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"Einsatz stellt alle Erfahrungswerte auf den Kopf"

©APA
Für die Opfer unter den Trümmern des nach einer Explosion teilweise eingestürzten Hauses in St. Pölten ist der Mix aus lebensbedrohlichen Gefahren groß.

Man könne nicht sagen, wie lange man unter den Trümmern überleben kann, “oft genügen bei einem Brand drei Atemzüge und man ist tot”, dann wiederum können Verschüttete Tage unter den Überresten ausharren und lebend geborgen werden, sagte ein erfahrener Einsatzleiter der Feuerwehr zur APA. “So etwas stellt alle Erfahrungswerte auf den Kopf.”

“Es gibt Hunderte verschiedene Verschüttungsformen”, sagte der Feuerwehrmann. Es gehe nicht nur um den Sauerstoffmangel, “auch der Brandgeruch ist extrem toxisch”. Das Kohlenmonoxid setzt sich auf die roten Blutkörperchen und man erstickt innerlich. Bei jedem Rauch entstehen Säuren. In Wohnhäusern, wo etwa PVC (Kunststoff, Anm.) verbrennt, bildet sich Salzsäuregas. “Das verätzt die Lunge”, sagte der Helfer. Da seien viele Gifte enthalten. Auch die thermische Belastung für Körper und Lunge durch den Brand sei extrem.

Die Feuerwehrleute gehen bei ihren Einsätzen immer nach der sogenannten GAMS-Regel vor, was bedeutet: Gefahr erkennen, Absperren bzw. Absichern, Menschenrettung und Spezialkräfte alarmieren. Zunächst wird die Gaskonzentration gemessen, danach wird die Art festgestellt. Erdgas wird im höheren Bereich gemessen, weil es leichter als Luft ist. Propangas breitet sich wiederum unten aus. Die Frage sei, welches Gas es überhaupt war, das zu der Explosion in St. Pölten geführt hat. Nach der Messung muss eine weitläufige Absperrung der Gefahrenzone erfolgen. Erst dann kann man mit der Menschenrettung unter Atemschutz beginnen. “Die Gefahr bei Gas ist, dass man nie weiß, wo noch etwas austreten kann”, sagte der Brandbekämpfer.

Bei einer Konzentration zwischen fünf und 15 Volumprozent wird Erdgas in der Luft entzündlich. Darunter ist es für eine Verbrennung zu wenig, darüber ist der Anteil des Brennstoffes zu hoch und der Sauerstoffgehalt zu gering, erläuterte der Experte. “Das Verhältnis zwischen Brennstoff und Sauerstoff muss stimmen.” Bei fünf Prozent Gasgehalt komme es zu einer Verpuffung, etwa zehn Prozent sei das “optimale” Verhältnis für eine Explosion. “Da entsteht eine ordentliche Druckwelle.”

Durch Odorierung (Hinzufügen von Geruchsstoffen, Anm.) riecht man Erdgas, noch bevor es gefährlich wird. Die Odorierung sei eine Sicherheitsmaßnahme, damit man Lecks schnell erkennen kann. Generell gelte Erdgas aber bei richtigem Gebrauch sehr sicher, so der Feuerwehrmann. Für die Einsätze in Zusammenhang mit Gas hat die Feuerwehr eigene Geräte und Schaufeln, die keine Funken schlagen können. Wenn Gas brennt, dann lässt man es brennen und löscht es nicht. Solange es brennt, sei es keine Gefahr. Gelöscht wird durch Entzug des Brennstoffes, indem man die Gasleitung abdreht.

“Es kommt aber extrem auf die Situation an.” Wenn Personen im Haus sind, muss man überlegen, ob man nicht doch löscht. Das Gas muss dafür aber abgedreht sein, sonst kann es sich an einer anderen Stelle ansammeln, so der Experte.
Grundsätzlich seien Einsätze bei Zwischenfällen mit Gas nicht gefährlicher als andere, meinte der Feuerwehrmann. “Es braucht eine andere Taktik, als wenn ein Holzstoß brennt. Holz löscht man, indem man es abkühlt. Brennendes Öl im Topf, erstickt man durch Sauerstoffentzug.”

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