Ermordete Rucksacktouristen: Der Prozess beginnt

Foto: Bilderbox
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Der Prozess im Fall um die zwei österreichischen Rucksacktouristen, die vor rund eineinhalb Jahren in Bolivien ermordet wurden, beginnt am Freitag in La Paz.

Rund eineinhalb Jahre nach dem Mord an Katharina Koller (25) und Peter Kirsten Rabitsch (28), die beide als Rucksacktouristen durch Bolivien reisten und dort von falschen Polizisten brutal getötet worden waren, beginnt morgen, Freitag, in La Paz der Prozess gegen ein bereits geständiges und an der Tat beteiligtes Bandenmitglied. Der 19-jährige Moises Valda Rioja hatte bei einer Anhörung im März 2007 ausführlich über den Hergang ausgesagt und die ebenfalls anwesenden anderen und bisher nicht geständigen mutmaßlichen Mittäter schwer belastet.

Nach Schätzungen des Außenministeriums könnte der Ausgang dieses Prozesses entscheidend für mögliche folgende Gerichtsverhandlungen sein. Diesbezügliche Termine seien deshalb noch nicht angesetzt worden. Im Gerichtssaal in La Paz werden auch die Eltern von Peter sein. Vater Hermann Rabitsch hatte auch schon der Verhandlung im März beigewohnt. Mitte August werden die Eltern nach Lima weiterfliegen, um dem dortigen (für Bolivien zuständigen) österreichischen Botschafter über den Verlauf des Prozesses zu informieren.

Valda Rioja hatte im März 2007 seine Bandenmitglieder schwer belastet. Er erzählte dem Gericht, dass der Chef der Bande, Ramiro Milan Fernandez, den Mord an Koller und Rabitsch kaltblütig geplant gehabt habe. Dieser habe Rabitsch Bänder um den Kopf gewickelt, während Valda Rioja dessen Füße gehalten habe. Koller soll laut der Aussage des 19-Jährigen von einem Mittäter namens Gregorio erstickt worden sein, während ein anderer verhindert habe, dass sie sich mit den Füßen wehrte.

Eine Weltreise ist damit zur Katastrophe geworden: Von einer auf Kredit- und Bankomatkartenraub spezialisierten Verbrecherbande, deren Mitglieder sich unter anderem als Polizisten ausgaben, wurde das junge Paar aus Österreich entführt und schließlich (gemeinsam mit einem spanischen Touristen) umgebracht. Zuletzt wurden Katharina Koller und Peter Kirsten Rabitsch am 26. Jänner 2006 im Bus von Copacabana am Titicacasee nach La Paz lebend gesehen. Bei ihrer Ankunft dürften sie in die Hände ihrer Entführer geraten sein.

Begraben wurden Koller und Rabitsch am 18. April 2006 in Wien. Der Fall, der auch in der bolivianischen Öffentlichkeit große Anteilnahme ausgelöst hatte, förderte neben der mangelhaften Ausstattung der Polizei nicht zuletzt die sozialen Probleme des Andenstaates zu Tage. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass sowohl Polizisten als auch Justizangehörige aus Profitgier in engem Kontakt mit der Bande gestanden und mit dieser teilweise sogar kollaboriert hatten.

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