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EM-Debütant Polen kämpft gegen "deutschen Fluch"

Die polnische Fußball-Nationalmannschaft kämpft bei ihrer EM-Premiere gegen den "deutschen Fluch". In 75 Jahren gelang gegen das Nachbarland in 15 Partien kein Sieg, 11 Niederlagen und 4 Remis sprechen eine deutliche Sprache.

Unter Trainer Leo Beenhakker will der Debütant dieser historischen Negativserie am Sonntag in Klagenfurt (20.45 Uhr/live ORF1) ein Ende bereiten. “Wir denken nicht daran, was vor 2, 4, 20 oder 50 Jahren war. Wir müssen bereit sein und ich glaube, dass wir es sind”, meinte Deutschland-Legionär Jacek Krzynowek.

Vor der im Vorfeld von medialen Untergriffen begleiteten Partie der Österreicher-Gruppe B trübte die Verletzung von Jakub Blaszczykowski die Stimmung im polnischen Lager. “Die Planung war, mit Kuba anzufangen”, meinte Beenhakker, der Medienberichte über Spannungen zwischen ihm und dem abgereisten Dortmund-Legionär negierte. Dem Teamgefüge hätte der Ausfall des Flügelspielers nach Meinung des Niederländers nicht geschadet: “Wir sind sehr relaxed, andererseits aber auch sehr scharf darauf, ins Spiel zu gehen”.

Anders als in den WM-Turnieren 2002 und 2006, als es gegen die vermeintlichen Außenseiter Südkorea und Ecuador Auftaktniederlagen setzte, hofft man im Lager der “Kadra” auf einen guten Start. Dass man dabei gleich auf den selbst ernannten Titelfavoriten trifft, sei nach den Erfahrungen der vergangenen WM-Endrunden nicht unbedingt ein Nachteil. Seine Taktik auf das Spiel des WM-Dritten anpassen will Beenhakker jedenfalls nicht.

“Was der Kollege macht, ist mir egal. Deutschland hat eine sehr kompakte Mannschaft. Wir respektieren das, aber mehr schon nicht”, erklärte der Trainer-Fuchs, der am Freitag aber auch den Negativlauf der Deutschen während europäischer Titelkämpfe in Erinnerung rief. “Sie haben seit 1996 kein EM-Spiel gewonnen. Sie haben die erste Runde in den Niederlanden nicht überlebt, sie haben die erste Runde in Portugal nicht überlebt”, sagte der 65-Jährige, der seinem Credo “Kontrolle durch Ballbesitz” treu bleibt: “Es wäre nicht sehr clever, wegen der EURO unsere Art, wie wir spielen, zu ändern”.

Für Blaszczykowski rückt voraussichtlich Smolarek an die rechte Flanke, Krzynowek fühlt sich wohl an der angestammten linken Seite besser aufgehoben. Der eingebürgerte Brasilianer Roger steht vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Im defensiven Mittelfeld soll der in Hochform agierende Mariusz Lewandowski die Kreise von Deutschlands Kapitän und Spielgestalter Michael Ballack empfindlich stören. “Wir glauben an einen Sieg gegen die Deutschen, weil sie nicht die spielerische Qualitäten von Portugal haben, obwohl sie physisch stark sind”, erinnerte der Spieler von Schachtjor Donezk noch einmal an den Sieg gegen die Südeuropäer in der EM-Quali.

Als Schwachstelle im vom Austrianer Jacek Bak mitorganisierten polnischen Defensivverband gilt Linksverteidiger Jakub Wawrzyniak. “Für alles im Leben gibt es ein erstes Mal. Auch Ronaldo hat einmal sein erstes Spiel für Portugal bestritten und auch Boniek”, erklärte Beenhakker auf die Unerfahrenheit des elffachen Teamspielers angesprochen. Überhaupt sei ihm egal, was über das Team geschrieben wird. “In den kroatischen Medien war zu lesen, dass ich mit Zurawski gerauft habe”, meinte der Niederländer und ergänzte: “Ave Caesar. Lasst sie reden”.

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