Entführungsfall Kampusch - Die Chronologie

Das Entführungsopfer Natascha Kampusch ist am 2. März 1998 auf dem Schulweg in Wien von Wolfgang Priklopil entführt worden...

Acht Jahre lang fehlen von dem Mädchen, das im Keller ihres Peinigers in seinem Haus im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten wird, jede Spur, obwohl Ermittler sogar Priklopil befragen und ein Hundeführer der Polizei eineinhalb Monate nach der Entführung im Wiener Sicherheitsbüro noch einmal auf den möglichen Täter hinweist. Das Martyrium endet für die junge Frau erst am 23. August 2006, als sie im Alter von 18 Jahren in einem unbeobachteten Moment aus dem Garten Priklopils flüchten kann. Im Folgenden eine Chronologie:

2. März 1998 – Natascha Kampusch verschwindet auf dem Weg zur Schule. In der Früh verlässt sie die elterliche Wohnung am Rennbahnweg, um die Volksschule am Brioschiweg zu besuchen. Dort kommt sie jedoch nie an. Eine groß angelegte Suchaktion bleibt ohne Erfolg.

3. März 1998 – Eine Schülerin erzählt der Polizei, dass sie beobachtet hat, dass Kampusch in einen weißen Bus mit Gänserndorfer Kennzeichen gezerrt worden ist.

27. März 1998 – Die Polizei gibt bekannt, 700 weiße Kleinbusse aus Wien und Umgebung zu überprüfen.

1. April 1998 – Neuerlich sucht ein Großaufgebot der Polizei nach dem Mädchen: Zu Lande, in der Luft und unter Wasser fahnden die Beamten nach Kampusch.

6. April 1998: Wolfgang Priklopil wird in Strasshof von Beamten des Sicherheitsbüros aufgesucht. Er hat einen weißen Lieferwagen, den er laut eigener Aussage für Bauarbeiten benutzt. Alibi für die Tatzeit habe er keines. Die Ermittler machen Fotos und fahren wieder nach Wien.

14. April 1998: Ein Hundeführer der Wiener Polizei macht das Sicherheitsbüro erneut auf den Entführer in Strasshof aufmerksam. Der “Eigenbrötler” habe Kontaktprobleme und habe eventuell Waffen. Außerdem solle er sexuell einen “Hang zu Kindern” haben, warnt der Beamte. Er will aber nicht namentlich auftauchen und wird in den Akten anonym geführt. Der Kriminalbeamte bringt den Hinweis zu Papier und gibt ihn seinem Vorgesetzten weiter.

Juli 2002: Der Fall wird einer neuen “SOKO Kampusch”, geleitet von der burgenländischen Kriminalabteilung, übergeben. “Manchmal befindet man sich in einer festgefahrenen Situation, eine Sichtweise von Außen kann da durchaus weiterhelfen”, heißt es aus dem Innenministerium.

Juli 2004: Das Bundeskriminalamt lässt auf dem Amtshilfeweg überprüfen, ob es beim Verschwinden Nataschas einen Zusammenhang mit den Taten des französischen Serienmörders Michel Fourniret gibt.

23. August 2006: In Strasshof taucht eine Frau auf, die behauptet, Natascha Kampusch zu sein. Sie sei jahrelang von einem Mann gefangen gehalten worden und habe nun die Flucht gewagt. In einem Garten unweit ihres Gefängnisses bittet sie eine Frau um Hilfe, die daraufhin die Polizei verständigt. Die Eltern von Kampusch werden verständigt, die die junge Frau eindeutig als ihr Kind identifizieren. Als ihr Entführer, Wolfgang Priklopil, entdeckt, dass Kampusch die Flucht gelungen ist, steigt er in seinen roten BMW und rast davon. In Wien wirft sich der 44-Jährige vor einen Zug. Priklopil ist sofort tot.

24. August 2006: Die Ermittler geben bekannt, dass es sich bei der jungen Frau tatsächlich um Natascha Kampusch handelt. Die damals 18-Jährige hat an der selben Stelle eine Narbe wie das damals zehnjährige Mädchen. Außerdem ist bei der Tatortbegehung in Strasshof in dem Verlies Nataschas Reisepass gefunden worden. Dass Kampusch ihrem Peiniger entkommen konnte, liegt an dem lockeren Umgang, den Priklopil zum Schluss an den Tag gelegt hat. Er hat das Mädchen auch zu Einkäufen und Ausflügen mitgenommen, sagen die Ermittler. Am Tag der Flucht sollte Kampusch das Auto Priklopils reinigen. Wegen des Lärms hat er sich einige Meter entfernt, um ein Telefongespräch zu führen. Diesen Moment nützte Kampusch für ihre Flucht. Es wird außerdem bekannt, dass die Behörden seit 1999 mehrmals in das Haus des Entführers kamen, Kampusch wurde dabei aber nicht entdeckt.

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