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Ein verschwundenes Wiener Wahrzeichen: Die Donauwiese

Durch den Bau der neuen Donau verschwanden die Wiener Donauwiesen.
Durch den Bau der neuen Donau verschwanden die Wiener Donauwiesen. ©APA/Edition WInkler Hermanden
Wer erinnert sich noch an die Donauwiese, die entlang der Donau eigentlich vor Hochwasser schützen sollte? Stattdessen wurde es eine Freizeit-Institution für viele Wienerinnen und Wiener.

Nicht mehr ganz so junge Wienerinnen und Wiener können sich noch gut daran erinnern: An das “Inundations-” oder “Überschwemmungsgebiet”, das die Donau bei ihrem Fluss durch Wien begleitete. Der Historiker Matthias Marschik hat diesem “verschwundenen Wiener Wahrzeichen wider Willen” nun unter dem Titel “Die Donauwiese” in der Edition Winkler-Hermaden per Bildband ein Denkmal gesetzt.

Donauwiese war unter Wienern sehr beliebt

1875 im Zuge der Donauregulierung neben dem Flussbett als Wiesenstreifen angelegt, diente das Überschwemmungsgebiet eigentlich nur dazu, bei Hochwasser zusätzliche Wassermassen aufzunehmen. Zwar kam es dieser Aufgabe nicht immer zur Genüge nach – Hochwasser gab es immer wieder -, doch war der Ort bei den Wienerinnen und Wienern sehr beliebt. “Sie gingen dort wandern, baden oder im Winter eislaufen, fuhren Rad, ließen Drachen steigen und spielten Fußball.” Dazu gab es stehende, zum Teil mit der Donau verbundene Gewässer, die wiederum als hervorragende Fischreviere bekannt waren.

Der mit der Wiese verbundene Donaustrand ersetzte den Wienern mitunter auch das Meer, schwelgt der 1957 geborene Lehrbeauftragte der Universität Wien nicht zuletzt in persönlichen Erinnerungen. Doch will Marschik, der bis heute in Floridsdorf lebt und die Donauwiese als Kind als “Abenteuerspielplatz” erlebte, nichts idealisieren: “Abends und nachts wurde die Donauwiese zum erotischen und gefährlichen Ort. Die unkontrollierte und unkontrollierbare Wiese hatte auch ihre ‘dunklen Seite’. Hier wurden nicht nur Kinder gezeugt, sondern auch Selbstmorde verübt. Die Wiese war ein Platz für Prostitution und Verbrechen, für Alkoholismus und Schleichhandel.”

Bebauungspläne unter den Nazis

Von diesen nächtlichen Umtrieben ist in den zahlreichen historischen Fotos wenig zu sehen. Doch decken die Schwarz-Weiß-Bilder eine große Bandbreite der Zeitläufte an dem 474,5 Meter breiten Grünstreifen am Donauufer ab (Marschik: “Über die Länge ließ sich über 100 Jahre lang trefflich streiten”). Neben durchaus bekannten Ereignissen wie der “Wiener Internationalen Gartenschau/WIG 1964), die zum Bau des Donauturms führte, bringt der Band auch im historischen Bewusstsein eher verschüttete Dinge ans Licht.

Im Zweiten Weltkrieg etwa hegten die Nazis umfangreiche Ausbaupläne. Die “jüdische” Leopoldstadt sollte geschliffen werden, zudem ein Boulevard für militärische und Partei-Aufmärsche entstehen. “Über eine verbreiterte Reichsbrücke sollte man ein unmittelbar an die Donauwiese grenzendes gigantisches Stadtforum für die zentralen politischen Veranstaltungen und Feiern erreichen. Dahinter wurden ein riesiges Stadion und große Sport- und Vergnügungsflächen geplant.” Das Ende der Geschichte ist bekannt: Letztendlich lagen Wien und seine Donaubrücke 1945 in Trümmern.

Erste Versuche mit Flugzeugen

Wenig bekannt ist auch, dass es am Donauufer mitunter wahre Höhenflüge gab: “Das Überschwemmungsgebiet ist die Wiege der Aviatik in Wien. Auf der Donauwiese nahe Kaisermühlen startete im Mai 1909 zum ersten Mal in Wien ein Mensch mit einer Flugmaschine. Wegen der holprigen Piste verweigerte der französische Pilot Georges Legagneux anfangs zwar den Start, als die aus zehntausenden Zahlenden bestehende schaulustige Menge jedoch eine drohende Haltung einnahm, absolvierte er einen kurzen Versuch. Einige Beobachter waren überzeugt, er sei kurz geflogen, die anderen beklagten, das Flugzeug habe überhaupt nicht abgehoben.”

Zwar gab es in den 1920er-Jahren das Flugfeld in Aspern, doch verlangte der Betreiber so hohe Gebühren, dass die damalige nationale Luftlinie, die Österreichische Luftverkehrs-AG (ÖLAG) für die Strecken nach München und Berlin einen eigenen Flughafen auf dem Überschwemmungsgebiet anlegten. “Die Strecke nach Budapest bediente man mit Wasserflugzeugen, die zunächst in Jedlesee, ab 1924 nahe der Reichsbrücke landeten. Der ‘Flughafen’ bestand nur aus einer Holzhüte und einer Personenwaage, es fehlte selbst am Telefonanschluss.” Das letzte Flugzeug hob 1927 von Jedlesee ab. Ab 1953 aber wurden vom Überschwemmungsgebiet aus Rundflüge über Wien mit Segelflugzeugen angeboten. Erst 1973 wurde der Betrieb des Segelflughafens (heute Höhe Segelzentrum) eingestellt.

Zeltstadt für Ungarflüchtlinge auf der Donauwiese

In der Nachkriegszeit luden die sowjetischen Besatzer zu gerne besuchten Tombolas. Als Hauptgewinn gab es ein Paar Schuhe, in jenen Zeiten freute man sich aber selbst darüber. Auch wenn es den Österreichern damals ganz allgemein nicht so gut ging wie heute, waren ihre Herzen gegenüber Bedürftigen von außerhalb kollektiv weit offener. 1956 wurden Tausende Ungarnflüchtlinge kurzfristig in einer Zeltstadt auf der Donauwiese untergebracht, 1968 durften nach der Niederschlagung des Prager Frühlings Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei dort campieren. Und in den frühen 1970er-Jahren ließ man Gastarbeiter aus Jugoslawien und der Türkei dort ihre Feste feiern.

Aber auch die FKK-Kultur feierte im Überschwemmungsgebiet jahrelang fröhliche Urständ ́. Eher temporär war hingegen das Phänomen der “Zeltler”. In den 1930er-Jahren stellten sie auf der Donauweise ihre Behausungen auf, teils richtige Zelte, teils nur aus Planen gefertigte Unterkünfte. Hier verbrachten sie “das ganze Wochenende, manche sogar die ganzen Sommermonate”. Die Sommerfrische auf der Donauwiese ist Geschichte, auch weil es sie seit Ende der 1980er-Jahre nicht mehr gibt. Aber mit der Donauinsel samt Entlastungsgerinne haben sich die Wiener ja auch längst angefreundet.

Weitere Infos zur Donauwiese finden sich im Buch von Matthias Marschik: Die Donauwiese. Das Inundationsgebiet – Ein verschwundenes Wiener Wahrzeichen.

(APA/red)

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