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EIS genauso unzuverlässig wie PISA

Ganz ähnliche Kritikpunkte, wie sie immer wieder für den internationalen Bildungsvergleich PISA geäußert werden, erheben Experten nun auch in Sachen Technologie- und Innovationsvergleich EIS.

Experten von Joanneum Research äußerten sich in einer am Mittwochabend in Wien präsentierten Studie zum jährlich durchgeführten Technologie-Ranking „European Innovation Scoreboard“ (EIS). Die Untersuchung mit dem Titel „The European Innovation Scoreboard: Vom Nutzen und Nachteil indikatorgeleiteter Länderrankings“ war von den Ministerien für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr in Auftrag gegeben worden.

EIS ist im Zuge des sogenannten Lissabon-Prozesses entstanden, durch den über verschiedene politische Maßnahmen die EU zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum“ werden soll. Ohne mit konkreten Machtbefugnissen ausgestattet zu sein, könne die EU-Kommission über europäische oder internationale Vergleiche wie EIS Druck auf die Mitgliedsländer ausüben, die Politik in eine bestimmte Richtung zu ändern, erklärte dazu Studienautor Andreas Schibany von Joanneum Research.

Das Landerranking für EIS wird über 25 verschiedene Indikatoren errechnet, darunter Zahl von Patentanmeldungen in einem Land, Anteil an Uni-Abschlüssen, Ausgaben für Forschung und Entwicklung, zur Verfügung stehendes Wagnis-Kapital und auch die Ergebnisse der Unternehmensbefragung „Community Innovation Survey“ (CIS). Österreich hat sich in den Rankings seit 2002 stets im Mittelfeld, um Platz zehn im EU-Vergleich wiedergefunden. 2005 gab es kurzen Jubel über eine schlagartige Verbesserung auf Platz fünf, ein Jahr später folgte der Dämpfer: Rückfall auf Platz neun.

Der Hauptkritikpunkt der Studienautoren richtet sich gegen die Praxis, die Vielzahl der erhobenen Parameter letztendlich zu einer einzigen Zahl und einem einzigen Länder-Ranking zusammenzuführen. Diese Zahl werde vor allem medial viel beachtet, sage aber über Schwächen oder auch Verbesserungen der Innovationsleistung in einem Lande praktisch nichts aus. Eine differenzierte Sicht der einzelnen Punkte der Studie sei wesentlich sinnvoller.

Schibany relativierte auch sogenannte Abstürze oder auch dramatische Verbesserungen im Ranking. „Eine Verschlechterung von fünf auf neun bedeutet nicht zwangsläufig Verschlechterung eines Landes, sondern eine Veränderung des Rankings“, so der Experte. Die Joanneum-Forscher haben dazu auch die kurzzeitige Verbesserung Österreichs im Jahr 2005 unter die Lupe genommen und festgestellt, dass es sich um ein Artefakt handelte.

Derartige Phänomene können entstehen, da nicht alle Länder pünktlich vergleichbare Zahlen zur Verfügung stellen können. Viele Parameter werden daher mehr oder weniger geschätzt. Nachträglich und mit den tatsächlichen Zahlen nachgerechnet, kamen die Studienautoren zu dem Schluss, dass es 2005 für Österreich weder eine Verbesserung noch einen anschließenden Absturz gab.

Schibany warnte generell davor, das Ranking überzubewerten. Ob ein Land jetzt auf Platz fünf oder neun liege, sei nicht wirklich von Bedeutung. Für Österreich können festgestellt werden, dass man sich seit Jahren stabil im Mittelfeld halte. Einen deutlichen Abstand gebe es zu den Spitzenländern wie Schweden, Finnland, Dänemark und Deutschland. Gut schneide Österreich bei den Parametern etwa betreffend Patentzahlen ab, Nachholbedarf gebe es etwa bei der tertiären Ausbildung sowie bei der Bereitstellung von Wagnis-Kapital.

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