Erste Bilanz zum verpflichtenden Integrationsjahr: 22.000 Teilnehmer an Wertekursen

Der ÖIF zieht eine erste Bilanz zum verpflichtenden Integrationsjahr.
Der ÖIF zieht eine erste Bilanz zum verpflichtenden Integrationsjahr. ©APA/ROLAND SCHLAGER
Der Integrationsfonds (ÖIF) zieht eine erste positive Bilanz seit der Einführung des verpflichtenden Integrationsjahres: Im letzten Jahr haben rund 22.000 Personen an Werte- und Orientierungskursen teilgenommen, die Anzahl der Frauen hat sich sogar verdoppelt.
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Vor einem Jahr (9. Juni) ist das Integrationspaket in Kraft getreten. 22.722 Personen haben laut dem zuständigen Integrationsfonds (ÖIF) seitdem die obligate “Integrationserklärung” unterzeichnet. In derselben Zeit absolvierten rund 22.000 Personen, darunter auch Asylwerber, einen Werte- und Orientierungskurs.

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Neben mehr Deutschkursen, einem Burkaverbot im öffentlichen Raum sowie der Untersagung von salafistischen Koran-Verteilaktionen brachte das Integrationspaket auch das verpflichtendes Integrationsjahr. Für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte (deren Status nach dem 31. Dezember 2014 anerkannt wurde) ist es seit Mitte des letzten Jahres Pflicht, in der Erstberatung eine sogenannte “Integrationserklärung” zu unterschreiben.#

Darin verpflichten sich die Betroffenen, einen Werte- und Orientierungskurs zu besuchen und auch eine Deutschkursförderung in Anspruch zu nehmen. Die Wertekurse informieren über “zentrale Grundregeln des Zusammenlebens in Österreich” wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie über Alltagswissen zu Themen wie Bildungs- und Gesundheitssystem, Hausordnung oder auch der Mülltrennung.

Zunahme bei Beratungen Asylberechtigter

Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte wandten sich in den letzten zwölf Monaten insgesamt 134.500 Mal an die neun ÖIF-Integrationszentren – das entspricht einer Zunahme an Beratungen um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, so der ÖIF. 48 Prozent davon stammten aus Syrien, 23 Prozent aus Afghanistan, acht Prozent aus dem Iran. Mehr als die Hälfte der 22.722 Unterzeichnungen einer Integrationserklärung fand in Wien statt (54 Prozent). Danach folgen Niederösterreich (11 Prozent), Tirol (8), die Steiermark (8) sowie Salzburg (7).

Seit Juni 2017 absolvierten rund 22.000 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte einen Werte- und Orientierungskurs, insgesamt haben seit dem Start der Wertekurse (österreichweit seit 2015, damals aber noch auf freiwilliger Basis) 47.000 Menschen einen solchen besucht. Das Kursangebot ist laut Integrationsfonds ausreichend, im Regelfall betrage die Wartezeit zum Start eines Kurses nur wenige Tage. Neben den zur Integrationserklärung verpflichtenden Personen stehen die Wertekurse auch anderen Gruppen offen – etwa Asylwerbern.

Seit verpflichtender Einführung mehr Frauen in Wertekursen

Signifikant ist laut ÖIF die Veränderung des Geschlechterverhältnisses seit Inkrafttreten des Integrationsgesetzes im vergangenen Juni: Derzeit liegt der Frauenanteil bei den Wertekursen bei etwa 45 Prozent. Vor Inkrafttreten des Gesetzes waren es hingegen nur 22 Prozent.

Der ÖIF hat sein Programm um frauenspezifische Angebote ausgebaut, um Frauen bei ihrer Integration in Österreich zu fördern: Themen wie Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Rechtsstaatlichkeit werden behandelt und Informationen zu Bildungs- und Berufschancen vermittelt. Auch werden den Teilnehmern Anlaufstellen für Opfer von Gewalt gegen Frauen oder weiblicher Genitalverstümmelung aufgezeigt.

“Sprache ist Schlüssel für alles”

Die Mittelbedeckung für die Maßnahmen sei ausreichend, hieß es seitens des ÖIF: Die gesetzlichen Aufträge der Beratung, Werte- und Orientierungskurse sowie der Deutschkursförderung sind budgetär gedeckt, erklärte Edwin Schäffer, der Bereichsleiter Integrationszentren, der auch von einem guten Funktionieren der Kurse berichtete.

Bei einem Lokalaugenschein für Pressevertreter betonten im ÖIF auch die Teilnehmer eines der Wertekurse deren Relevanz: So erfahre man etwa, dass man auch mit Kopftuch in Österreich nicht von der Arbeitswelt ausgeschlossen sei, erklärte eine Teilnehmerin. Eine andere Frau zeigte sich erleichtert über die Information, dass jene Kinder, die es aufgrund von Sprachdefiziten nicht ins Gymnasium schaffen, später die Möglichkeit haben, von der Neuen Mittelschule wieder ins Gymnasium zurückzuwechseln. Auch werde man in den Kursen dazu motiviert, Arbeit zu suchen, meinte ein Teilnehmer. Und: “Die Sprache ist der Schlüssel für alles”, so der Schluss einer weiteren Kurs-Absolventin.

(APA/Red)

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