Endergebnis bringt vorerst keine Klarheit bei Afghanistan-Wahl

24 Kandidaten wegen Unregelmäßigkeiten disqualifiziert
24 Kandidaten wegen Unregelmäßigkeiten disqualifiziert ©BilderBox/Symbolbild
Zwei Monate nach der Parlamentswahl in Afghanistan sind am Mittwoch die abschließenden Ergebnisse verkündet worden. Von den rund 400 weiblichen Bewerbern wurden 69 ins Parlament gewählt.

Insgesamt 24 Kandidaten, die nach vorläufigen Ergebnissen eigentlich eines der 249 Mandate erhalten hätten, seien wegen Unregelmäßigkeiten disqualifiziert worden, teilte die Wahlkommission mit.

Trotz der Betrugs- und Manipulationsvorwürfe sei die Parlamentswahl am 18. September aber ein “großer Erfolg” gewesen, sagte der Leiter der Wahlkommission, Fazel Ahmad Manawi. Da es keine etablierten Parteien in Afghanistan gibt, war nach der Bekanntgabe der Ergebnisse zunächst nicht erkennbar, ob die Mehrheit der neu gewählten Abgeordneten Präsident Hamid Karzai unterstützt oder nicht.

Einem weiteren Vertreter der Wahlbehörde zufolge waren unter den disqualifizierten Kandidaten auch einige Verbündete Karzais, darunter ein Cousin des Präsidenten. Weiterhin offen war das Ergebnis in der südlichen Provinz Ghazni. Dort soll es technische Probleme gegeben haben.

Angesichts von Einschüchterungen und Gewalt der Taliban hatten nur rund 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Ursprünglich sollten die Endergebnisse bereits Ende Oktober verkündet werden. Allerdings verzögerte sich die Bekanntgabe, weil die Behörden mutmaßlichem Wahlbetrug nachgehen wollten. Die Unabhängige Wahlkommission strich in den vergangenen Wochen bereits mehrere Kandidaten von den Listen, die nach vorläufigen Ergebnissen ins Parlament eingezogen wären. Fast jede vierte Stimme wurde für ungültig erklärt.

Unmittelbar vor der Veröffentlichung der Endergebnisse protestierten in Kabul rund 100 Kandidaten gegen mutmaßlichen Wahlbetrug. “Wir glauben, dass die Wahl des afghanischen Volkes gestohlen wurde”, sagte der Bewerber Najibullah Mujahid, der nach vorläufigen Ergebnissen den Einzug ins Parlament verpasste. Unter den Demonstranten waren auch zahlreiche Kandidaten, die vermutlich genug Stimmen erhalten haben, deren Wahl aber von den Behörden für ungültig erklärt wurde.

Bei der Parlamentswahl hatte es großflächigen Betrug gegeben. Bei der unabhängigen Beschwerdekommission waren rund 6.000 Eingaben eingegangen.

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