Einjähriges Kind missbraucht: Mutter und Stiefvater stehen vor Gericht

Schwerster Kindesmissbrauch vor Gericht
Schwerster Kindesmissbrauch vor Gericht ©Bilderbox
Am Donnerstag wurde ein unfassbar grausamer Fall von Kindesmissbrauch am Wiener Straflandesgericht verhandelt. Ein 23-jähriger Mann soll seine Stieftochter schon mit einem Jahr missbraucht haben, die Mutter soll der Kleinen sogar noch den Mund zugehalten haben, wenn sie vor Schmerzen schrie.

Der 23-jährige Mann, der sich am Donnerstag vor Gericht verantworten musste, soll seine Stieftochter erstmals mit knapp einem Jahr missbraucht haben. Danach soll es regelmäßig zu Misshandlungen gekommen sein. Wenn das Kleinkind vor Schmerzen aufschrie, soll die leibliche Mutter dem Mädchen sogar noch den Mund zugehalten haben.

Stiefvater soll Kind missbraucht haben: Mutter unternahm nichts dagegen

Die Mutter des Mädchen ist mittlerweile 21 Jahre alt und bekam das Kind mit knapp 15 Jahren. Sie musste sich am Donnerstag als Beitragstäterin vor Gericht verantworten. Der Fall war angezeigt worden, nachdem das Mädchen und ihre im Juni 2007 geborene Halbschwester dem Paar im November 2008 abgenommen und zu Pflegeeltern gekommen waren, weil das Jugendamt den Vater als gewalttätig einstufte und die Mutter als lieblos und mit der Kindererziehung überfordert betrachtete.

Alte Verletzungen konnten nachgewiesen werden

Die Pflegemutter belastete im Zeugenstand die Angeklagten massiv: Die 32 Jahre alte Frau zeigte sich überzeugt, dass die inkriminierten Übergriffe stattgefunden hatten, zumal im Jahr 2009 tiefe, alte Verletzungsspuren im Afterbereich des Mädchens nachgewiesen wurden und das Kind mitunter Szenen nachspiele, die ihr offenbar der Stiefvater angetan hatte.

Zwei Tage nach der Übernahme habe das damals drei Jahre alte Kind “Gute Nacht” gespielt und ihr Zungenküsse verabreichen wollen, berichtete die Pflegemutter. Angreifen wollte sich das Mädchen mit der Begründung nicht lassen, der “Papa” habe “am Popo Aua gemacht”.

Mädchen will “ständig tot sein”

Im Zuge einer gynäkologischen Untersuchung im AKH wurden massive Verletzungen im Intimbereich der Kleinen nachgewiesen. Nach der Anzeige und der damit erforderlichen Befragung des Mädchens, im Zuge dieser das Kind die erlittenen Übergriffe schilderte, verschlechterte sich der Gesundheitszustand dramatisch. “Sie sagt, der Papa hat sie kaputt gemacht. Sie hat jeden Tag Angst, dass er sie holen kommt und wegnimmt. Jeden Abend kontrolliert sie die Türen, ob die auch abgesperrt sind”, berichtete die Pflegemutter.

Seit Jahresanfang befindet sich das Mädchen in täglicher psychiatrischer Betreuung. “Sie ist jetzt sechs Jahre alt und will ständig tot sein”, sagte die Zeugin.

Mutter und Stiefvater leugnen Missbrauch

Die Angeklagten versichern, dass es zu keinen sexuellen Übergriffen gekommen sei. Die Kindesmutter, die von 2006 bis 2010 mit dem 23-jährigen Mann liiert war, lebte mit diesem nie zusammen, sondern hielt sich in diesem Zeitraum in einem Mutter-Kind-Heim auf. Nach Darstellung des Angeklagten wäre es gar nicht möglich gewesen, sich an dem Mädchen zu vergehen, da es kaum Kontakt zwischen dem Stiefvater und der Kleinen gab, um die sich untertags eine Tagesmutter kümmerte. Allfällige Missbrauchshandlungen hätten andere Personen zu verantworten.

Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt dem Mädchen grundsätzlich Aussage- und Ausdrucksfähigkeit. Ihre Angaben werden in der Anklageschrift als “glaubhaft und schlüssig” dargestellt.

Prozess um Missbrauch des Mädchens vertagt

Das Gericht entschloss sich zur Einholung eines weiteren Gutachtens. Ein Sachverständiger soll die Sechsjährige auf mögliche Dauerfolgen untersuchen, was im Fall von Schuldsprüchen den Strafrahmen erhöhen würde. Die Verhandlung wurde auf 5. Juni vertagt.

(APA)

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