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Entrüstung über RAF-Ausstellung

Auch 25 Jahre nach dem blutigen Deutschen Herbst ist die Rote Armee-Fraktion (RAF) noch immer ein Tabuthema. Zahlreiche Bundespolitiker forderten Absage.

Die Förderung einer Ausstellung über die Terrororganisation, die sich vor fünf Jahren selbst aufgelöst hatte, mit staatlichen Geldern genügt, um einen Sturm der Entrüstung quer durch die Republik auszulösen. Zahlreiche Bundespolitiker von Union und FDP forderten kategorisch die Absage der geplanten Ausstellung und die Rückzahlung der Gelder. Überhaupt die RAF in einer Ausstellung zu thematisieren, wurde als geschmacklos und Mythen bildend angeprangert.

Die RAF gilt als eines der dunkelsten Kapitel der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Viele der RAF-Mordanschläge, denen von 1971 bis 1993 mindestens 30 Menschen zum Opfer fielen, sind bis heute nicht aufgeklärt. Schmerzlich erinnern sich viele Politiker der Ohnmacht des Staates, als die RAF 1977 mit der Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ und 91 Passagieren an Bord ihre Gesinnungsgenossen im Hochsicherheitstrakt Stuttgart-Stammheim freipressen wollte. Als sich der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) nicht erpressen ließ, richteten die Terroristen den entführten Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer kaltblütig hin.

Vor diesem Hintergrund wurde das Anliegen des Berliner Ausstellungshauses „Kunst-Werke“, einem in der Jugend-Pop-Szene beobachteten Kultstatus der RAF mit einer kritischen Reflexion im Spiegel der Kunst entgegenzuwirken, gar nicht mehr zur Kenntnis genommen. Dabei hatte das Vorhaben im Jänner bei der Förderzusage des Hauptstadt-Kulturfonds über 100.000 Euro zunächst keinerlei Kritik ausgelöst, wie Kuratorin Adrienne Goehler anmerkt.

Erst später veröffentlichte Halbwahrheiten über das Konzept unter dem falsch lancierten Titel „Mythos RAF“ entzündeten die Lunte. Ein Protestbrief der Angehörigen der RAF-Opfer an den derzeitigen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), die eine Glorifizierung der RAF befürchteten, löste die hitzige Debatte aus. Sie wurde begünstigt durch einen Fehler der „Kunst-Werke“, den der künstlerische Leiter Klaus Biesenbach inzwischen auch als „klares Versäumnis“ einräumte:
Sie hatten viel zu spät die Angehörigen der RAF-Opfer über ihr Projekt informiert. Nach deren Protest schaltete der Kanzler seine Kulturstaatsministerin ein, um die Finanzzusage und das Konzept zu überprüfen.

„Eine frühzeitige Einbindung der Angehörigen war eine klare Auflage der Förderzusage aus dem Jänner“, heißt es heute aus dem Haus von Christina Weiss (parteilos). Zudem sei eine Begleitung der Kunstausstellung zur RAF durch die Bundeszentrale für politische Bildung und das Hamburger Institut für Sozialforschung vereinbart worden. Passiert sei in den fünf Monaten bis zu der Debatte jedoch nichts, sagt eine Sprecherin von Weiss. „Es gibt ein Handlungsdefizit beim Zuwendungsempfänger.“

Die Staatsministerin mag deshalb auch nicht so ohne weiteres der Empfehlung des Beirats des Fonds folgen, das neue Konzept wieder zu fördern. Weder die Kosten noch die Exponate oder Kooperationspartner seien bisher klar, ließ sie erklären. Denn die Zusammenarbeit mit den politischen Institutionen hatten die „Kunst-Werke“ mit dem neuen Konzept – der Konzentration auf den Kunstaspekt – selbst aufgekündigt. Den so ausgelösten Rückzug der Bundeszentrale bedauerte ihr Präsident Thomas Krüger inzwischen öffentlich. Auch er forderte:
„Die RAF darf kein Tabuthema in Deutschland sein.“

Kuratorin Goehler und die „Kunst-Werke“ sehen dagegen das Defizit in der gesellschaftlichen Aufarbeitung der RAF-Geschichte. „Es kann nicht Aufgabe der Ausstellung sein, eine Versöhnung mit den Angehörigen herbeizuführen, die Politik und Medien 30 Jahre lang versäumt haben“, kritisierte die frühere Kultursenatorin.

Die Gefahr einer RAF-Glorifizierung in der Jugend sieht einer der Autoren der Shell-Jugendstudie, Arthur Fischer, jedoch nicht. Die Auseinandersetzung mit geschichtlichen Phänomenen beginne immer erst in der Generation, die selbst nicht mehr betroffen sei, sagt er. Das sei mit dem Nationalsozialismus auch so gewesen. Die RAF-Inflation in der Jugend spricht aus seiner Sicht eher dafür, dass die Terrorgruppe abgewirtschaftet hat.

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