Einer nach dem Anderen - Trailer und Kritik zum Film

Gute Komödien müssen immer auch böse sein. Schon Shakespeares Lustspiele hatten oft einen dunklen Unterton. Wenn man die Zuschauer zum Lachen bringt, kann man nebenbei auch Gift und Galle verspritzen und unangenehme Wahrheiten aussprechen.

In dieser Hinsicht ist “Einer nach dem Anderen” eine sehr gute Komödie geworden, wie ab 20. November im Kino zu überprüfen ist. Regisseur Hans Petter Moland (“Ein Mann von Welt”) hat eine schräge Krimigroteske inszeniert, die gnadenlos komisch ist und zugleich unangenehme Seitenhiebe auf den Gesundheitswahn und Sozialstaat auf Lager hat. Im Zentrum steht ein Vorzeige-Einwanderer aus Schweden und geachteter Familienvater.

Einer nach dem Anderen – Die Geschichte

Mit einem riesigen Schneepflug räumt Nils Dickman (großartig: Stellan Skarsgard) die Straßen in einem tief verschneiten norwegischen Provinznest. Als sein Sohn Ingvar mit einer Überdosis tot gefunden wird, glaubt Nils nicht an einen Drogentod. In dem Moment, als er sich selbst erschießen will, erfährt er, dass Ingvar von Mafiosi ermordet wurde. Von diesem Augenblick an zieht Nils auf dem Schneepflug ohne Rücksicht auf Verluste in einen gnadenlosen Rachefeldzug.

Ein Mann räumt auf: Irgendwo zwischen der blutigen Kaltschnäuzigkeit eines Quentin Tarantino und dem lakonischen Witz von Aki Kaurismäki irrlichtert diese abgründige Groteske. Nils zieht eine blutige Spur durch den Schnee, aber immerhin gönnt der Film jedem Toten eine letzte Ehre. Name und Religion werden noch einmal eingeblendet, die Toten werden in der “Reihenfolge ihres Ablebens” gewürdigt.

Einer nach dem Anderen – Die Kritik

Als Nils die letzten Helfershelfer abgeräumt hat, landet er beim großen Gangsterboss, genannt der Graf (Pal Sverre Valheim Hagen). Der entpuppt sich als geschniegelter Dandy mit Zöpfchen und Nadelstreifenanzug, ein Veganer, der in Scheidung lebt, um die Besuchszeiten für seinen Sohn kämpft und für seine Schergen frischen Karottensaft presst.

Und dann taucht noch ein serbischer Mafiaboss (wunderbar: Bruno Ganz) namens Papa samt Gefolge im hohen Norden auf. Die Lage wird etwas unübersichtlich. Nils lässt sich nicht beirren, handelt einen Deal mit dem brutal-sentimentalen Papa aus, und avanciert zum liebevollen Ersatzvater für den Sohn des kriminellen Grafen. Das feine Gewebe der Gesellschaft hat tiefe Risse – diese eiskalte Komödie zeigt sie uns erbarmungslos.

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(APA)

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