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Elsner: Medizinisch kaum akuter Handlungsbedarf

Transportfähig war Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner - bewiesenermaßen - jedenfalls. Die genauen Details seiner Beschwerden kennen nur seine Ärzte.

Aber: „Es handelt sich offenbar um eine koronare Herzkrankheit, wie sie viele andere 70-Jährige haben“, sagte ein Wiener Kardiologe am Mittwoch gegenüber der APA. Wahrscheinlich würde man den Untersuchungshäftling „konservativ“, also ohne Eingriffe wie Ballondilatation oder Bypass-Operation behandeln.

Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte Univ.-Prof. Dr. Heinz Weber, Kardiologe und Leiter der 1. Medizinischen Abteilung am Wiener Donauspital, via Nachrichtenmagazin „News“ einen anonymisierten französischen Ärztebefund Elsners erhalten. Darin war von einer so genannten 40-prozentigen Hauptstammstenose (Verengung des Hauptstamms der linken Koronararterie) die Rede gewesen. Weiters dürfte der Ex-Bankenchef an einer Verengung einer vom Hauptstamm ableitenden „Circumflexa (Ramus circumflexus) leiden.

Am Mittwoch hieß es dazu in Wiener Kardiologenkreisen: „Eine 40-prozentige Vereingung ist hämodynamisch nicht wirksam (den Blutfluss einschränkend, Anm.). Sie erzeugt keine Symptome.“ Als Behandlungsmöglichkeit käme hier eventuell eine Bypass-Operation in Frage. Die würde man aber nicht durchführen, so lange diese Verengung keine Beschwerden verursache. Üblicherweise wird operiert, wenn hier eine erheblich größere Verengung (z.B. 70 Prozent des Durchmessers) vorliege. Ein Kardiologe: „Das würde man aber bis dahin am ehesten in Ruhe lassen.“

Unter Belastung zu Symptomen führen kann hingegen leicht eine Circumflexa-Verengung. Hier bestünde die Möglichkeit einer Aufdehnung des verengten Gefäßes durch einen Katheter. Das ist ein Eingriff, der ohne größere Operation durch Einführen eines aufblasbaren Ballons an die Engstelle erfolgt. In den vergangenen Jahren haben sich solche Prozeduren insofern gewandelt, als zur Vermeidung von erneuten Verengungen gleichzeitig aufklappbare Drahtgitterröhrchen („Stents“) an der aufgedehnten Stenose eingefügt werden.

Elsner wurde in Frankreich ganz sicher gut versorgt. Ein Wiener Spezialist: „In Frankreich gibt es hervorragende Kardiologen.“ Natürlich könnte seit den letzten eingehenden Untersuchungen des nunmehrigen Untersuchungshäftlings auch eine Verschlechterung eingetreten sein. „Ich hatte einen Patienten, bei dem hat sich eine Koronarstenose binnen drei Monaten so verschlechtert, dass wir handeln mussten. Doch eine solche Verschlechterung würde man vor einer Operation etc. auf jeden Fall objektivieren müssen, um eine Indikation für einen Eingriff zu stellen“, fügte der Kardiologe hinzu.

Dazu stehen die üblichen Diagnoseverfahren bei Koronarerkrankungen zur Verfügung: Das beginnt bei der eher unspezifischen Fahrradergometrie und führt über die Koronarszintigraphie (Darstellung der Durchblutung des Herzens per radioaktiv markierten Substanzen, Anm.) und die Ultraschalluntersuchung auf die Pumpleistung des Herzens bis hin zur Herzkatheteruntersuchung, bei der per Kontrastmittel und Röntgen eine allfällige Stenose per Film festgehalten wird. Letzteres ist am aussagekräftigsten, jedoch birgt jede invasive Untersuchung auch ein minimales Risiko in sich.

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