Erfand Tiroler das VW-Logo?

Später Rechtsstreit: 85-jähriger Tiroler will VW-Logo erfunden haben - Verhandlung um Feststellungsklage musste im Wiener Handelsgericht abgesagt werden.

Ein ungewöhnlicher Rechtsstreit ist am Wiener
Handelsgericht anhängig: Ein 85-jähriger Tiroler behauptet, im Jahr
1939 Vorentwürfe für das weltberühmte VW-Logo kreiert zu haben. Er
habe als junger Grafiker vom damaligen Reichsarbeitsminister und
Inspekteur für das deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, den Auftrag
erhalten, für die im Bau befindlichen Volkswagenwerke ein Logo zu
schaffen, legt Nikolai Borg in seiner Feststellungsklage dar. Morgen,
Mittwoch, hätte es in dieser Sache einen ersten Gerichtstermin geben
sollen. Dieser musste jedoch kurzfristig abgesagt werden.

Kläger muss in ärztliche Behandlung

„Mein Mandant ist schwer herzkrank und hat sich in
Spitalsbehandlung begeben. Er soll jetzt einen Herzschrittmacher
bekommen“, sagte sein Anwalt Meinhard Ciresa am Dienstag im Gespräch
mit der APA. Der Urheberrechtsexperte hofft, dass im Juli,
spätestens im September verhandelt werden kann, zumal er kaum mehr
Chancen für eine außergerichtliche Einigung sieht: „Man hat Herrn
Borg Ende Jänner ein Treffen mit dem Unternehmenshistoriker in
Wolfsburg angeboten. Er war damit einverstanden. Seither warten wir
auf eine Reaktion“.

Dem 85-Jährigen gehe es nicht um Geld, sondern um Anerkennung,
betont sein Anwalt: „Sein Herzenswunsch ist die Feststellung der
historischen Wahrheit. Daher haben wir auch keinen einzigen Euro
eingeklagt.“ In der Klage heißt es wörtlich: „Da ich nun mittlerweile
85 Jahre alt bin, bin ich genötigt, vor meinem Lebensende die
gerichtliche Feststellung meiner Urheberschaft am Ur-VW-Logo
durchzusetzen, um der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu
verhelfen.“

Logo-Entwürfe für das NS-Regime

Der Tiroler deutsch-schwedischer Abstammung will seinerzeit auf
den Auftrag des NS-Regimes hin mehrere Entwürfe mit einem „W“ und
einem darüber positionierten „V“ angefertigt haben. Er habe diese
Entwürfe auch abgeschickt, sei in einem Antwortschreiben von den
Volkswagenwerken aber vertröstet worden: Die Fertigstellung
verschiebe sich bis zum „Endsieg“. 1943 habe er sein Logo dann
zufällig an einem Kübelfahrzeug der deutschen Wehrmacht entdeckt,
behauptet Nikolai Borg.

VW hält dem entgegen, der wahre Urheber des gegenständlichen Logos
sei nicht bekannt, man habe es von Porsche übernommen. Borg will in
dem Verfahren allerdings Kartonkärtchen mit seinen alten Entwürfen
vorlegen, die wie durch ein Wunder die Kriegszeit in Berlin
unbeschadet überstanden haben. Er habe sie nach seiner
Kriegsgefangenschaft in den fünfziger Jahren im Zuge einer
„Spurensuche“ wieder gefunden.

Borg möchte mit seiner Klage letzten Endes eine gemeinsame
Presseerklärung mit VW erwirken, aus der hervorgeht, dass er am
markanten Logo mitgewirkt hat. Das Angebot, seine Klage ins
Firmenarchiv aufzunehmen, sei ihm zu wenig, erklärte sein
Rechtsbeistand abschließend.

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