bewerben wird. Die Angehörigen der Streitkräfte werden erstmals außerhalb der Kasernen wählen können.

Als aussichtsreichste Anwärter für das Präsidentenamt gelten die ehemaligen Premierminister Cellou Dalein Diallo und Sidya Touré sowie der als “historischer” Oppositionsführer gegen die verschiedenen Militärdiktaturen auftretende Alpha Condé. Jeder von ihnen hat seine Hochburg in seiner jeweiligen Heimatregion im Westen, im Zentrum und im Osten des Landes. Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Diallos und Tourés in einem Ort etwa 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Conakry sind vier Menschen ums Leben gekommen.

General Konaté hatte im vergangenen Dezember die Führung der Junta übernommen, nachdem Militärmachthaber Moussa Dadis Camara bei einem Attentatsversuch schwer verwundet und zur medizinischen Behandlung nach Marokko ausgeflogen worden war. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die USA widersetzten sich einer Rückkehr Camaras an die Macht. Die seit Ende 2008 herrschende 26-köpfige Junta wurde für das Blutbad vom 28. September 2009 verantwortlich gemacht. Bei der Niederschlagung einer Kundgebung der Opposition durch Sicherheitskräfte waren damals in Conakry mehr als 150 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Zudem wurden Massenvergewaltigungen und schwere sexuelle Misshandlungen von Opfern gemeldet. Die französische Regierung nahm im Februar die zivile und militärische Kooperation mit Guinea wieder in vollem Umfang auf, um die “demokratische Transition” zu unterstützen.

Guinea wurde 1958 unabhängig, nachdem die Bevölkerung unter dem charismatischen ersten Präsidenten Ahmed Sékou Touré gegen die Zugehörigkeit zu der von General Charles de Gaulle gegründeten “Communauté francaise” votiert hatte. Die übrigen französischen Territorien in West- und Äquatorialafrika erhielten erst 1960 ihre staatliche Unabhängigkeit. Nach dem Tod Sékou Tourés, der eng mit der Sowjetunion und der Volksrepublik China kooperiert hatte, übernahm 1984 General Lansana Conté die Macht. Dieser starb nach schwerer Krankheit im Dezember 2008. Wenige Stunden nach seinem Tod wurde die Junta gebildet. Bei der letzten Präsidentenwahl 2003 war Lansana Conté mit 95 Prozent der Stimmen und einem nahezu unbekannten Konkurrenten im Amt bestätigt worden.

In Guinea leben mehr als 20 Ethnien. Größte Bevölkerungsgruppe sind die Fulbe mit gut 40 Prozent der knapp neuneinhalb Millionen Einwohner, die überwiegend das Fouta-Djalon-Gebirge und die Hauptstadt Conakry bewohnen. Zweitgrößte Gruppe sind die Malinke (26 Prozent, Oberguinea), Susu (elf Prozent, Küstenregion), Kissi (sechs Prozent) und Kpelle (fünf Prozent). Weiter leben schätzungsweise über eine halbe Million Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten Liberia und Sierra Leone in Guinea, das zu den ärmeren Ländern Afrika zählt, obwohl es über umfangreiche Ressourcen – Bodenschätze, Wasserkraft, fruchtbare Böden – verfügt. Rund 40 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. 2004 stand Guinea wirtschaftlich vor dem Ruin, da die EU die Finanzhilfen für das Land wegen fehlender Bereitschaft zur Demokratisierung eingestellt hatte.

Hauptabnehmer für Waren aus Guinea (Bauxit, Aluminium, Tonerde, Gold, Diamanten, Kaffee und Fisch) sind Südkorea, Russland, Spanien und Irland. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel, Erdölprodukte, Maschinen, Metalle, Textilien, Investitions- und Konsumgüter, die wichtigsten Lieferanten sind die EU-Länder, China, die USA und das östliche Nachbarland Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste).

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