Erschreckende Jahresbilanz 2018: Monatlich ermordeten drei Männer ihre Frauen

In Österreich werden vermehrt Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen gesetzt.
In Österreich werden vermehrt Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen gesetzt. ©pixabay.com (Themenbild)
Der Jahresrückblick der etwas anderen und leider schrecklichen Art: Im Jahr 2018 wurden in Österreich im Schnitt pro Monat drei Frauen von ihren Männern ermordet. Zusätzlich gab es noch zahlreiche Mordversuche.

Bis zum 20. November 2018 wurden in Österreich bereits 32 Frauen von Männern ermordet, vier weitere bis zum Jahresende. Die Statistik sieht laut dem Bundeskriminalamt ähnlich aus wie im Jahr 2017. Damals wurden 34 Frauen von ihren Männern ermordet, 77 Frauen wurden Opfer eines Mordes oder eines Mordversuches – das bedeutet, dass mehr als 6 Männer pro Monat versuchten, ihre Frau umzubringen.

Prävention und Maßnahmen: Trotz allem steht Österreich im negativen Spitzenfeld Europas. “Würden anderweitig über 30 Personen zu Tode kommen, wäre eine Untersuchung, eine Analyse selbstverständlich” sagt Andrea Brem, Vorsitzende des Vereins ZÖF und weiter: ” Sind (Ehe-) Frauen in unserer Gesellschaft einfach weniger wert?”

ZÖF-Kampagne: Informationen über Hilfsangebote in ganz Österreich

Im Rahmen einer Task Force im Auftrag der Staatssekretärin Edtstadler, wird über Reformen bei Gewalt- und Sexualdelikten entschieden. “Gesetzesänderungen können nur die Basis bilden, nötig ist laufende lokale Kooperation und Vernetzung der zuständigen Behörden, Einrichtungen und NGOs”, hält Olinda Albertoni, Frauenhaus St. Pölten fest.

Information ist wichtig, daher werden immer wieder Kampagnen gestartet, um bedrohte Frauen über Hilfsangebote zu informieren. “Die Kommunikation dabei muss sehr einfach und niederschwellig sein, deshalb hat der Verein ZÖF nun auch einen Folder in “leichter” Sprache entwickelt, der helfen soll, eine weitere vulnerable Gruppe von Frauen zu erreichen”, meint Angelika Hinteregger von den Kärntner Frauenhäuser.

“Und wir brauchen dringend eine Finanzierung flächendeckender Täterarbeit, und zwar schon bei ersten Anzeichen von Gewalt und nicht erst, wenn der Gewalttäter wegen Mordes im Gefängnis sitzt”, zeigt Michaela Gosch von den steirischen Frauenhäusern auf.

Gabriele Heinisch-Hosek meldet sich zur Thematik: Morde an Frauen

“Wenn die ‚Frauen-‘Ministerin heute sagt, dass Gewaltschutz eines ihrer wichtigsten Themen ist, dann muss sie sich jetzt rasch den Morden an Frauen durch ihre Partner bzw. Ex-Partner annehmen”, sagte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek.

“Die steigende Zahl an ermordeten Frauen ist besorgniserregend und es braucht dringend Handlung. Denn mittlerweile sind wir vom Musterschüler im Gewaltschutz zu einem negativen Spitzenfeld in Europa geworden”, so Heinisch-Hosek. Und weiter: “Statt Einsparungen bei Fraueneinrichtungen und bei Gewaltschutz – ich erinnere nur an die Einstellung der MARAC-Fallkonferenzen – muss die Regierung massiv in den Opferschutz investieren”.

“Die Ministerin sollte dringend, wie von Gewaltschutzeinrichtungen wie den Frauenhäusern gefordert, eine Kommission einsetzen, die feststellt, wo es in jedem einzelnen Mordfall tatsächliche Lücken im Opferschutz gab und welche Maßnahmen hätten helfen können”, so Heinisch-Hosek weiter. Diese Kommission müsste aus allen im Opferschutzbereich tätigen Einrichtungen und Institutionen von NGOs bis zu Polizei, Justiz, Gesundheitseinrichtungen, etc. bestehen. “Falls hier nicht rasch gehandelt wird, ist das die Bankrotterklärung der Frauenpolitik dieser Regierung”, so Heinisch-Hosek zum Schluss.

“Es ist Aufgabe der Regierung zu handeln”

“Es ist geradezu zynisch wie sehr die Regierung immer wieder die Wichtigkeit des Gewaltschutzes proklamiert, während 2018 mindestens drei Frauen pro Monat von ihren Ex-Partnern ermordet wurden”, so Lena Jäger und Christian Berger vom Verein Frauen*Volksbegehren. “Natürlich begrüßen wir, dass die Frauenministerin mehr Frauenhäuserplätze versprochen hat und die Bürokratie vereinfachen will, so dass bundesländerübergreifende Aufnahmen von Frauen* leichter möglich sind. Es braucht aber zusätzlich Kapazitäten, um jeden einzelnen Fall zu beleuchten und zu klären, an welchen Stellen offensichtlich noch Handlungsbedarf besteht.”

“Österreich ist in puncto Gewaltschutz im internationalen Vergleich immer gut aufgestellt gewesen. Statt einer Task Force, die seit Monaten unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Dunkeln arbeitet, braucht es vor allem mehr Budget, damit die gut funktionierenden Vereine und Organisationen in dem Bereich ihre Arbeit machen und die vorhandenen Konzepte umsetzen können”, so Lena Jäger und Christan Berger. “Das Rad muss eben nicht neu erfunden werden. Es ist Aufgabe der Regierung zu handeln, wenn immer mehr Frauen* ermordet werden. Was braucht es noch, damit endlich Budget umgeschichtet wird, um Frauen* zu schützen?”

(Red)

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