Erste Bank finanziert AKW Mochovce nicht

Die Erste Bank wird sich an der Finanzierung des Ausbaus des umstrittenen slowakischen Kernkraftwerks Mochovce nicht beteiligen. Sie hält aber ihre Teilnahme am 800-Mio.-Euro-Kredit aufrecht. Videos zum Thema 

Diesen Kredit gewähren europäische Banken der Stromgesellschaft Slovenske Elektrarne (SE), die auch das AKW betreibt. Die SE teilte unterdessen ihrerseits mit, den Ausbau aus Eigenmitteln finanzieren zu wollen und dafür nicht den Bankenkredit in Anspruch zu nehmen.

“Es wird kein Geld für den Ausbau von Atomkraftwerken in der Slowakei fließen”, das habe man vertraglich mit dem slowakischen Energieunternehmen klargestellt, sagte Erste-Bank-Konzernsprecher Michael Mauritz am Donnerstag zur APA. Für einen Ausstieg aus dem Banken-Konsortium habe es jedoch keinen Grund gegeben, so Mauritz: “Wir setzen unsere Kreditkunden nicht vor die Tür.” AKW-Gegner und Umweltorganisationen hatten Monate lang ein “Aus” für eine Finanzierung von Atomanlagen durch die Erste Bank gefordert und Anfang März in einer spektakulären Protestaktion sogar den Eingang der Bank-Zentrale in der Wiener Innenstadt zugemauert.

Nach einer Erklärung des slowakischen Energieunternehmen wird SE den Ausbau der Mochovce-Blöcke 3 und 4 selbst finanzieren und dafür keine Bankkredite in Anspruch nehmen. Es bestehe keine Absicht, die von neun Banken, darunter die Erste-Bank-Tochter Slovenska Sporitelna, gewährte Kreditlinie von 800 Mio. Euro für die Erweiterung heranzuziehen. Man wolle diese vielmehr für andere Zwecke verwenden, so Generaldirektor Paolo Ruzzini. SE plane bis 2013 Investitionen von mehr als 3 Mrd. Euro, davon 1,8 Mrd. Euro für Mochovce. Die durch den Einstieg des Enel-Konzerns gestiegene Effizienz – die Italiener halten 66 Prozent an SE – ermögliche die Finanzierung des Ausbaus aus dem Cash-Flow.

Die Erste Bank betont in einem Schreiben an Umweltorganisationen, es sei mit SE sichergestellt, dass die Finanzierungsmittel ausschließlich für nicht-nukleare Projekte Verwendung finden könnten. Auch bisher seien aus der Kreditvereinbarung keine Mittel für den Ausbau von Mochovce ausbezahlt worden: “Wir werden auch in Zukunft in unseren Finanzierungsprojekten im Energiebereich auf Umweltaspekte und die Einbindung der Bevölkerung besonderen Wert legen.”

Zum Bankenkonsortium, das den 800-Mio.-Euro-Kredit gewährt, gehören neben der slowakischen Erste-Bank-Tochter auch ING Bank, Calyon S.A., Mizuho Corporate Bank, Intesa Sanpaolo, KBC Bank sowie die Komercni banka Prag, Komercni banka Bratislava und Dexia banka.

Der wesentliche Teil des Investitionsprogramms der SE entfalle auf Kernenergie, so SE-Chef Ruzzini in der Mitteilung weiter. Verträge mit den Hauptlieferanten würden zur Jahresmitte unterzeichnet. Bereits 2007 seien mehr als 85 Prozent der Stromerzeugung der SE ohne die Emission von Treibhausgasen erfolgt, so das Unternehmen unter Hinweis auf seine Atom- und Wasserkraftwerke.

Umweltorganisationen begrüßten am Donnerstag, dass von der Erste Bank kein Geld für den Ausbau von Mochovce fließt. “Der Widerstand auf der Straße und unsere intensiven Verhandlungen haben sich ausgezahlt. Wir freuen uns, dass die Erste Bank hier letztendlich die richtige Entscheidung getroffen hat, das Risiko-AKW nicht mit österreichischen Mitteln zu finanzieren”, erklärte Global 2000.

Mehrere im “Verein Antiatom Szene” organisierte Aktivistengruppen “gratulierten” der Erste Bank “zur sehr weisen Entscheidung, aus der Finanzierung des AKW Mochovce auszusteigen”. Die Bank scheine klar erkannt zu haben, dass die Atomprojekt-Finanzierung zu große Risiken mit sich bringe und für die Bevölkerung inakzeptabel sei.

Die grenznahe slowakische Atomanlage Mochovce gilt Atomgegnern als Hochrisiko-Meiler, da sie westlichen Sicherheitsstandards nicht entspricht. Sie ist beispielsweise nicht von einer Schutzhülle (Containment) umgeben, während in Frankreich oder Finnland zwei Hüllen Standard sind. Block 3 von Mochovce soll im Jahr 2012 in Betrieb gehen, Block 4 im Jahr 2013. Mochovce erzeugte 2007 einen Rekordwert von 6.321,6 GWh Strom.

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