Ereignis Händel: Concentus Musicus bei der Salzburger Mozartwoche

Die gesundheitsbedingte Absage Harnoncourts für seine zwei Auftritte bei der diesjährigen Salzburger Mozartwoche führte Freitagabend zu einem Gastspiel Ivor Boltons am Dirigentenpult des Originalklang-Ensembles.

Es dauerte denn auch einige Zeit, bis der erfahrene Barock-Experte und der Concentus im Eröffnungskonzert des Festivals im Haus für Mozart zueinanderfanden. Dann jedoch führte Bolton das Orchester zu einer ereignishaften, zu Recht bejubelten Händel-Weihestunde.

Ein wenig “fremdelte” das Orchester zu Beginn dieses Konzerts, das im Zeichen sakraler Werke von Georg Friedrich Händel stand. Ungewohnt zaghaft und nicht mit gewohnter instrumentaler Präzision wirkte die Interpretation der Psalmvertonung “Laudate pueri” HWV 237, hier vermisste man doch die Selbstverständlichkeit des Musizierens mit Meister Harnoncourt. Solider dann das Schwesterwerk “Nisi Dominus” HWV 238: Langsam funktionierte auch das Zusammenspiel mit dem Wiener Arnold Schoenberg Chor, löste sich die anfangs spürbare Spannung bei allen Beteiligten.

Nach der Pause waren die Künstler dann gänzlich auf Betriebstemperatur: Händels “Dixit Dominus” HWV 232 verwandelte das weltliche Haus in eine lichtdurchflutete Kathedrale. Die Rädchen griffen ineinander, das Orchester fügte sich mit seinem herrlich schlanken Klang und den gewohnt grandios agierenden Stammpartnern des Schoenberg Chors zu einem plastischen Ganzen. Energiegeladen und prägnant, von Bolton mit packender Leidenschaft geführt, wurde diese Psalmvertonung zu einer aufwühlenden, bis ins letzte Detail ausgestalteten Lehrstunde. Das lag auch an der vokalen Leistung von Christina Landshamer und Anna Prohaska, die ihre beiden schlanken Sopranstimmen in den Soloparts zu einem überirdischen Zwiegesang voller Homogenität und Leichtigkeit vereinten. Auch Elisabeth von Magnus (Alt), Jeremy Ovenden (Tenor) und Christian Immler (Bass) fügten sich stilsicher und uneitel in den großartigen Gesamtklang ein.

Und Mozart? Der spielte im Eröffnungskonzert “seines” Festivals eigentlich nur eine Nebenrolle. Neben dem vom Schoenberg Chor vielschichtig umgesetzten Offertorium “Venite populi” KV 260 war noch die frühe Passionsarie “Kommet her, ihr frechen Sünder” KV 146 zu hören. Diese blieb allein schon wegen Landshamers liedhafter Interpretation in Erinnerung. So berührend zart und doch von klarer vokaler Gestalt, wurde Mozarts Kleinigkeit zu einem großen Moment.

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