Elsner kritisiert "Kaffeekränzchen" beim Staatsanwalt

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Zu einem Wirbel um Vorwürfe von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner gegen Staatsanwalt Georg Krakow ist es Montagvormittag im BAWAG-Prozess gekommen.

Der Angeklagte Elsner deutete dabei ein Naheverhältnis des Staatsanwalts zum mitangeklagten Wolfgang Flöttl bzw. dessen Anwalt Herbert Eichenseder an. Krakow habe mit Eichenseder ein “Kaffeekränzchen” gehalten. Das habe ihm Wolfgang Brandstetter erzählt, der ihm Anfang 2006 seine juristische Vertretung angeboten habe, empörte sich Elsner. Brandstetter dementierte Elsners Angaben umgehend. Krakow wies die Vorwürfe entschieden zurück.

“Wollen Sie dem Staatsanwalt Amtsmissbrauch vorwerfen, dann drücken Sie sich klar aus”, forderte Richterin Claudia Bandion-Ortner den Angeklagten auf. “Es kommt mir eigenartig vor, wenn ein Staatsanwalt mit einem Verteidiger Kaffee trinkt”, meinte Elsner. “Wollen Sie den Staatsanwalt als befangen wissen?” fragte die Richterin nach. “Werten Sie das, was ich hier sage”, forderte der Angeklagte die Richterin auf. “Wir haben alle schon miteinander Kaffee getrunken”, meinte die Richterin ungerührt.

Elsner erläuterte seine Bedenken weiter: “Es gibt einige Dinge die mir komisch vorkommen, es gibt Geisterdateien die aufgetaucht sind.” Brandstetter, im Verfahren als Privatbeteiligtenvertreter der BAWAG tätig, schaltete sich ein: Elsners Behauptungen seien “absurd”, meinte der Universitätsprofessor: “Das geht in Richtung Verschwörungstheorie.” Auch Staatsanwalt Krakow ergriff das Wort: Die Anklage sei gegen Elsner und gegen Flöttl erhoben, die Verteidigung von Elsner und der Angeklagte selber versuchten aber immer wieder, das Strafverfahren in ein Verfahren “Flöttl gegen Elsner oder Elsner gegen Flöttl” umzudeuten. Außerdem biete er allen Gesprächspartnern einen Kaffee an: “Alle tranken bei mir schon Kaffee, weil es meine Art ist, jedem, der kommt, einen Kaffee anzubieten – auch dem Dr. Schubert”, so der Staatsanwalt.

Elsners Verteidiger Wolfgang Schubert sprang seinem Mandanten zur Seite: Wenn er, Schubert, Fragen stelle, die zulasten von Flöttl gingen, gebe es regelmäßig Zusatzfragen des Staatsanwalts zulasten von Elsner. Fragen des Staatsanwalts für Elsners Entlastung habe er hingegen nicht festgestellt. “Es steht Elsner frei, wenn er mich für befangen hält, einen Antrag auf Befangenheit zu stellen”, meinte Krakow. Als die Richterin versuchte, das Thema abzuschließen, wollte Elsner weiterreden: “Herr Elsner, müssen Sie immer das letzte Wort haben?”, fragte Bandion-Ortner.

Schließlich meinte die Richterin: “Wir machen jetzt zehn Minuten Pause, die Kaffeemaschine des Herrn Staatsanwalts steht zur Verfügung.” Im Gang hinter dem Gerichtssaal hat der Staatsanwalt nämlich seit Beginn des Prozesses eine Espressomaschine zur Verfügung gestellt – wo alle Beteiligten in den Pausen Kaffee trinken können und diese Möglichkeit auch fleißig nutzen.

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