Erneutes Ringen um offene Schulen

Lockdown droht: Wieder einmal Ringen um offene Schulen.
Lockdown droht: Wieder einmal Ringen um offene Schulen. ©APA/dpa-Zentralbild/Ralf Hirschberger
Angesichts der hohen Coronazahlen hat am Donnerstag wieder einmal das Ringen um offene Schulen begonnen. Die Bundesregierung hat zwar betont, Schulen unter allen Umständen offen lassen zu wollen. Zumindest in Salzburg wird das nun als Teil des mit Oberösterreich abgestimmten Lockdowns infrage gestellt.

Unterdessen machen sich auch einzelne Lehrervertreter für eine Umstellung auf Fernunterricht stark.

Salzburg lässt im Lockdown auch Schulen schließen

"Ich sehe keine andere Möglichkeit, als auch die Schulen zu schließen", sagte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer im Ö1-"Mittagsjournal". Dass er nun doch einen Lockdown befürwortet, begründete der ÖVP-Politiker mit der "aggressiven" Zahlenentwicklung. "Wir können leider nicht länger zuwarten." Die Schließung der Schulen sei nötig, weil Schülerinnen und Schüler wegen der vielen Neuinfektionen in dieser Altersgruppe auch die Eltern anstecken. Er wolle die Maßnahme jedenfalls im Gleichschritt mit Oberösterreich ergreifen, betonte ein Sprecher auf Nachfrage gegenüber der APA. In Oberösterreich hieß es wiederum gegenüber der APA, dass die Frage, ob im Zuge des geplanten Lockdowns auch die Schulen geschlossen werden, noch in Abstimmung sei.

Bildungsminister Faßmann leht Schulschließungen ab

Bildungsminister Faßmann lehnt Schulschließungen jedenfalls weiterhin ab. Noch könnte man etwas tun, um das Zusperren verhindern, betonte er. Stattdessen plädierte er für Verschärfungen in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Salzburgs Landeshauptmann könne zwar die Schulen selbstständig nach dem Epidemiegesetz schließen. Das würde allerdings auch bedeuten, dass dort keine Betreuung angeboten werden kann und damit Probleme auch für jene Eltern entstünden, die man gerade etwa im Gesundheitsbereich dringend brauche. Mit einer Schließung der Schulen falle zudem das systematische Testen der Schüler samt indirekter Testung ihres Umfelds weg, warnt das Bildungsministerium gegenüber der APA.

Durchgängige Maskenpflicht vorgeschlagen

Das Ressort schlägt stattdessen für Salzburg und Oberösterreich eine durchgängige Maskenpflicht für alle Schüler vor, bei den Jüngeren mit Mund-Nasen-Schutz, bei den Älteren mit FFP2-Masken - freilich unter Einhaltung von Maskenpausen. Außerdem könne die aktuelle Sicherheitsphase, in der auch geimpfte Schüler sich regelmäßig testen müssen, verlängert werden. Gleichzeitig soll es wieder die Möglichkeit geben, dass sich Schüler aufgrund der hohen Infektionszahlen vom Präsenzunterricht entschuldigen lassen und sich den Stoff über Lernplattformen den Stoff daheim aneignen. Außerdem sollen in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium wieder einheitliche Quarantäneregeln definiert werden: Nur der Indexfall soll abgesondert werden, für alle anderen soll der Unterricht weitergehen, wobei durchgängig Maske getragen und täglich getestet werden soll.

Schulschließungen nur als letzte Option

Unterstützung in seinem Bemühen um offene Schulen bekommt Faßmann nicht nur von den Bildungsreferenten der Länder, die nach ihrer gestrigen Sitzung vor den Folgen einer Umstellung auf Distance Learning gewarnt hatten. Auch für die Bundesschülervertretung können Schulschließungen nur die letzte Option sein. Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV) pochte darauf, dass die Schulen - wie von der Bundesregierung versprochen - der letzte Bereich sein dürften, der geschlossen wird. "Sollte es keine vollständigen Lockdown geben, sollte auch der Präsenzunterricht aufrechterhalten bleiben." Die Vorschläge des Bildungsministers für verschärfte Sicherheitsmaßnahmen, um die Schulen möglichst lange offen zu halten, unterstütze man, so Sprecher Christoph Drexler zur APA. Bei einer Umstellung auf Fernunterricht müsse dieser zumindest möglichst sinnvoll gestaltet werden, um den Kindern weiterhin Struktur zu geben.

Unterdessen mehren sich bei den Lehrerinnen und Lehrern Stimmen für eine Schließung der Schulen. Nach den Unabhängigen LehrergewerkschafterInnen (ÖLI-UG), die gestern eine zweiwöchige Umstellung auf Distance Learning eingemahnt haben, hat am Donnerstag auch der Sozialdemokratische LehrerInnenverein (SLÖ) ein Ende des "Zweckoptimismus" an den Schulen gefordert: "Wenn die Politik Zustände wie in Salzburg und Oberösterreich den anderen Bundesländern ersparen möchte und den allgemeinen Lockdown verordnet, darf die Schule als derzeitiges Hochrisikogebiet nicht ausgespart werden, auch wenn wir immer den Präsenzunterricht präferiert haben."

Die AHS-Vertreter der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) haben unterdessen gemeinsam mit der Österreichischen Professorenunion (ÖPU) für den Fall eines allgemeinen Lockdowns bei gleichzeitig offenen Bildungseinrichtungen gefordert, dass Schulen "nur in absoluten Notfällen als Betreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen" sollen. Außerdem plädieren sie bei diesem Szenario für eine FFP2-Maskenpflicht im gesamten Schulgebäude auch schon für Unterstufenschüler, drei PCR-Tests pro Woche für alle Personen an der Schule, sofortige Angebote für die Booster-Impfung für Lehrer und verwehren sich gegen eine Doppelbelastung der Lehrer durch Hybridunterricht.

(APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Wien-Fußball
  • Erneutes Ringen um offene Schulen
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen