Empörung über geplante Koran-Verbrennung

Ungeachtet der Proteste hoher politischer und religiöser Vertreter in den USA hält der Pastor einer kleinen radikalen christlichen Gemeinde in Florida an seinem Plan fest, zum Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 mehrere Exemplare des Korans zu verbrennen.
Proteste gegen Koran-Verbrennung
Clinton verurteilt geplante Koran- Verbrennung
Besorgnis vor geplanter Koran- Verbrennung zu 9/11

US-Außenministerin Hillary Clinton sprach am Dienstagabend (Ortszeit) von einem “respektlosen, schändlichen Akt”. Justizminister Eric Holder nannte das Vorhaben “idiotisch und gefährlich”. Der Kommandant US-Truppen in Afghanistan, David Petraeus, hatte zuvor gewarnt, dass die Aktion Anschläge gegen US-Soldaten provozieren könnte.

Außenministerin Clinton sprach anlässlich eines Iftar-Mahls zum Fastenbrechen im islamischen Monat Ramadan in Washington und sagte: “Ich fühle mich ermutigt von der klaren, unmissverständlichen Verurteilung dieses respektlosen, schändlichen Akts” durch führende Vertreter aller Glaubensrichtungen in den USA. Clintons Sprecher Philip Crowley sprach von einer Provokation. Es zeige Respektlosigkeit gegenüber einer Religion. Er betonte zugleich, die Welt dürfe Amerika “nicht an der Aktion eines Pastors oder 50 seiner Anhänger” messen. Die Stadtverwaltung des Ortes Gainesville habe die an diesem Samstag geplante Aktion zwar verboten. Es sei aber unklar, ob sich der Pastor daran halten werde.

Pastor Terry Jones vom fundamentalistischen Dove World Outreach Center in der Kleinstadt Gainesville erklärte jedoch, er wolle die Verbrennung des heiligen Buchs der Muslime trotz der Proteste nicht absagen. “Wir müssen eine klare Botschaft an den radikalen Islam senden, dass wir seine Drohungen und die Verbreitung von Angst hier bei uns in Amerika nicht tolerieren”, erklärte er. Pastor Jones hat den heurigen 11. September zum “Internationalen Tag der Koran-Verbrennung” erklärt. Damit solle der Opfer der Anschläge vor neun Jahren gedacht und dem radikalen Islam eine klare Absage erteilen werden. Der Koran “ist für den 11. September verantwortlich”, sagte er in einem Video auf der Website seiner Gemeinde. “Der Islam ist eine schlechte Religion.”

Nach Angaben der Christlichen Gemeinde Köln war Jones dort mehrere Jahre als Pastor tätig. Vor zweieinhalb Jahren habe sich die Gemeinde in Deutschland aber von ihm getrennt, weil sie mit seinen Ansichten nicht mehr übereingestimmt habe.

In Washington verurteilten auch religiöse Führer die Verbrennung des heiligen Buches der Muslime. Es handle sich zum ein “besonders ungeheuerliches” Vorhaben, meinten muslimische, christliche und jüdische Vertreter. Auch mit Blick auf die hitzige Debatte über den geplanten Bau eines muslimischen Kulturzentrums nahe dem Ort der verheerenden Anschläge vom 11. September in New York mahnten sie religiöse Toleranz in den USA an. Sie beklagten eine “steigende Welle von Angst und Intoleranz” in den USA.

Der Koran ist das heilige Buch der Muslime, dessen arabischsprachiger Text ihrem Glauben nach dem Propheten Mohammed wörtlich von einem Engel diktiert wurde. Die Muslime verlangen, dass gedruckte Ausgaben des Koran mit höchstem Respekt behandelt werden. Verstöße werden als zutiefst beleidigend empfunden und haben in der Vergangenheit wiederholt gewalttätige Reaktionen ausgelöst.  

2005/06 hatten Karikaturen des Propheten Mohammeds in dänischen Medien gewaltsame Proteste in der islamischen Welt ausgelöst, bei denen über 20 Menschen getötet worden waren. In Kabul ist es wegen der geplanten Koran-Verbrennung bereits zu Protesten gekommen. Wütende Gläubige verbrannten am Montag US-Flaggen und riefen “Tod Amerika”.

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, der sich in Washington aufhielt, äußerte sich besorgt. Koran-Verbrennungen widersprächen “allen Werten, für die wir stehen und für die wir kämpfen”, zitierte ihn die “Washington Post”.

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