Eric J. Hobsbawm wurde Ehrenbürger der Stadt Wien

Als Ehrenbürger der Stadt Wien wurde heute, Montag, Nachmittag der Geschichtswissenschafter Eric J. Hobsbawm im Wiener Rathaus gefeiert.

“Als Stadt sind wir Ihnen unendlich dankbar”, sagte Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) vor der Überreichung der Urkunde und betonte, von Hobsbawm in seinem Denken und seiner Bildung stark beeinflusst worden zu sein. Hobsbawm habe in seinem Werk gezeigt, dass die Weltgeschichte Wahlmöglichkeiten anbiete, “aus denen die Menschen ihre Geschichte durchaus autonom machen”, sagte Laudator Hubert Christian Ehalt.

Der neue Ehrenbürger selbst äußerte sich durchaus kritisch zu seiner Ehrung. Wie nach Erhalt der Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold (2003) frage er sich, “wieso sie mich trotz meines marginalen Wienertums dieser Ehre für wert halten”, so Hobsbawm. Er gehöre “vielleicht am Rande zu dieser Wiener Diaspora” der “Globalwiener”. Mit dieser verbinde ihn “nicht nur die Erinnerung an zwölf Jahre Kindheit und meine Toten am Zentralfriedhof”, sondern vor allem lebenslange Freundschaften mit aus Wien exilierten Menschen. Andere Gefühle der Heimeligkeit habe ihm das 20. Jahrhundert ausgetrieben: “Ich glaube nicht an ‘Wien, Wien, nur Du allein’ und an alle Texte, in denen von einer Fantasie der schönen blauen Donau die Rede ist”.

Hobsbawm wurde am 9. Juni 1917 in Alexandria, Ägypten, geboren. Seine Schulzeit verbrachte er im Wien der Zwischenkriegszeit. 1931 ging er nach Berlin, 1933 musste er vor den Nazis fliehen und lebt seitdem in London. Nach dem Studium der Geschichte an der University of Cambridge nahm er 1947 seine Lehrtätigkeit am Birkbeck College an der Universität London auf. Von 1971 bis zur Emeritierung 1982 hatte er eine Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der University of London inne. 1984 erhielt er einen Lehrstuhl an der New School of Social Research in New York. Gastprofessuren führten ihn an die Stanford University, das Massachusetts Institute of Technology, die Cornell University, die New School for Social Research in New York, die Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, das College de France und an die Unversidad Nacional Autonoma in Mexiko.

Als Autor wichtiger wissenschaftlicher Publikationen hat Hobsbawm Standardwerke geschaffen. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen “Sozialrebellen” (1962), “Europäische Revolution 1789 – 1848” (1962), “Revolution und Revolte” (1977), “Die Blütezeit des Kapitals 1848 – 1875” (1977), “Das imperiale Zeitalter 1875 – 1914” (1989), “Nationen und Nationalismus” (1991), “Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts” (1995), “Das Gesicht des 21. Jahrhunderts” (2000). Im Mittelpunkt seiner Bücher stehen Unterdrückte, Unterprivilegierte und Schwache – Arbeiter, Landarbeiter, Rebellen, Widerstandskämpfer – und deren Weg der Emanzipation.

Hobsbawm erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, unter anderen den “Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch 1997”, den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 1999 und den Ernst-Bloch-Preis 2000 und die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold (2003). Hobsbawms Verbundenheit mit Österreich und Wien drückt sich in regelmäßigen Besuchen aus – sei es als Teilnehmer internationaler Tagungen, sei es als Gast bei den “Wiener Vorlesungen” – und durch Kontakte zu österreichischen und Wiener Zeithistorikern.

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