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Eine Historie der Terror-Anschläge in Österreich

Das jüngste Attentat am Schwedenplatz in Wien zählt gleichzeitig auch zu den schwersten Anschlägen in Österreich.
Das jüngste Attentat am Schwedenplatz in Wien zählt gleichzeitig auch zu den schwersten Anschlägen in Österreich. ©APA/AFP/ALEX HALADA
Das Rohrbombenattentat von Oberwart und die palästinensischen Anschläge der 1980er Jahre waren bisher die schlimmsten Terror-Attacken in Österreich. Nun ist die österreichische Geschichte in dieser Hinsicht um ein trauriges Kapitel reicher.

Das Attentat in der Wiener Innenstadt war der schwerste Terroranschlag der jüngeren österreichischen Geschichte. Laut Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wurden Dienstagabend vier Opfer und der Täter getötet und 22 weitere Menschen verletzt. Die bisher folgenschwersten Attentate waren die Briefbombenserie und das Rohrbombenattentat von Oberwart, bei dem 1995 vier Roma ermordet wurden, sowie der Anschlag der Abu-Nidal-Gruppe auf den Flughafen Wien mit vier Toten 1985.

Eine offizielle Aufstellung des Innenministeriums über Terroranschläge in Österreich gibt es nicht. Die folgende Auflistung basiert auf bis in die 1970er-Jahre reichenden Daten der "Global Terrorism Datebase" der University of Maryland.

2. November 2020: Ein islamistischer Attentäter eröffnet das Feuer auf Passanten und Gäste im Wiener Party-Viertel "Bermudadreieck". Obwohl der Mann schon nach kurzer Zeit von der Polizei erschossen wird, fordert der Anschlag zumindest vier Todesopfer und 22 Verletzte. Als Täter identifiziert wird ein 20-jähriger Österreicher mit nordmazedonischer Doppelstaatsbürgerschaft. Der Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" war einschlägig vorbestraft, weil er versucht hatte, nach Syrien auszureisen.

12. März 2018: Ein 26-jähriger Mann attackiert einen Wachsoldaten des Bundesheeres bei der iranischen Botschaftsresidenz in Wien mit einem Messer und wird erschossen. Laut Polizei hegte der Täter, der seinen Präsenzdienst beim Bundesheer absolviert hatte, Sympathien für den politischen Islam.

30. Juni 2017: Ein gebürtiger Tunesier ermordet in Linz ein älteres Ehepaar. Der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) berichtet wenig später von einer angeblichen Verbindung des Täters zum "Islamischen Staat" (IS). Von der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation wird der Mann allerdings freigesprochen und in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Er selbst gibt als Motiv an, er habe ein Exempel an der Gesellschaft und der FPÖ statuieren wollen, durch die er sich als Ausländer und Muslim diskriminiert gefühlt habe.

Zwei Anschläge im Jahr 2009 in Wien

24. Mai 2009: Bei einem Anschlag fundamentalistischer Sikhs auf einen Tempel in Wien-Rudolfsheim wird ein aus Indien angereister Guru getötet, neun weitere Personen werden teils schwer verletzt. Der Haupttäter erhält 2010 lebenslang, vier Mittäter 17 bzw. 18 Jahre Haft.

13. Jänner 2009: Umar Israilow, ein nach Österreich geflohener Bodyguard des Tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow, wird in Wien-Floridsdorf auf offener Straße erschossen. Der mutmaßliche Todesschütze kann nach Russland fliehen, drei Komplizen erhalten 2012 langjährige Haftstrafen.

Zwei Anschläge in den 90er-Jahren

11. April 1995: Bei einem misslungenen Anschlag auf einen Starkstrommasten in Ebergassing bei Wien sterben die beiden mutmaßlich linksradikalen Attentäter Gregor Thaler und Peter Konicek.

4. Februar 1995: Eine vom Rechtsradikalen Franz Fuchs gelegte Rohrbombe tötet in Oberwart vier Roma. Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath und Erwin Horvath sind damit die Opfer des bisher folgenschwersten innenpolitisch motivierten Attentats in Österreich. Fuchs, Urheber weiterer Rohr- und Briefbomben mit zahlreichen Schwerverletzten, wird 1997 gefasst und begeht 2000 in Haft Selbstmord.

Turbulente 80er-Jahre

13. Juli 1989: Iranische Agenten erschießen in einer Wiener Privatwohnung drei hochrangige kurdische Politiker, darunter den österreichischen Staatsbürger Fadel Rasoul. Die Täter können in der iranischen Botschaft untertauchen und dürfen nach Interventionen aus Teheran unbehelligt ausreisen - einer wird sogar unter Polizeischutz zum Flughafen Schwechat gebracht.

27. Dezember 1985: Bei einem Anschlag der palästinensischen Abu Nidal-Gruppe auf den Schalter der israelischen Fluglinie El Al am Flughafen Wien sterben drei Passagiere und ein Attentäter, 38 Personen werden verletzt. Bei einem zeitgleichen Anschlag in Rom gibt es 16 Tote.

19. November 1984: Der türkische Diplomat Enver Ergun wird am Wiener Schottenring in seinem Auto erschossen. Der Täter kann fliehen. Zum Anschlag bekennen sich armenische Extremisten. Bereits am 20. Juni war ein weiterer türkischer Diplomat Opfer eines Anschlags geworden.

29. August 1981: Ein palästinensisches Terrorkommando überfällt die Synagoge in der Wiener Seitenstettengasse. Der Pensionist Nathan Fried und die 25-jährige Ulrike Kohut werden getötet, zahlreiche Menschen verletzt. Polizei und der zufällig anwesende Leibwächter des Industriellen Leopold Böhm verhindern ein schlimmeres Blutbad. Die Täter - auch für den Mord an Nittel (siehe unten) verantwortlich - werden festgenommen.

1. Mai 1981: Die palästinensische Abu Nidal-Gruppe ermordet den Wiener Stadtrat und Präsidenten der Österreichisch-israelischen Gesellschaft, Heinz Nittel (SPÖ).

Opec-Überfall: Terroristen nehmen Geiseln

21. Dezember 1975: Ein Kommando unter dem berüchtigten Terroristen "Carlos" überfällt die Opec-Zentrale in Wien. Die Bilanz: drei Tote und zahlreiche Verletzte. Die Terroristen erhalten freies Geleit und dürfen mit mehreren Geiseln nach Algier fliehen. Innenminister Otto Rösch (SPÖ) verabschiedet "Carlos" mit Handschlag. Der Terrorist wird 1994 gefasst und sitzt in Frankreich in Haft.

22. Oktober 1975: Terroristen erschießen in Wien den türkischen Botschafter Danis Tunaligil. Für den Anschlag werden armenische Extremisten verantwortlich gemacht.

(APA/red)

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